Szenische Forschung
Serie: Master 2.0-Studiengänge an der RUB
Dank zahlreicher innovativer Projekte entwickelt sich die Lehre an der Ruhr-Universität immer weiter: Sie wird internationaler, interdisziplinärer, forschungsintensiver und bereitet gezielt auf Wissenschaftskarriere und Berufsleben vor. Paradebeispiele für diese Entwicklung sind die sog. Master2.0-Studiengänge. In einer kleinen Reihe wollen wir sie in RUBENS vorstellen. Los geht’s mit der „Szenischen Forschung“. Der Studiengang startet im Sommersemester 2012. Für die zehn freien Plätze kann man sich ab sofort bewerben.
Es reicht nicht aus, ein Theaterstück rein künstlerisch zu inszenieren. Um es tatsächlich auf die Bühne zu bringen, muss auch viel geplant und organisiert werden: Verträge mit Künstlern und Partnern, Werbung, Sponsorensuche, Technik, Ticketverkauf und vieles mehr. Darum kümmert sich ein Produktionsleiter, eine Position, die überall auf der Welt in der freien Theaterszene ständig gesucht wird. Sie liegt an der Schnittstelle zwischen Künstlerischem und Organisatorischem und erfordert Know-how in beiden Bereichen.
Der neue Master2.0-Studiengang Szenische Forschung gibt Studierenden das passende Rüstzeug für diesen Job mit auf den Weg, ebenso für eine Tätigkeit als Kurator oder Festivalorganisator. Nach vier Semestern Studium kann man aber durchaus auch die klassischen Berufsfelder am Theater wählen, Regie oder Dramaturgie. Entscheidend ist: Der im Sommer 2012 startende Studiengang bereitet mit künstlerischen, wissenschaftlichen und organisatorischen Elementen konkret auf spätere Berufsfelder im Theaterbereich vor.
Praktisch erproben
Er leistet aber noch mehr. „Die Studierenden sollen sich zunächst Gedanken machen über eigene künstlerische, ästhetische Ideen. Sie sollen Darstellungsformen praktisch auf der Bühne erproben, d.h., angelehnt an den Namen des Studienganges: sie szenisch erforschen“, sagt Prof. Sven Lindholm. Der Theaterwissenschaftler und freie Regisseur ist Sprecher des in NRW einmaligen Studiengangs. Konzipiert wurde er von Lindholm und seinen Institutskollegen Prof. Ulrike Haß und Prof. Guido Hiß. „Wir haben uns auch häufig mit den Studierenden hingesetzt und versucht, deren Belange und Ideen aufzunehmen“, so Lindholm.
Das Konzept des Studiengangs sieht vor, dass sich Theorie und Praxis bzw. Lehre und Forschung die Waage halten und dass die zehn Studierenden im Laufe der vier Semester zwei eigene Produktionen auf die Bühne bringen: im 1. und im 3. Semester. Dabei sollen sie probeweise in die später möglichen Berufsrollen schlüpfen: Sie sollen dramaturgisch tätig sein, Regie führen, organisieren oder die komplette Produktion leiten. Nur das Schauspielern übernehmen andere, zum Beispiel Bachelorstudierende der Theaterwissenschaft.
Unterstützt beim Inszenieren werden die Masterstudierenden von Praktikern, Regisseuren oder Dramaturgen städtischer und freier Theater, die jeweils ein Semester lang als Gastdozenten an die RUB kommen. „Wir haben zahlreiche internationale Kontakte, arbeiten aber aus praktischen Gründen eng mit Theatern in der Nähe zusammen“, erläutert Sven Lindholm, „mit Pact Zollverein in Essen, dem Forum Freies Theater Düsseldorf, dem Schauspielhaus Bochum und dem Mülheimer Ringlokschuppen.“
Von dort kommen neben Regisseuren und Dramaturgen auch Tontechniker und Beleuchter an die Ruhr-Uni, denn das Curriculum sieht ebenfalls die Vermittlung von technischen Kompetenzen vor. Das gilt natürlich erst recht für die Theorie (u.a. „Dramaturgie und Geschichte Szenischer Künste“ oder „Theorie und Ästhetik“, vermittelt von den Dozenten des Instituts für Theaterwissenschaft) und interdisziplinäre Einheiten (zu wählen u.a. aus dem Angebot der Medienwissenschaft, Anglistik oder Germanistik).
Optimale Betreuung
Natürlich können die Studierenden auch die Bühnen der Partnertheater zu Proben und Aufführungen nutzen. Gleichwohl suchen Lindholm und die anderen Dozent/innen in Bochum einen weiteren Proberaum, der ausschließlich der RUB zur Verfügung steht. Zunächst schien es Räume an der Bessemer Straße geben zu können, doch die hatten weder Heizung noch fließend Wasser. Eine Alternative zeichnet sich im ehemaligen Katholikentag-Bahnhof nahe der Bermudahalle ab.
Doch bevor es mit Proben und Seminaren überhaupt losgehen kann, müssen zunächst die passenden zehn Studierenden gefunden werden. „Der Master baut zwar auf den unserem B.A.-Studiengang Theaterwissenschaft auf, er steht aber auch anderen Studierenden offen, eigentlich aus dem ganzen Bereich der Geisteswissenschaften“, erläutert Sven Lindholm. Die Kandidaten müssen einen Hochschulabschluss (B.A. oder vergleichbar) besitzen, Theatererfahrungen haben sowie mit entsprechenden Materialien („Mappen“) ihre künstlerisch-praktische Eignung nachweisen. „Außerdem führen wir Auswahlgespräche“, so der Sprecher. Fest steht indes, dass die Zehn optimale Studien- und Betreuungsbedingungen vorfinden werden.
Steckbrief
„Szenische Forschung“ ist ein konsekutiver 1-Fach-Studiengang mit einer Regelstudienzeit von vier Semestern. Neben dem Erwerb von historischen und theoretischen Kenntnissen liegt der Schwerpunkt auf der praktischen Auseinandersetzung mit gegenwärtigen Formaten und Vermittlungsweisen des Theaters. Angeleitet durch Künstler erproben die Studierenden in Projekten, Übungen und Workshops aktuelle Inszenierungstechniken und ästhetische Strategien und reflektieren dies methodisch in theaterwissenschaftlichen Seminaren und interdisziplinären Lehreinheiten. Zudem gibt es Seminare mit Theatermachern und Programmgestaltern, wo den Studierenden kuratorisches, kunstvermittelndes und managementspezifisches Wissen vermittelt wird – praktisch und theoretisch. Das Studium wird im 4. Semester wahlweise mit einer schriftlichen M.A.-Arbeit oder mit einem praktischen M.A.-Abschlussprojekt (inkl. schriftlicher Reflexion) abgeschlossen. Die Bewerbungsfrist für den ersten Durchgang endet am 31-. Januar 2012.
Kontakt: Prof. Dr. Sven Lindholm, Institut für Theaterwissenschaft, Gebäude GB 3/33, Tel. 0234 32-23025, E-Mail: Sven.lindholm@rub.de.
ad; Foto: Julian Umbach | Themenübersicht

