RUBENS Nr. 153 - 1. Juli 2011
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Knifte am KnÜppel

Zwei Studenten erfinden eine moderne Variante des Stockbrots

Wenn man Management & Economics (an der RUB) bzw. Kunst und Kulturanthropologie (an der TU Dortmund) studiert, ist man nicht automatisch prädestiniert, einen Tischgrill für die moderne Variante des Stockbrotes zu erfinden. Florian Hermann und Erik Schwarzer haben es trotzdem getan. Ihre „Knüppelknifte“ haben sie patentieren lassen und eine Firma haben die beiden ebenfalls gegründet. Nun möchten sie den Markt erobern und die Tische in der Gastronomie verkaufen. Eine schöne Geschichte, die dank der uniübergreifenden Kooperation sogar den Geist der Universitätsallianz Metropole Ruhr atmet.

„Stockbrot“ ist eigentlich kein langweiliger Name für eine Speise. Außerdem steckt er voller positiver Assoziationen: z.B. Kindheitserinnerungen an Lagerfeuer und Sonnenuntergänge am See. Dennoch suchten Florian Hermann und Erik Schwarzer einen noch weniger langweiligen (und zugleich ruhrgebietsadäquaten) Namen für ihre Idee: „Knüppelknifte“. Im Gegensatz zum Stockbrot kann diese Knifte aus verschiedenen Teigsorten sein (u.a. Hefe, Vollkorn, mediterran mit Knoblauch oder süß mit Kakao). Außerdem kann die Knifte nach dem Rösten beliebig belegt werden: mit Wurst, Schinken, Käse, Tomate-Mozzarella, Würstchen, Marmelade usw. Doch der Reihe nach...

Edelstahl und Sicherheitsglas


„Als Jugendwart für Fechten und Friesenkampf habe ich ständig mit Kindern und Jugendlichen am Lagerfeuer gesessen und Stockbrot geröstet“, erzählt der angehende Kunst- und Kulturanthropologe Erik Schwarzer. „Das war für alle immer ein tolles Erlebnis. Irgendwann habe ich mich gefragt, ob man das nicht perfektionieren könnte.“ Vor ein paar Wochen war es so weit. „Wir haben den Knüppelkniften-Tisch entwickelt, einen Tisch, der sich bequem in eine Art Tischgrill mit Gasbefeuerung umbauen lässt“, erklärt Florian Hermann, der an der RUB Management & Economics studiert. Mit diesem Tisch kann man die Kniften theoretisch überall zubereiten. Aus seiner Mitte kann eine Platte herausgenommen und durch die Feuerstelle ersetzt werden. Sie besteht aus zwei Edelstahlwannen, einer Verglasung (mit Sicherheitsglas) drum herum, einem Gasanschluss und weiter unten einer Gaskartusche. Mit einer von Schwarzer und Hermann entwickelten Feuerung wird das Holzfeuer in der inneren (herausnehmbaren) Wanne entfacht; die Glasumrandung funktioniert wie ein Abzug und leitet den Qualm direkt nach oben ab. Die Holzscheite brennen innerhalb von zwei Minuten und die ersten Kniften sind spätestens 20 Minuten später fertig.

Vorab kommt natürlich der Knüppel ins Spiel. Er ist einen halben Meter lang und aus Holz, jedoch vorn mit einer abnehmbaren Edelstahlkappe versehen und am Griff mit Leder. Der Teig wird – wie beim Stockbrot – um die Kappe gewickelt und ins Feuer gehalten. Da sich der Stahl erhitzt, wird der Teig von Innen und Außen gleichmäßig gebacken. Ist er fertig, kann die etwa 20 cm lange Knifte einfach vom Stahl abgezogen und nach Wunsch belegt werden. Im Glas sind vier Aussparungen für Knüppel.

Patentierter Prototyp


Der patentierte Prototyp des Tisches samt Zubehör steht vor der ID Factory an der TU Dortmund. Weitere Tische bauen Schwarzer und Hermann auf Bestellung – teils in Eigenarbeit, teils mit Hilfe von Handwerkern, vor allem wenn es um Stahl- und Glasverarbeitung geht. Aufträge erhoffen sie sich in erster Linie aus der Gastronomie, erfolgversprechende Verhandlungen mit Bochumer Wirten laufen zurzeit. „Der Gastronom kann sich den Tisch ganz individuell anfertigen lassen und ihn kaufen oder leasen. Er stellt ihn in seinem Biergarten auf und kann dort vier Gäste platzieren, die sich in gemütlicher Runde und nach ihrem Geschmack Kniften rösten und sie belegen, bestreichen oder mit Dipps essen“, fasst Erik Schwarzer zusammen. Die Handhabung des Tisches sei einfach, hygienisch und ungefährlich. Natürlich gibt es dennoch anschauliche Gebrauchsanweisungen: schriftlich mit vielen Fotos und sogar als Video.

Theoretisch können sich auch Privatpersonen einen Knüppelkniften-Tisch kaufen. „Dafür ist er aber eventuell etwas zu teuer“, räumt Florian Hermann ein. Anders verhält sich mit den Knüppeln. Die sind für Jedermann erschwinglich. „Es liegen auch schon ein paar Anfragen vor, eine kommt sogar aus Neuseeland“, sagt Erik Schwarzer und präsentiert auf seinem iPad den Auftritt von Knüppelknifte auf Facebook (http://de-de.facebook.com/Knueppelknifte). Über ihn wurde man sogar am anderen Ende der Welt auf das neue Produkt aufmerksam – genau wie in den USA, in den Niederlanden, in München, Dortmund oder Bochum.

Als „Zulieferer für gastronomische Konzeptideen“ haben die beiden Studenten eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet. Während der Existenzgründung haben sie übrigens keine der bekannten Beratungsstellen um Rat, Hilfe oder Unterstützung gebeten und auch an keinem Wettbewerb teilgenommen. „Bei einem Erfinder-oder Ideenwettbewerb hätten wir unser Produkt öffentlich präsentieren müssen, dann hätte es aber mit der Patentierung nicht geklappt“, erklärt Schwarzer. Er und Hermann haben sich allerdings mit Anwälten und Steuerberatern besprochen; guten Rat gab es auch in der ID Factory und – speziell für den Einsatz von Edelstahl – von der Firma Grohe Innovation. Jetzt müssen die beiden nur noch zusehen, ein paar Tische an den Mann zu bringen. Danach ist vieles möglich.

ad, Foto: Erik Schwarzer | Themenübersicht