HÖR GUT ZU!
Pilotprojekt zur Inklusion von hÖrgeschÄdigten BeschÄftigten
Eine Hörschädigung ist kein Grund, schlechter als andere arbeiten zu können. Das beweisen Tag für Tag viele Menschen, auch an der RUB. Bisweilen brauchen sie Hilfsmittel, technische wie Hörgeräte oder menschliche wie die Arbeitsassistenz. Wie das an der RUB demnächst funktionieren könnte, wird zurzeit in einem Projekt ermittelt.
Barbara Grundei ist so eine Assistentin, konkret: eine zertifizierte Arbeits- und Kommunikationsassistenz. Einen Teil ihrer Ausbildung hat sie 2010 an der RUB absolviert und dabei Michaela Sarazin kennen gelernt (RUBENS 141). Sarazin ist Vertreterin der Schwerbehinderten an der RUB und selbst schwerhörig. 2010 hat Grundei sie bei der Arbeit unterstützt, hat ihr im Gespräch mit hörenden Kollegen geholfen, bei Telefonaten, Sitzungen und Videokonferenzen oralgedolmetscht oder Protokolle erstellt. Das hat hervorragend geklappt, sagen beide.
Nun wurde die Arbeitsassistenz neu aufgelegt: Von April bis Oktober ist Barbara Grundei als Honorarkraft an der RUB tätig. Sie ist zugleich Teil eines Projekts am Lehrstuhl für Arbeitsorganisation und Arbeitsgestaltung (AOG, Prof. Heiner Minssen). Es geht um die Frage, „ob und unter welchen Voraussetzungen Kommunikations- und Arbeitsassistenz geeignet, erforderlich und verhältnismäßig ist, um die Inklusion von hörgeschädigten Beschäftigten an Hochschulen zu fördern.“
Erste Uni bundesweit
Soweit die offizielle Formulierung, die sich an der UN-Behindertenrechtskonvention orientiert. Diese fordert u.a., „dass Menschen mit Behinderungen entsprechend ihren Fähigkeiten und Neigungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt werden.“ Das stellt auch Hochschulen vor Herausforderungen: Sie müssen sich nicht nur stärker für die Belange behinderter Studierender engagieren, sondern auch die Inklusion von Menschen mit Behinderung in den internen Arbeitsmarkt stärker als bislang gewährleisten. Die Ruhr-Uni erprobt dazu als bundesweit erste Hochschule den Einsatz von Arbeitsassistenz für lautsprachlich orientierte Hörgeschädigte (Schwerhörige, Spätertaubte, Cochlea Implantat-Träger), die in Verwaltung, Technik und Wissenschaft tätig sind.
Barbara Grundei arbeitet deshalb kontinuierlich mit dem AOG-Lehrstuhl zusammen: Es gibt regelmäßige Treffen, zudem schreibt sie Protokolle und steht genau wie die Betreuten für Interviews zu Verfügung. Die Arbeitsassistentin kümmert sich nicht nur um Michaela Sarazin, sondern auf Wunsch auch um die 16 anderen Hörgeschädigten an der RUB. „Ich gehe davon aus, dass es noch mehr als diese 17 bekannten Fälle gibt. Bei den Wissenschaftlern ist kein einziger Fall bekannt, das kann nicht sein.“ Grundei hofft, dass sich der eine oder andere zu seinem Handicap bekennt und sich von ihr beraten und assistieren lässt. „Die Initiative dazu kann auch von Kollegen oder Vorgesetzten ausgehen“, sagt sie. Sie hofft auch, dass sich ihre Arbeit an der RUB verstetigt. Das wiederum hängt vom Projekt ab.
Info & Kontakt: http://www.die-kab.de, E-Mail: barbara.grundei@web.de
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