RUBENS Nr. 153 - 1. Juli 2011
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GERETTET

RUB und Bergbau-Museum machen Lust aufs Spanisch-Studium

Eine kreative Idee der Nachwuchsrekrutierung haben das Romanische Seminar der RUB und das Deutsche Bergbau-Museum Bochum (DBM) zusammen umgesetzt. Sie holten Schüler, also potentielle Spanisch-Studierende, in den Vortragssaal des Museums. Dort zeigten aktuelle Studierende, wie so ein Studium aussehen kann. Aktueller Aufhänger der Kooperation sind die Chile-Ausstellung „Schätze der Anden“ im Bergbau-Museum und ein Proseminar an der RUB zum gleichen Thema.

Natürlich nutzte der eine oder andere Schüler hinterher die günstige Gelegenheit, einen Blick auf die berühmte Fénix Rettungskapsel zu werfen, die nur wenige Schritte entfernt vom Vortragssaal entfernt steht. Mit ihr wurden – unter großer Anteilnahme der restlichen Welt – vor ein paar Monaten 33 Bergleute in Chile gerettet. Nun steht die Kapsel exklusiv im Bergbau-Museum. Sie ist einer der Höhepunkte der Sonderausstellung „Schätze der Anden – Chiles Kupfer für die Welt“, die bis Februar 2012 im DBM läuft.
Anlässlich der Ausstellung lud das Museum zusammen mit dem Romanischen Seminar der RUB Schüler und Lehrer von Bochumer Schulen zu einem offenen Seminar über Chile. Zu diesem Zweck wurde Anfang Juni der Seminarraum in den Vortragssaal des Museums verlegt; rund 150 Gäste waren der Einladung gefolgt. An diesem Mittwochvormittag ging es nicht nur um Chile, sondern auch um Uni und Studium: Was genau macht man an der Uni? Wie funktioniert ein Sprachstudium? Diese Fragen beantworteten Spanisch-Studierende der RUB.

Anschauliches Referat

Größeren Raum nahm allerdings die Wissenschaft ein. In einem 70-minütigen Referat lieferten zu Beginn zwei Studentinnen Basisinformationen zu Chile: Geografie, Geschichte, Wirtschaft/Bergbau und Kultur. Sehr anschaulich und mit Karten- bzw. Bildmaterial erzählten die beiden vom „Großen Norden“, von den Anden, von der Atacama-Wüste, von der Sierra, vom pazifischen Krieg Chiles gegen Peru und Bolivien (der Chile 1884 erhebliche Landgewinne brachte), von der Straße der Inkas, von den spanischen Eroberern, von der Schutzpatronin Chiles, der Virgin del Carmen, vom Fest La Tirana und von den Bodenschätzen des Landes: Kupfer, Salpeter, Gold, Silber und Lithium. Der Bergbau bestimmt die chilenische Wirtschaft und er ist natürlich zugleich die Verbindung zum Bergbau-Museum. Um die Authentizität der Seminar-Situation zu wahren, sprachen die Studentinnen Spanisch – und schienen die Schüler nicht zu überfordern, da diese in der Schule Spanisch lernen.
Dass sich die beiden Studentinnen so gut mit Chile auskennen, liegt auch an der Lektorin Cynthia Carggiolis Abarza. Sie bietet in diesem Sommersemester an der RUB ein Proseminar an, das inhaltlich mit der Sonderausstellung im Bergbau-Museum korrespondiert: „: una polifonía cultural“. Statt im DBM trifft man sich normalerweise mittwochs ohne Publikum im Seminarraum GBCF 05/709.
Ja, und dann war da ja auch noch die Fénix Rettungskapsel. An diesem Tag handelte es sich noch um das Original (mittlerweile ist es durch eine Reproduktion ersetzt). Alle Besucher des offenen Proseminars konnten noch in die Ausstellungen im DBM gehen. Kostenlos. So manch einer entdeckte dabei neue Leidenschaften: für den Bergbau, für Chile und für ein Spanisch-Studium an der RUB.

 

Kooperationen

Die Zusammenarbeit von RUB und DBM beschränkt sich längst nicht auf das gemeinsam ausgerichtete offene Proseminar. Noch greifbarer ist sie in der frisch gegründeten gemeinsamen Leibniz-Graduiertenschule „Rohstoffe, Innovation, Technologie alter Kulturen“. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, Gewinnung, Verarbeitung und Handel von Rohstoffen interdisziplinär zu erforschen und Promovenden auszubilden. Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen aus neun Institutionen (u.a. der Forschungsbereich Montanarchäologie, Archäometallurgie und Bergbaugeschichte des DBM, das Institut für Archäologische Wissenschaften der RUB sowie weitere nationale und internationale Kooperationspartner) unterstützten den wissenschaftlichen Nachwuchs bei ihren Doktorarbeiten.
Welche Strategien und Mechanismen nutzten Menschen zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen Kulturen, um Rohstoffe zu gewinnen und wie wurden diese weiterverarbeitet? Welche Ideen und Konzepte bzw. Technologien und Innovationen waren erforderlich? Wie weit reichten Rohstoff- und Warenströme? Und inwiefern veränderten sich Landschaften und Kulturräume unter dem Einfluss neuer Ressourcen? Diesen und anderen spannenden Fragen werden fortan acht Doktoranden in ihren Promotionen an der Graduiertenschule nachgehen. Sie basiert auf der langjährigen gemeinsamen strukturierten Doktorandenausbildung von RUB und DBM (s. RUBENS 139).

ad, Foto: DBM | Themenübersicht