RUBENS Nr. 152 - 1. Juni 2011
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Harte Kanten

Leon Polk Smith im Kubus

Bis zum 4. September2011 zeigt Situation Kunst im Kubus Werke des US-Künstlers Leon Polk Smith (1906–1996). Smith, der teils indianische Wurzeln hat, gilt als Initiator der sog. Hard Edge-Malerei, in der Flächen aus meist ungemischten, reinen Farben scharf konturiert aneinander stoßen. Smiths Werke sind in den USA in vielen bedeutenden Sammlungen vertreten, in Europa dagegen gab es erst sehr wenige Ausstellungen. Mit ihren insgesamt 22 Arbeiten lässt die Bochumer Ausstellung werkimmanente Entwicklungen zu einer klaren, auf Farbe und Form konzentrierten Kunst, aber auch übergreifende malereigeschichtliche Tendenzen und Bezüge anschaulich nachvollziehen.

Smiths Hauptinteresse gilt der malerischen Erforschung von Form und Raum mittels der innerbildlichen Gegenüberstellung streng konturierter, monochromer Farbflächen. In der Teilung der Bild- und Farbflächen durch kurvig verlaufende Konturlinien entdeckt er eine neue Möglichkeit, Raum zu erschließen – einen dynamisch wirkenden Bild-Raum, den er als „gekrümmten Raum“ bezeichnet hat. Die oft ovalen, kreis- oder trapezförmigen Leinwände, die er seit den 40er-Jahren verarbeitete, setzt Smith ab den späten 60ern immer wieder durch mehrteilige Anordnung auf der Wand in vielfältigen Variationen miteinander in Beziehung. Die Elemente dieser Leinwandgruppen werden von gemalten Farbflächen überlagert und formal zusammen gehalten. Die so entstehenden „Constellations“ beziehen auch den umgebenden Raum ein. Ebenso wie in den zwei- oder mehrteiligen „Constellations“ dienen auch in den einteiligen, meist rechteckigen „Correspondences“ reine, ungemischte Farben als formale Klammer zwischen äußerer Bildform und gemalter Binnenform. Hier arbeitet Smith mit Farbflächen, die komplementär korrespondieren und bildet durch das Ineinandergreifen und Verzahnen von Formen innerhalb einer gegebenen Bildfläche visuelle Räumlichkeiten aus.

Auftakt zum Aufbruch

Obwohl er sich Zeit seines Lebens keiner künstlerischen Strömung zugehörig fühlte und sein künstlerisches Werk als autonom bezeichnet werden kann, lassen sich doch einige direkte oder indirekte kunsthistorische Vorläufer und Einflüsse benennen. Deshalb zeigt die Werkschau neben Smiths Arbeiten (Malereien, Riss-Zeichnungen und Grafiken, entstanden 1953-1994) je ein Werk von Hans Arp (1886-1966), Josef Albers (1888-1976) und Wladyslaw Strzeminski (1893-1952). Die Ausstellung im Erdgeschoss des Kubus bildet den Auftakt zur im September beginnenden Ausstellung „Aufbruch. Malerei und realer Raum“. Darin werden Werke von Künstlern versammelt, die in ihrem Oeuvre auf vielfältige Weise Brücken zwischen Bildraum und realem Raum gesucht haben. Gezeigt werden u.a. Arbeiten von Yves Klein, Lucio Fontana, Frank Stella, Mary Heilmann und Leon Polk Smith.

Info: Leon Polk Smith: „Raumformen/Spaceforms“ im Kubus von Situation Kunst, bis 4.9.11, Mi-Fr 14-18, Sa/So 12-18 h; öffentliche Führungen: 19.6., 17.7., 21.8., je 16 h; Eintritt 2/ermäßigt 1 Euro, Führungen: 3 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog (48 S., 28 Abb.) erschienen, der im Museumsshop für 9,95 Euro erhältlich ist.

Dr. Iris Poßegger und Maria Schulte M.A. (Stiftung Situation Kunst | Themenübersicht