RUBENS Nr. 154 - 1. Oktober 2011
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Anderthalb Tonnen Papier

Exzellenzinitiative II: RUB reicht Vollanträge in allen drei Förderlinien ein

Unterschrift drunter und dann ab die Post! Satte anderthalb Tonnen Papier mussten Rektor Prof. Elmar Weiler und die Mitarbeiter vom Dezernat 1 bewegen: Anträge, Anhänge und Kopien für die Bewerbung in der Exzellenzinitiative. Allerdings verließ man sich hinterher nicht auf die Post, sondern auf die bekannte Zuverlässigkeit von Andreas Jünemann (Fahrbereitschaft). Er lieferte am 1. September die Anträge persönlich und pünktlich bei vier Institutionen in drei Städten ab (Bonn, Köln, Düsseldorf), z.B. bei der DFG in Bonn und beim Wissenschaftsministerium in Düsseldorf.

Unter sieben neuen Wettbewerbern um den Titel einer exzellenten Universität setzt die RUB zum Endspurt an: Am 1. September hat sie Vollanträge in allen drei Förderlinien der Exzellenzinitiative II des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung eingereicht. Exzellenzcluster (RESOLV), Graduiertenschule (RUB-Research School plus) und Zukunftskonzept (Research Campus RUB) sind passgenau vernetzt und bilden eine unverwechselbare Einheit. Alles ist auf die konsequente Weiterentwicklung des Zukunftskonzepts ausgerichtet hin zum Internationalen Forschungscampus. „Kraft und Begeisterung für diesen Weg schöpfen wir aus unserem Leitbild universitas“, so Rektor Elmar Weiler. „Es stellt die Menschen in den Mittelpunkt und steht für das internationale Miteinander von Lehrenden und Lernenden. Dabei ist uns die frühe Eigenständigkeit junger Forscher besonders wichtig und wir wollen gleichermaßen für die Förderung von Verbund- und Einzelforschung sorgen.“ Die RUB sieht einen Erfolg in der Exzellenzinitiative auch als Motor für den Strukturwandel im Ruhrgebiet, wo Universitäten längst eine entscheidende Rolle spielen.

Research Campus RUB

Nachdem sie noch zum Shooting-Star in der Endrunde der ersten Exzellenzinitiative avanciert war, präsentiert die Ruhr-Uni nun ein konsequent unter Beteiligung einer Vielzahl von Personen und Gruppen der Uni weiterentwickeltes ausgereiftes Zukunftskonzept. In ihrer Bewerbung „Reseach Campus RUB“ setzt die Uni auf ihre Spitzenposition unter den forschungsstärksten deutschen Universitäten. „Sechs Research Departments, zwei weitere sind beantragt, zeigen, dass die RUB in allen großen Wissenschaftsbereichen über weltweit konkurrenzfähige, disziplinübergreifende Verbundforschung verfügt“, betont Forschungsprorektor Ulf Eysel. Daneben will die RUB besonders auch die Einzelforschung stärken. „Sie ist das Fundament, ohne das sich eine kooperative Forschung nicht entwickeln könnte“, so Eysel. Hauptelement des Zukunftskonzepts ist die „International Faculty“. Sie wird von hervorragenden Forschern der RUB gemeinsam mit ihren internationalen Partnern gebildet und wird das Gesicht der RUB entscheidend prägen. Die „International Faculty“ lebt von Forschungsvorhaben, die eine ausgesprochen internationale Komponente enthalten und ausländische Gastwissenschaftler auf den Campus holen. So wird sie nicht nur Forschung und Lehre, sondern auch die Strahlkraft des Campus in die Öffentlichkeit verstärken.

RUB-Research School plus

Bereits in der ersten Runde der Exzellenzinitiative erhielt die RUB den Zuschlag für eine universitätsweite fachübergreifende Graduiertenschule – die RUB-Research School (RUB-RS). Sie hat sich im Verlauf der Förderperiode zu einer Plattform für alle Promovenden der RUB – ob aus Verbund- oder Einzelforschung – entwickelt und ermöglicht ihnen eine „Promotion mit Mehrwert“. RUB-RS wird ab Januar 2012 als eine Einrichtung in Trägerschaft aller 20 Fakultäten der RUB weitergeführt. „Sie hat sich zu einem Garanten für hervorragende Doktorarbeiten mit exzellenter Betreuung entwickelt“, sagt Nils Metzler-Nolte, Prorektor für wissenschaftlichen Nachwuchs und Internationales. „RUB-RS kann vielfältige Erfolge verzeichnen, dazu gehören weit über 1.000 wissenschaftliche Veröffentlichungen unserer Promovenden seit 2007“, betont der Prorektor. Mit dem neuen Exzellenzprogramm RUB-Research School plus möchte die Uni nun ein Förderprogramm für die besten jungen Wissenschaftler/innen ins Leben rufen. Die Research School plus unterstützt die kreativsten Doktoranden der RUB-RS nochmal besonders auf ihrem Karriere-Weg, indem sie z.B. Mittel zur Verfügung stellt für projektbezogene Forschungsaufenthalte im Ausland, für internationale Tagungen – oder promovierenden (werdenden) Eltern besondere Hilfestellung gibt.

Dass die Karriere-Wege in Forschung und Lehre an der RUB nicht in einzelnen Einrichtungen enden, sondern übergreifend ausgerichtet sind, zeigt sich auch in der Struktur der drei Förderanträge. Research-School plus und „International Faculty“ arbeiten mit abgestimmten Programmen Hand in Hand. Was die Research School plus den Promovierenden ermöglicht, bieten die Projekte der International Faculty jungen und etablierten Forschern: internationalen Austausch durch Konferenzen, Forschungsaufenthalte im Ausland sowie die Möglichkeit, internationale Fellows an die RUB einzuladen. Die RUB wird damit zu einem kosmopolitisch geprägten Lehr- und Forschungsraum: noch attraktiver für ausländische Studierende und Wissenschaftler, und mit den besten Möglichkeiten für die eigenen Mitglieder, Auslandserfahrungen zu sammeln.

Cluster RESOLV

Mit 18 Kooperationen allein zu internationalen Universitäten steht das Exzellenz-Cluster RESOLV (Ruhr Explores Solvation, Sprecherin: Prof. Dr. Martina Havenith-Newen) beispielhaft für den Internationalen Forschungscampus RUB. Hier zeigt sich in praxi die Vernetzung einer „International Faculty“ mit der „RUB-Research School“. Das Thema des Clusters ist längst überfällig – doch erst im vergangenen Jahrzehnt konnten die technischen Möglichkeiten geschaffen werden, um chemische Reaktionen, industrielle Prozesse oder biologische Vorgänge in flüssiger Phase (in Lösung) zu erforschen. Ein tiefgreifendes Verständnis der Solvatation auf Basis chemischer, physikalischer und ingenieurwissenschaftlicher Grundlagenforschung ist die Voraussetzung für wichtige Schlüsseltechnologien zur Vermeidung von Umweltbelastung, zur Verbesserung der Energieeffizienz und zum Verständnis von Korrosionsprozessen sowie für die Erklärung von biologischen Funktionen. Ziel des beantragten Clusters ist es, „Solvation Science“ auf der Basis eines molekularen und rationalen Ansatzes zu entwickeln. Die Forscher betrachten Solvensmoleküle als funktionelle Einheiten, die in solvensvermittelten und –kontrollierten Reaktionen eine aktive Rolle spielen und nicht nur passive Zaungäste sind.

bk; Foto: Nelle | Themenübersicht