2 Jahre Schule
Teach First Deutschland sucht neue Fellows
In vielen Studiengängen ist mit der Einschreibung oft vorgezeichnet, auf welches Berufsbild man sich mit seinem Studium einschießt. Wer Medizin studiert wird im besten Falle leitender Oberarzt; wer sich den Ingenieurswissenschaften zugewandt hat, wird von lukrativen Angeboten namhafter produzierender Unternehmen überrannt; der Wirtschaftswissenschaftler geht in die Wirtschaftsprüfung... Soweit die klassischen Profile. Dass es auch anders gehen kann, zeigt die Bildungsinitiative Teach First Deutschland: Sie schickt Absolventen zunächst für zwei Jahre an die Schule. Dort leisten sie einen Beitrag für gerechtere Bildungschancen.
Matthias Forell war 24 Jahre, als er in den Endzügen seiner Masterarbeit in Anthropologie durch einen Zufall von Teach First Deutschland erfahren hat. In einer Kaffepause erzählte ihm ein Kommilitone von der Initiative. „Den restlichen Nachmittag habe ich mich nur noch mit Teach First beschäftigt und mit allem, was ich darüber im Netz finden konnte. Ich habe mich sofort beworben“, erzählt Forell. Ausgewählt unter 700 Bewerbern ist er nun einer von rund 70 Teach First Fellows der ersten Stunde.
Das Konzept von Teach First Deutschland: Engagierte Absolventen aller Fachrichtungen werden für zwei Jahre als Lehrkräfte auf Zeit an Schulen vermittelt, um vor Ort einen Beitrag für gerechtere Bildungschancen zu leisten. Nicht zuletzt durch die PISA-Studien ist offenkundig geworden, dass die Bildungsperspektiven von Jugendlichen nachweislich von ihrer sozialen Herkunft bestimmt werden. Dieser Zusammenhang gilt unverhältnismäßig stark für Deutschland. Bildungsgerechtigkeit ist damit alles andere als eine allgemeingültige Zustandsbeschreibung. Hieran im Kleinen etwas zu ändern ist die originäre Aufgabe der Teach First Fellows.
Mädchenfußball & Zukunftswerkstatt
„An einer Schule zu arbeiten und aktiv nicht nur die Schule, sondern auch das Leben von Schülern mit zu gestalten, vielleicht sogar positiv verändern zu können“ – das motiviert Forell auch nach gut anderthalb Jahren als Fellow an der Heinrich Böll Gesamtschule in Bochum (HBG). Er hat – trotz des Einsatzes der Schule als Ganztagsschule und des großen Engagements seiner Kollegen – mehr Möglichkeiten dazu als das Lehrpersonal. Zwar unterrichtet Forell auch Klassen im Team-Teaching mit Kollegen und hilft so, den laufenden Unterricht zu entlasten. Die Fellow-Idee geht aber über diesen Gedanken hinaus: Mit ihren persönlichen Stärken versuchen Fellows nach Schulschluss mit eigenen Projekten den Schülern den Spaß an und einen Sinn für Bildung zu vermitteln. Etwas, was der Unterricht nach Plan nicht immer ermöglicht. Durch die Initiative von Matthias Forell gibt es an der HBG nicht nur eine Fußball-AG für Mädchen – ganz im Zeichen der WM –, sondern u.a. auch eine Zukunftswerkstatt zur umfassenden Förderung für Jungen der achten Klassen.
Dabei sollte nicht vergessen werden: Der Einsatz an der Schule ist auch für die Fellows eine lehrreiche Erfahrung. „Die Freude an der Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern ist ungebrochen. Ich habe viel gelernt: im Umgang mit Kindern und Jugendlichen und mit den Kollegen in einem großen Arbeitsumfeld, im System Schule. Aber auch für mich selbst, was Persönlichkeit angeht oder Auftreten und Erfahrung in schwierigen Situationen“, lautet Forells Fazit. Nach seiner Fellow-Tätigkeit und seinem Masterstudium „Schulmanagement und Qualitätsentwicklung“ wird er an der RUB mit seiner Doktorarbeit in Erziehungswissenschaft beginnen – der beste Beleg dafür, dass er mit seiner Aufgabe bei Teach First zufrieden war und ist.
Bewerbung
Teach First Deutschland sucht Fellows für den Halbjahreseinstieg; Bewerbungsschluss ist der 8.8.11. Weitere Infos: http://www.teachfirst.de/absolventen.
Wiebke Rasmussen, Foto: privat | Themenübersicht

