Alles Nur Fallobst
Zwei Till Beckmann und Kathrin Butt suchen packende Texte Übers Ruhrgebiet
Vor zwei Jahren waren es besonders „schöne Texte“ über das Ruhrgebiet, diesmal werden Texte gesucht über „Städte, Stadtteile und Siedlungen, die scheinbar abgehängt sind“. Till Beckmann (mittlerweile Absolvent der RUB) und Kathrin Butt (Klartext-Verlag) laden zum 2. Ruhrgebiets-Literaturwettbewerb. Er steht unter dem Leitthema: „Leb im Ballungsgebiet, das an Druckstellen wie Fallobst aussieht“. Diesmal wird der Wettbewerb von einem Seminar an der RUB begleitet.
Es gibt sie in allen Städten des Reviers, die sog. sozialen Brennpunkte oder die Stadtteile, die überaltern, oder die Straßenzüge, die von Autobahnen eingekreist sind oder ganz allgemein die Viertel, denen es sichtbar schlechter geht als anderen Vierteln. Die Initiatoren des Literaturwettbewerbs nennen sie „Druckstellen des Ruhrgebiets“ bzw. „Fallobst“. Die Wettbewerbstexte sollten genau darum kreisen bzw. subjektiv empfundene Druckstellen thematisieren. Welche Geschichten können über die Druckstellen des Ruhrgebiets erzählt werden? Welche Hoffnungen, Ängste, Träume haben die Menschen, die in den Bereichen leben, die wie „Fallobst“ aussehen? Wollen die nachkommenden Generationen dort nur noch schnell wegziehen oder gibt es etwas, das diese Viertel lebenswert macht? Wie lebt es sich in den Städten, Stadtteilen und Siedlungen, die scheinbar abgehängt sind? Wie sieht ihre Zukunft aus? Wie empfinden die Menschen solche Druckstellen? Wo gibt sie in der Gesellschaft oder im zwischenmenschlichen Miteinander?
Lesetour durch 53 Städte
Der Begriff „Druckstellen“ soll von den Autor/innen weit gefasst werden. Gleiches gilt für die Textform: Gedicht, Kurzgeschichte, Reportage, Interview, Essay, Erzählung, Anekdote, Brief, Tagebucheintrag, usw. Nur vom Umfang möchten Kathrin Butt und Till Beckmann der Kreativität eine Grenze setzen: max. 6 DIN-A4-Seiten, Schriftgröße 12, Zeilenabstand 1,5. Mitmachen kann jeder, ob Student, Schülerin, Hausmann oder Unternehmerin. Allerdings: Pro Teilnehmer/in darf nur ein einziger (und bislang unveröffentlichter) Text eingereicht werden: ab Anfang August, bis 1. November 2011.
Eine Jury sucht die besten Texte aus: Dr. Stephanie Heimgärtner (RUB, Autorin und Lektorin), Georg Kentrup (Consol Theater Gelsenkirchen), Stefan Laurin (Journalist und Gründer von Ruhrbarone), Terry Albrecht (Literaturkritiker und Redakteur, WDR). Eine Auswahl der Texte wird in einer kleinen Anthologie veröffentlicht. Die drei besten Texte werden mit insgesamt 1.000 Euro prämiert, gestiftet vom Steeler Antiquariat. Die Preisverleihung findet Ende Januar 2012 im Saal der Bibliothek des Ruhrgebiets in Bochum statt. Geplant ist zudem eine Lesetour mit den Texten der Anthologie: „Am liebsten durch alle 53 Städte des Ruhrgebiets“, wünscht sich Till Beckmann. Noch weiß er allerdings nicht, ob das klappen kann und wie lange es wohl dauern würde.
Jurorin Stephanie Heimgartner sorgt zudem für eine interessante Neuerung bei der 2. Auflage des Wettbewerbs (zu 1. Auflage siehe RUBENS 140/141). Im Wintersemester bietet die Germanistikdozentin an der RUB das passende Seminar zum Wettbewerb an. Darin geht es – jeweils mittwochmorgens um halb zehn – um den Wettbewerb selbst, ums Schreiben und letztlich darum, wie ein Buch entsteht. „Das Buch mit den ausgewählten Wettbewerbsbeiträgen wird bereits zur Preisverleihung gedruckt sein“, verspricht Kathrin Butt, die genau wie Till Beckmann hin und wieder ins Seminar kommen wird. Möglicherweise sitzen dort auch ein paar potentielle Teilnehmer/innen am Literaturwettbewerb.
Infos zum Wettbewerb gibt es rechtzeitig zum offiziellen Start im August kompakt über die Webseite des Klartext-Verlages: http://www.klartext-verlag.de.
ad, Foto: Brigitte Kraemer | Themenübersicht

