RUBENS Nr. 155 - 1. November 2011
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Studenten spenden Stipendien

Büchergeld geht an Leute, die es dringender brauchen

Geldsegen macht Freude, sollte man meinen. Für viele Stipendiaten der Begabtenförderungswerke trifft das derzeit aber nicht zu. In der Erhöhung ihres sog. Büchergeldes sehen sie eine falsche Entscheidung, die die Bildungsungerechtigkeit in Deutschland vergrößert. Kurzerhand schlossen sie sich zur Initiative „Stipendienspenden“ zusammen. Sie überlassen ihr Büchergeld Initiativen, die Benachteiligte unterstützen.

Stein des Anstoßes war die Einführung des Bildungsfonds, der besonders leistungsstarken Studierenden einkommensunabhängige Stipendien in Höhe von 300 Euro monatlich ermöglicht. Stipendiaten der Begabtenförderungswerke wie der Studienstiftung des Deutschen Volkes bekommen einkommensabhängige Stipendien plus ein einkommensunabhängiges Büchergeld. Um sie gegenüber den Bildungsfonds-Stipendiaten nicht zu benachteiligen, wurde das Büchergeld für sie kürzlich von 80 auf 150 Euro angehoben. Bis 2013 soll es auf 300 Euro steigen. „Davon profitieren viele, die auch ohne die Erhöhung problemlos studieren könnten“, sagt Anselm Oelze, einer der Gründer von Stipendienspenden. Die Initiative ruft Stipendiaten dazu auf, ihr Büchergeld zu spenden. Drei gemeinnützige Organisationen haben die Stipendienspender für eine Unterstützung ausgewählt: die Initiative Arbeiterkind.de, die Kinder aus bildungsfernen Familien beim Studium unterstützt, den Verein „Rock your Life“, der Hauptschülern beim Berufseinstieg hilft, und die Initiative „Plan MSA“, die Schüler/innen aus benachteiligten Familien durch kostenlose Nachhilfe dabei unterstützt, ihren Realschulabschluss zu erreichen.

Wie viele Stipendiaten sich inzwischen dazu entschieden haben, Geld zu spenden, können die Gründer der Initiative noch nicht sagen. Die Spender überweisen das Geld direkt an die verschiedenen Organisationen, eine Zuordnung ist nur über die Angabe im Verwendungszweck möglich. Erste Zahlen werden im Dezember erwartet.

Zweckmäßig weitergeleitet

Einer der Spender ist Josua Faller, der an der RUB im 5. Semester Physik und Philosophie studiert. „Ich hab es relativ gut“, begründet er seine Entscheidung zur Spende. Und das nicht mal, weil seine Eltern so viel verdienen; er ist voll Bafög-berechtigt und erhält als Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes den Höchstfördersatz von etwa 600 Euro monatlich plus derzeit 150 Euro Büchergeld. „Mit den 600 Euro kann man prima auskommen, ich habe auch schon von weniger gelebt“, sagt er. Dank WG-Zimmer hält sich auch die Miete in Grenzen. „Würde ich in München studieren, wäre das wahrscheinlich anders“, so seine Einschätzung. Sein Büchergeld spendet er zum Teil an die Initiative Plan MSA. „Wenn ich es behalten würde, würde ich es wahrscheinlich nicht vollständig in Bücher oder sonst wie in Bildung investieren“, meint er. „Durch die Spende kommt es seinem eigentlichen Zweck also viel besser zugute.“

Die Studienstiftung hat nichts dagegen, dass Stipendiaten einen Teil des Büchergeldes spenden, wenn sie es nicht benötigen. „Allerdings ist die große Mehrheit unserer mehr als 11.000 Stipendiaten sehr glücklich über die Erhöhung des Büchergeldes“, sagt Cordula Avenarius, Pressesprecherin der Stiftung. „Sie war schon lange fällig, und wir begrüßen sie.“ Fakt ist, dass das Büchergeld seit rund 30 Jahren nicht erhöht wurde. Betrachtet man die Inflation, müsste das Büchergeld längst über 200 Euro betragen, um die Kaufkraft von ehemals 150 DM zu haben. „Viele Stipendiaten haben uns geschrieben, dass sie jetzt endlich ihre Eltern entlasten können oder weniger jobben müssen“, so Cordula Avenarius.

Info: Wer ebenfalls sein Büchergeld ganz oder teilweise spenden will, findet Infos auf der Homepage der Initiative

md, Foto: Nelle | Themenübersicht