Editorial!
Vom Seminar direkt ins Museum
Für den 30. Juni hat der Landschaftsverband Rheinland zu einer Ausstellungseröffnung in den Kaisersaal der Abtei Brauweiler geladen. Die Ausstellung ist ab dem 1. Juli für die Öffentlichkeit zugängig und bis zum 24. Juli zu sehen: dienstags bis sonntags von 15 bis 17 Uhr, inklusive öffentlicher Führungen jeweils samstags um 15 Uhr.
Bevor sich nun jemand fragt, was all diese Details in der RUBENS zu suchen haben, sei der Titel der Ausstellung verraten: „Gelenkte Blicke. Rassenhygienische Propaganda und Politik im Kontext des Nationalsozialismus“. Diese Ausstellung war bereits im Januar/Februar 2010 im Malakowturm an der Markstraße zu sehen und „musste“ seinerzeit aufgrund des großen Publikumsinteresses für zwei weitere Monate wiedereröffnet werden (April bis Juni 2010, siehe RUBENS 140 und 141, Infos zum Ausstellungsort: http://www.afz.lvr.de/abtei+brauweiler).
„Gelenkte Blicke“ war das Ergebnis eines im RUB-Wettbewerb „lehrreich“ prämierten Projekts, das im Sommersemester 2009 für Medizin- und Geschichtsstudierende und im Optionalbereich angeboten wurde. Ein Seminar und ein einwöchiges Blockseminar in den Ferien hatten Dr. Christina Benninghaus (Fakultät für Geschichtswissenschaft) und PD Dr. Stefan Schulz (Abteilung für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin) organisiert und geleitet. Etwa 70 Studierende nahmen am Projekt teil. Gemeinsam mit den Dozenten planten sie die Ausstellung, erforschten das Thema, erarbeiteten ein Konzept, schrieben die erläuternden Texte, ließen Plakate drucken usw. Als Lohn für die Arbeit gab es den Wettbewerbspreis bei „lehrreich“, die Ausstellung selbst sowie ihre Verlängerung. Als i-Tüpfelchen geht die Ausstellung nun sogar auf Reisen.
Und das ist nicht die einzige Geschichte dieser Art. Ähnlich erfreulich lief es für die Teilnehmer eines Projekts am Seminar für Klassische Philologie der RUB, das sich (erstmals wissenschaftlich!) mit über 700 Jahre alten Urkunden aus dem ehemaligen Kloster Flaesheim beschäftigte. Studierende und Lehrende sind seit dem Wintersemester 2008/2009 regelmäßig im Stadtarchiv Recklinghausen gewesen. Dort haben sie gemeinsam die handschriftlich auf Pergament und in mittelalterlichem Latein verfassten Rechtstexte gelesen, transkribiert, übersetzt und erläutert (RUBENS 131). Diese Forschung mündet nun in eine Sonderausstellung im Antikenmuseum der RUB-Kunstsammlungen: „Menschenhandel in Birbuthsneppe und andere Alltagssorgen. Mittelalterliche Urkunden aus dem Kloster Flaesheim an der Lippe“; sie wird am 9. Juli eröffnet (siehe Seite 7).
Seminare, in denen Studierende forschen und/oder frühzeitig individuelle Profile bilden, wird es demnächst noch zahlreicher an der Ruhr-Uni geben. Nicht zuletzt dank der Förderung des Bundesforschungsministeriums (BMBF) im „Programm für bessere Studienbedingungen und mehr Qualität in der Lehre“ (siehe RUBENS 152/Beilage Neues Lernen und den Artikel auf Seite 4).
Andererseits wird nicht immer alles zu Gold, was Studenten anfassen. Diese leidliche Erfahrung musste Anfang Juni die studentische Theatergruppe „The Ednas“ machen. Ihre lange geprobte Aufführung des finnischen Stückes „Chaos“ auf der Theaterbühne im Musischen Zentrum musste quasi im letzten Moment abgesagt werden. Der Verlag, der die Rechte am Stück hat, verbot sie.
ad, Foto: Nelle | Themenübersicht

