Yalla! Yalla!
Trinationale Exkursion in den Libanon
Geschichtsstudierende aus drei Ländern nahmen an einer Exkursion in den Libanon teil. Zwei Wochen lang suchten Deutsche, Dänen und Ungarn nach antiken und mittelalterlichen Spuren. Sie wandelten auf Pfaden von Römern, Phöniziern und Kreuzfahrern.
Bochum, Ende März: Vor den neuen Räumen der Archäologischen Wissenschaften am Bergbaumuseum warten schwer bepackte Studenten voller Ungeduld auf die Ankunft des Unibusses, der sie zum Frankfurter Flughafen bringen soll. Von dort geht es über Budapest nach Beirut, in die als „Paris des Orients“ bekannte, pulsierende Hauptstadt des Libanon. Möglich machten die Fahrt Prof. Achim Lichtenberger und Jun.-Prof. Bärbel Morstadt. Sie haben – mit Hilfe von Studiengebühren und gefördert durch den DAAD aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung – gemeinsam mit der Uni Aarhus (Prof. Rubina Raja) und der Central European University (CEU) in Budapest (Prof. Volker Menze) die trinationale Exkursion organisiert.
Die Interessen der Studenten sind bunt gemischt: Während die Bochumer sowohl Ur- und Frühgeschichtler als auch Klassische Archäologen stellen, sind die Dänen durchweg Klassische Archäologen. Die Studenten der CEU haben sich auf die Spätantike und die Kreuzfahrerzeit spezialisiert, so dass nahezu die gesamte Geschichte des Libanon im Fokus der Exkursion liegt.
Libanon, Antilibanon
Was nach der Ankunft in Beirut folgt, ist dann auch ein wahrer Wissensmarathon: An der 1866 gegründeten American University of Beirut (AUB) lernen sich die drei Gruppen erstmals kennen – Hauptsprache der Exkursion ist Englisch. Durch Referate bekommen sie nicht nur eine kurze Einführung in die wechselhafte Geschichte des Landes, sondern ebenfalls einen Überblick über das Besichtigungsprogramm der folgenden zwölf Tage. Und das hat es in sich: Neben phönizischen und römischen Fundstellen wie etwa Afqa, Niha, Hosn Niha, Byblos, Tyros, Kalat Fakra und dem Eshmun-Heiligtum bei Sidon sind auch christliche Stätten (Mar Marou, Deir el Kalaa) und Kreuzfahrerbastionen wie Tyros, Byblos oder Hasbaya, die im Mittelalter die Sicherheit der Pilger auf dem Weg ins Heilige Land garantieren sollten, Stationen der Reise quer durchs ganze Land.
Angesichts dieses umfangreichen Besichtigungsplans wird der arabische Ausruf „Yalla! Yalla!“ (Schneller, schneller!) schnell zum ungeliebten Signal der Dozenten zum Aufbruch. Als unschätzbare Hilfe auf der Reise erweist sich hingegen nach ebenso kurzer Zeit der einheimische Busfahrer, der den ungelenken Reisebus waghalsig, aber stets sicher über engste Serpentinen steuert. Auf diesen abenteuerlichen Fahrten wird den Teilnehmern auch die geographische Vielfalt des kleinen Landes an der Levante bewusst: Von der sonnigen, palmenbestandenen Küste ist es meist nur ein Katzensprung zu den das ganze Jahr schneebedeckten Gipfeln des Libanon und Antilibanon (höchster Punkt etwa 3.000 m).
In diesen luftigen Regionen haben die letzten Exemplare des bekanntesten Wahrzeichens des Libanon überlebt, das auch die Nationalflagge des Landes ziert: die Libanonzeder. Sie ist seit der Antike als robustes Baumaterial (insbesondere für den Schiffbau) bekannt und hat den Libanon stets zum umkämpften Gebiet im ansonsten eher durch karge Landschaften gezeichneten Nahen Osten gemacht.
Ein Highlight der Exkursion ist der Besuch der Tempel von Baalbek. Der Jupiter-Tempel (dessen sechs noch aufrecht stehende Säulen ein weiteres Wahrzeichen des Libanon sind) zählt zu einem der größten, der Bacchus-Tempel zu einem der am vollständigsten erhaltenen Tempel überhaupt. Um die Ergrabung dieser Stätte bemühte sich bereits Kaiser Wilhelm II. 1898 besuchte er Baalbek höchstpersönlich, woran heute noch eine Marmortafel im Inneren des Bacchus-Tempels erinnert. Abseits der antiken Reste lohnt sich der Gewaltmarsch durch das von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärte Wadi Qadisha, dem heiligen Tal, das neben seinen Felsenklöstern, die zu den wichtigsten Stätten des frühen Christentums zählen, durch die atemberaubende Landschaft bei allen Teilnehmern bleibenden Eindruck hinterlässt.
Müde, aber strahlend
Einen Einblick in den Alltag einer libanesischen Familie ermöglichte wiederum unser Fahrer, der uns – spontan und gastfreundlich – zur Geburtstagsfeier seines Sohnes einlud. Bei lokalen Speisen und einheimischer Musik samt Tanz bildete die Feier einen gelungenen Abschluss der Exkursion.
Bochum, Mitte April: Nach einem anstrengenden Rückflug stehen müde, aber strahlende Studierende vor dem Institut der Archäologischen Wissenschaften. Sie blicken auf eine äußerst gelungene Exkursion zurück, die ihren oft auf den nördlichen Mittelmeerraum konzentrierten Horizont erweitert hat und zahlreiche neue Kontakte mit sich brachte, die der ein oder andere in den nächsten Semestern sicher im Rahmen eines Erasmus-Austauschs vertiefen wird.
Jan-Henrik Hartung (auch Foto) | Themenübersicht

