RUBENS Nr. 155 - 1. November 2011
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Leute, Leute

Personalmeldungen November 2011

Neu berufen

Das Institut für soziale Bewegungen der RUB (ISB) bekommt eine noch stärkere internationale Ausrichtung: Nachfolger des kürzlich verstorbenen Sozialhistorikers Prof. Klaus Tenfelde ist Prof. Stefan Berger, der zum Beginn des Wintersemesters von der University of Manchester an die RUB gekommen ist. Berger übernimmt in der Fakultät für Geschichtswissenschaft die Professur für Sozialgeschichte und soziale Bewegungen. Er ist damit designierter Direktor des ISB. Stefan Berger bringt jede Menge internationale Erfahrung mit: 1964 in Langenfeld geboren, studierte er Geschichte, Politikwissenschaft und Germanistik in Köln. Anschließend war er u.a. Cecil Rhodes-Stipendiat in Oxford, Lecturer in Plymouth und Cardiff sowie Professor an der University of Glamorgan in Wales, ehe er nach Manchester ging und dort „Professor of Modern German and Contemporary European History“ und Direktor des dortigen Jean Monnet-Centre of Excellence wurde. Seine Forschungsschwerpunkte sind vergleichende Arbeiten zur Geschichte der Arbeiterbewegung, das Verhältnis der britischen Linken und der britischen sozialen Bewegung zur DDR sowie der sozial- und kulturgeschichtliche Vergleich des Ruhrgebiets mit anderen europäischen Ballungsräumen. Berger ist Vorsitzender der „German History Society in the UK and Ireland“, Vorsitzender des „History and Theory“-Netzwerks der European Social Science History Conference sowie seit 2003 Mitherausgeber der Buchreihe „Writing History“ (Bloomsbury).

 

Die internationale Marie-Jahoda-Gastprofessur für Geschlechterforschung besetzt im Wintersemester Dr. Sudeep Dasgupta aus Amsterdam. Er forscht und lehrt auf dem Gebiet der Media, Postcolonial und Queer Studies. Sein Interesse gilt insbesondere der Verbindung von Ästhetik und Politik und deren Bedeutung für die Medienwissenschaften. Sudeep Dasgupta studierte in Poona (Indien) und Pittsburgh, er wurde an der Amsterdam School of Communications Research promoviert. Derzeit lehrt und forscht er als Associate Professor für Media Studies an der Uni Amsterdam. Der renommierte Medienwissenschaftler bietet an der RUB das englischsprachige Seminar „Aesthetic Transformations, Disruptive Politics and Disturbing Identities” an. Es richtet sich an Studierende der M.A.-Studiengänge Gender Studies und Medienwissenschaft.

 

Rufe – Ämter – Ehre

Prof. Dr. Stefan Greiner (Rechtswissenschaft) hat einen Ruf auf eine Professur für Bürgerliches Recht und Nebengebiete an der Uni Bonn erhalten.

Prof. Dr. Holger Dette (Mathematik) hat einen Ruf auf eine Professur für Statistik am Department of Statistics des University College London erhalten.

Prof. Dr. Stefan Huster (Rechtswissenschaft) hat einen Ruf auf eine Professur für Öffentliches Recht an der Uni Augsburg erhalten.

Einen Oppenheim-Förderpreis für Spitzenforschung zur Multiplen Sklerose (MS) haben Mediziner der RUB bekommen. Der mit 20.000 Euro dotierte dritte Preis ging an Dr. Kerstin Hellwig und Dr. Carsten Lukas vom St. Josef Hospital Bochum, Universitätsklinikum der RUB. „Kinderwunsch und Multiple Sklerose: ‚Stillt‘ Muttermilch auch die postpartale Schub- und Kernspinaktivität?“ lautet der Titel ihres Forschungsprojekts.

Die Leiterin der RUB-Studiobühne Karin Freymeyer erhielt beim 8. Internationalen Studententheaterfestival Teatralny Koufar in Minsk den Hauptpreis „Beste Regie“. Ensembles aus 16 Ländern nahmen mit insgesamt 29 Inszenierungen am Wettbewerb teil. Die Studiobühne präsentierte ihr Erfolgsstück „Blaubart – Hoffnung der Frauen“.

Wie hilfreich kann die öffentliche Meinung sein, um in einer medizinischen Frage zu einer ethischen Entscheidung zu kommen? Eine Studie der Ärztin und Medizinethikerin Dr. Sabine Salloch vom Institut für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin der RUB hat die Akademie für Ethik in der Medizin (AEM) bei ihrer Jahrestagung Ende September in Göttingen mit ihrem Nachwuchspreis 2011 ausgezeichnet. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert.

In einem Glas Meerwasser haben Forscher hunderttausende Gene gefunden, deren Funktion z.T. vollständig unbekannt ist. Ihr Geheimnis zu lüften, ist Ziel des neuen Projekts von Jun.-Prof. Dr. Lars Leichert vom Medizinischen Proteom-Center. Für sein Vorhaben erhält der Wissenschaftler den mit 1,5 Mio. Euro dotierten „Starting Grant“ des European Research Council.

Als einzige deutsche Forscherin erhält die RUB-Chemikerin Prof. Anja-Verena Mudring im neuen Förderprogramm „Proof of Concept“ des European Research Council (ERC) eine von 30 EU-weiten Technologie-Förderungen. Ziel ist, die Forschungsergebnisse aus ihrem ERC-Starting-Grant „EMIL – exceptional materials from ionic liquids“ marktfähig zu machen.

 

Nachrufe

Die Ruhr-Universität trauert um Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Paul Mikat, der Ende September im Alter von 86 Jahren gestorben ist. Der Jurist und Politiker ist einer der Gründungsväter der RUB. Als NRW-Kultusminister trug er in den 60er-Jahren maßgeblich dazu bei, dass die erste Uni des Ruhrgebiets in Bochum errichtet wurde. Seit ihrer Gründung (1965) und bis 1990 war er Professor an der Juristischen Fakultät. Für seine Verdienste wurde Paul Mikat 2009 mit der Ehrenbürgerwürde der RUB ausgezeichnet. Das ist die höchste Auszeichnung, die die Uni verleiht. In ihrer Gründungsgeschichte spielte Mikat eine herausragende Rolle. Als Kultusminister war er ab 1962 kraft seines Amtes Mitglied des Gründungsausschusses der Ruhr-Universität und prägte dessen Arbeit entscheidend mit. Er engagierte sich für die Berufung herausragender Wissenschaftler, mit deren Namen der Aufbau der Uni bis heute verbunden ist. Die Katholisch-Theologische Fakultät der RUB verlieh Mikat 1985 die Ehrendoktorwürde, ebenso die Medizinische und die Juristische Fakultät der Uni Düsseldorf sowie die TU Dortmund und die Katholische Universität Lublin; die Unis Bielefeld und Düsseldorf ernannten Mikat zum Ehrensenator. Der Papst zeichnete den bekennenden Katholiken 2005 mit dem Großkreuz des Gregoriusordens aus.
Paul Mikat, am 10. Dezember 1924 in Scherfede (Ostwestfalen) geboren, gehörte 1969-1987 dem Deutschen Bundestag an. Auf Landes- wie auf Bundesebene löste der „Vater der Mikätzchen“ Probleme auch mal auf unkonventionelle Weise. Er schloss z.B. zahlreiche „Zwergschulen“ in NRW und bekämpfte den Lehrermangel kurzerhand durch Sonderkurse zur Ausbildung von Hilfslehrerinnen („Mikätzchen“). Als NRW-Kultusminister (1962-66) ging er „mit so viel Elan an die neue Aufgabe heran, dass in seinem Ministerium ein ‚Mikat‘ bald als Synonym für die Zeiteinheit zwischen zwei Erlassen verwendet wurde“, schreibt der Historiker Dr. Hans Stallmann in seiner Dissertation über die Gründung der RUB („Euphorische Jahre“). Parallel zur Bildungsoffensive jener Zeit beschäftigte sich Mikat kompetent und weitsichtig mit dem Strukturwandel und der Zukunft der Kohle in der Region. Zu den zahlreichen Auszeichnungen, die Mikat im Laufe seines Lebens erhielt, gehört die Ernennung zum „Bürger des Ruhrgebiets“ (1993).

 

Die Ruhr-Universität trauert um Prof. em. Dr. Rolf Wartmann, der am 20. September im Alter von 90 Jahren gestorben ist. Sein Studium der Mathematik, das er kriegsbedingt unterbrechen musste, beendete er 1951 erfolgreich mit dem Diplom der Universität Darmstadt. Nach seiner bereits zwei Jahre später abgeschlossenen Promotion an derselben Universität startete er zunächst eine Karriere in der Unternehmenspraxis, die ihn in leitende Funktionen bei Hoesch führte, die er bis 1981 innehatte. Während seiner Tätigkeit dort widmete er sich auch wieder wissenschaftlichen Fragen und verfasste seine Habilitation zum Thema „Entwicklung, Aufbau und Rechengänge eines mathematischen Hochofenmodells“. Die bereits in dieser Arbeit im Mittelpunkt stehende Anwendung mathematischer Methoden zur Lösung praktischer betriebswirtschaftlicher Probleme bildete auch einen Schwerpunkt in seinen Lehr- und Forschungsaktivitäten an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft der RUB, nachdem er 1970 dort zum Professor ernannt wurde. Ebenfalls seit 1970 war Prof. Wartmann Mitglied des interdisziplinären Instituts für Unternehmensführung der RUB. Die in diesem Institut verwirklichte enge Verzahnung von theoretischer Grundlagenforschung und praxisorientierter Anwendung im Bereich der Betriebswirtschaftslehre und die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Ökonomen und Ingenieuren lagen ihm sehr am Herzen und wurden durch seine Person wesentlich gefördert. Seine besonderen wissenschaftlichen Verdienste kommen u.a. darin zum Ausdruck, dass ihm die äußerst seltene Auszeichnung einer Ehrenmitgliedschaft in der Gesellschaft für Operations Research (GOR), die zu den größten und aktivsten OR Gesellschaften weltweit gehört, zu Teil wurde. Fakultät, Institut und Universität trauern um einen hochverdienten Hochschullehrer, Wissenschaftler, Kollegen und Ratgeber und werden ihm ein dankbares und ehrendes Andenken bewahren.

ad, jk, Dr. Martin Seidler; Foto: Gorczany | Themenübersicht