Basisches oder Saures
Intensive Track-Projekt zum Einfluss der Ernährung in der Höhe
Spinatknödel ohne Parmesan-Topping treten gegen Schweinebraten mit Spätzle an. Welches Gericht hat den besseren Einfluss auf die Leistung in der Höhe? Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Intensive Track-Projekts zu Höhenphysiologie und Höhenadaptation* erfahren kurz vor der Exkursion in die Alpen ihre Ernährungsvorgabe für die nächste Woche: basisch oder sauer. Also entweder Salat, Orangensaft und Trockenfrüchte oder Fleisch, Hartkäse und Landjäger. Drei Tage später ging es für die Sportstudierenden ab in die Berge.
Das Taschachhaus liegt auf 2.434 m Höhe in den Ötztaler Alpen und dient der Gruppe sieben Tage lang als Stützpunkt für wissenschaftliche Untersuchungen und als Ausgangspunkt für Bergtouren. Im vorangegangenen Semester haben die Studierenden Projektideen zum Thema „Höhenadaptation und Höhenkrankheit“ entworfen. Ausgewählte Fragen werden während der Exkursion unter natürlichen Höhenbedingungen untersucht: Verändert sich die maximale Laktatbildungsrate in der Höhe? Unterscheiden sich die beiden Ernährungsgruppen bezüglich der aeroben Leistungsfähigkeit in der Höhe? Wie verändern sich Konzentrationsfähigkeit und Reaktionsfähigkeit bei einer Höhenexposition?
Belastungstests
Diese und ähnliche Fragen sollen untersucht werden. Und dafür schwitzen die Studierenden und Betreuer/innen der Gruppe. Beim „Step-Test“ werden die Forscher zu Probanden und müssen nach einer vorgegebenen Frequenz auf eine etwa kniehohe Stufe auf- und wieder absteigen, wobei sich die Frequenz so lange erhöht, bis man vollkommen körperlich ausbelastet ist. Nach jeder Stufe lassen sich die Läufer von einem Kommilitonen Blut am Ohrläppchen abzapfen, um später daraus Laktatwerte und weitere Blutparameter, wie den Blut-pH-Wert oder den Hämatokrit, zu ermitteln. Außerdem wird mit Pulsoxymetern die prozentuale Sauerstoffsättigung nach jeder Stufe gemessen. Die Sättigung, die ideal bei knapp unter 100% liegt, sinkt in der Höhe und unter Belastung bis unter 90% ab. Das macht sich für die Sportlerinnen und Sportler direkt bemerkbar: Der Puls erhöht sich, der Schweiß tropft, die Beine brennen; trotzdem werden am ersten Testtag in der Höhe weniger Stufen erreicht als beim Vortest auf Meereshöhe (NN).
Nach einer kurzen Pause geht es direkt weiter. Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit sind gefragt beim Determinationstest, einem Mehrfachreiz-Reaktionstest aus dem sog. Wiener Testsystem. Und schließlich noch einmal in die Sportklamotten, um bei 15 Sekunden maximal schnellen Skippings auf der Stelle, ähnlich einem 100 m-Sprint, soviel Laktat in die Blutbahn zu befördern, wie die Muskeln produzieren können. Eingabe und Auswertung der Daten im Anschluss erfolgt in einzelnen kleinen Forschungsgruppen und wird vom Betreuerteam unterstützt. Nach einem solchen Forschungstag hat man sich sein basisches Tomaten-Rösti oder seine sauren Käsespätzle definitiv redlich verdient.
12-Stunden Bergtour
Doch nicht nur das Intensive Track-Prinzip „Forschen Studieren“ steht bei diesem neuen Lehrkonzept im Vordergrund, vielmehr sollen die Studierenden auch ein breites Spektrum an methodischen, sozialkommunikativen und persönlichen Kompetenzen gewinnen. Daher werden im alternierenden Rhythmus mit den Testtagen immer wieder Bergtouren in die direkte Umgebung der Hütte unternommen. Nach einem intensiven Übungstag auf dem Gletscher, wo der Umgang mit bergsportspezifischer Ausrüstung (Pickel, Steigeisen, Seil) erlernt wird und die Teilnehmer für mögliche alpine Gefahren und Gruppendynamiken sensibilisiert werden, bricht die Gruppe frühmorgens zur Wildspitze auf, mit 3.768 m über NN der zweithöchste Berg Österreichs. Eine 12-Stunden Tour über Schnee, Eis und Geröll steht bevor. Sogar eine kurze, exponierte Kletterstelle muss die Gruppe überwinden. „Auf dem Gipfel war´s dann einfach nur noch ein geiles Gefühl! Ich war ganz schön stolz, dass ich bis zuletzt durchgehalten habe!“ sagt ein Teilnehmer am Abend nach der Bergtour.
Positives Feedback
Das abschließende Feedback von Teilnehmer/innen und Betreuer/innen ist durchweg positiv. Die Kombination aus theoretischer Aufarbeitung eines Themas mit Forschungspraxis und direktem Anwendungsbezug wird von den Teilnehmern dankend angenommen; die hohe Motivation sowohl auf Seite der Lehrenden als auch auf der Seite der Studierenden über den gesamten Zeitraum spricht für ein solches Lehrkonzept. Auch im Bereich Softskills nehmen die Studierenden etwas aus der Veranstaltung mit: Die Erkenntnis und das Wissen über die eigenen Fähigkeiten, ein entwickeltes Verantwortungsbewusstsein für übertragene Aufgaben und Gruppenbedürfnisse sowie das eigene Durchhaltevermögen auch in schwierigen Situationen werden von den Teilnehmern als herausragende Lernerfolge genannt.
Auf das nächste Projekt im Optionalbereich, das unter dem Titel „inStudies – intensiv studieren“ laufen und die bisherigen Inhalte noch erweitern wird, kann man also schon gespannt sein. Es wird im kommenden Wintersemester beginnen, über zwei Semester laufen, mit insgesamt 20 Punkten kreditiert und Studierenden aller Fachrichtungen offen stehen. Höhepunkt soll eine Exkursion sein, die laut Prof. Petra Platen vom verantwortlichen Lehrstuhl für Sportmedizin und Sporternährung „richtig in die Höhe“ führt. Gedacht ist an die Besteigung des mit 5.895 m höchsten Gipfels Afrikas, des Mt. Kilimanjaro. Angestrebt wird wiederum eine interdisziplinäre Nachwuchsforscher-Gruppe. Bewerbungen sind ab Oktober über den Optionalbereich möglich.
*Konkret heißt das Projekt am Lehrstuhl für Sportmedizin und Sporternährung (Prof. Dr. Petra Platen): „Forschendes Lernen interdisziplinär – intensiv – im Feld: Bewegung unter verschiedenen Umgebungsbedingungen – Höhenphysiologie und Höhenadaptation“
Mirjam Jeanette Limmer; Foto: privat | Themenübersicht

