AUFBRUCH IN 3D
Dreidimensionale Malerei Im Kubus
1949 durchstieß Lucio Fontana zum ersten Mal mit einem Locheisen die materielle Bildfläche und Ellsworth Kelly schuf sein erstes rahmenloses Bildobjekt. Seit 1952 überzog François Morellet weißgestrichene Bildtafeln mit repetitiven Strukturen. Seitdem öffneten immer mehr Künstler in Europa und Amerika die festen Grenzen der gerahmten Bildfläche und ersetzten den illusionären Bildraum durch den Bezug zum realen Umraum.
Die Kubus-Ausstellung „Aufbruch – Malerei und realer Raum“ bietet anhand von 60 Werken einen Überblick dieser Ansätze. Der Fokus liegt auf europäischen und nordamerikanischen Künstlern. An Werken von prominenten Malern und jüngeren Künstlern werden die optischen Kräfte und malerischen Energien vorgestellt, mit denen die Wahrnehmung des Betrachters über die Grenzen des traditionellen Tafelbildes hinausgeführt wird.
Unterschiedliche Strategien
Die Ausstellung ist nicht nach kunsthistorischen Richtungen gegliedert, sondern präsentiert unterschiedliche Strategien zur Öffnung des Bildes. So zersprengen kontrastierende Farbenergien bei Günther Fruhtrunk und Kuno Gonschior die gleichwertige Flächigkeit. Bei Emil Schumacher brechen konkrete Materialien die Konsistenz des Farbkörpers auf. Rasante Dynamik überformt bei Lucio Fontana und Arnulf Rainer den Eindruck bildlicher Geschlossenheit. François Morellet arbeitet mit ebenso klaren wie gegensätzlichen formalen Elementen und unterläuft mit ihnen jede einheitliche Bildauffassung. Aus dem Bildkörper lösen sich bei Leon Polk Smith oder Frank Stella selbständige Bildteile. Sie dringen bei Günther Uecker in den Raum des Betrachters und durchbrechen die frontale Gegenüberstellung. Fast lautlos, dennoch radikal öffnet sich bei Yves Klein die Kompaktheit des Bildkörpers zu immaterieller Transparenz. Auch bei Gotthard Graubner oder Lee Ufan verwandelt sich Körperlichkeit in schwebende, unbegrenzte Energie. Die Bilder stellen nichts dar, sondern präsentieren sich selbst.
Der Vorgang ihrer Entgrenzung vollzieht sich sinnlich direkt und untheoretisch. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Aufsätzen von Erich Franz (zugleich Kurator) und Robert Kudielka sowie kurzen Texten von Studierenden des Kunstgeschichtlichen Instituts der RUB und von Mitarbeitern der beteiligten Museen (24 Euro, erhältlich im Museumsshop).
Info: Ausstellung „Aufbruch – Malerei und realer Raum“, 10.9.11-15.1.12, Kubus, Mi-Fr 14-18, Sa/So 12-18 h; Eintritt 5/3 Euro; Infos: http://www.situation-kunst.de. Anschließend ist „Aufbruch“ in Kaiserslautern, Berlin, Würzburg und Rostock zu sehen.
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