RUBENS Nr. 152 - 1. Juni 2011
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Spass und FÖrderung in einem

GELEBTE FAMILIE AN DER RUB: UniKids-Leiterin Elke Glennemeier Über das Konzept der neuen KiTa


Zum 1. September soll der Betrieb in der neuen Kindertagesstätte (KiTa) der Ruhr-Uni starten. UniKids-Leiterin Elke Glennemeier ist schon jetzt in den Aufbau fest mit eingebunden. Mit ihr sprach Julia Weiler
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Das UniKids-Konzept ist deutschlandweit einzigartig. Was ist das Besondere?
Das Konzept ist auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter der Ruhr-Uni abgestimmt. Familie und Beruf sollen miteinander vereinbar sein. Wir bieten neben den Kernöffnungszeiten auch Betreuung in den Randzeiten an. Dabei orientieren wir uns an den Bedürfnissen der Eltern und der Kinder. Gemeinsam mit den Eltern werden wir hierfür Modelle entwickeln. Prof. Schölmerich, der das Konzept entwickelt hat, wird es weiterhin begleiten. So eine hohe Fachkompetenz hat man ganz selten dabei. Auch die Arbeit im interkulturellen Bereich wird ein Schwerpunkt sein. So können UniKids-Eltern, die aus anderen Ländern kommen, Botschafter ihrer Kulturen bzw. Länder sein.


Es soll bilinguale Gruppen geben. Wie kann man Kinder integrieren, die nicht Deutsch oder Englisch sprechen?
Wir werden mit einem englischsprachigen Angebot anfangen. Bei Kindern, die z.B. aus der Türkei oder aus China kommen, bauen wir auf die Erzieherinnen und Erzieher, die Kompetenzen in der Sprachförderung haben. Kinder verstehen sich sehr schnell untereinander. Wir als Erwachsene müssen eine Möglichkeit finden, mit den Kindern erst mal auf andere Weise zu kommunizieren.

Kleine Forscher

Die Kinder sollen u.a. auch an die Naturwissenschaften herangeführt werden. Wird das Arbeit oder Spaß?
Das soll einfach Spaß sein! Kinder sind kleine Forscher. Sie brauchen ein Angebot, das neugierig macht. Arbeit wird es ganz bestimmt nicht werden, weil Kinder sich gern auf Entdeckungsreise begeben. So können wir ihnen eine gute Wissensvermittlung bieten. Die KiTa liegt ja auch sehr günstig, dass man die Natur, z.B. den Botanischen Garten, mit einbeziehen kann.

Nicht nur mit dem Botanischen Garten, sondern z.B. auch mit der Musikschule Bochum soll kooperiert werden. Wie findet man für jedes Kind die optimale Förderung?
Die Kinder dürfen alles einmal ausprobieren. Es liegt dann an der Fachkompetenz der Kolleginnen und Kollegen, durch Beobachtung herauszufinden, wo die Stärken der Kinder sind und wie man sie am besten auf ihrem Entwicklungsweg begleitet.

Ab welchem Alter setzen diese besonderen Fördermaßnahmen ein?
Mitbekommen werden es die Kinder aller Altersstrukturen. Aktiv teilnehmen können sie ab anderthalb bis zwei Jahren. Die Kinder sollen ihre festen Stammgruppen haben mit festem Betreuungspersonal. Im Laufe des Tages werden die Gruppen geöffnet, so dass die Kinder sich anschauen können, was in anderen Gruppen stattfindet und ob sie daran teilnehmen möchten.

Wie spiegelt sich das innovative Konzept in der Architektur wider?
Es gibt immer einen Gruppenraum, einen Nebenraum und einen Schlafraum als Einheit, in der die Kinder ein kleines Zuhause wiederfinden sollen. Zwei Gruppen teilen sich außerdem einen vierten Raum, der für besondere Angebote genutzt werden kann. Der Außenbereich soll naturnah gestaltet werden. Ich finde, das ist alles gut umgesetzt worden.

WasserlÄufe und Beete

Was genau ist im Außenbereich geplant?
Es soll Holzhütten, Weidentunnel und Wasserläufe geben, vielleicht auch einen Hügel, wo die Kinder klettern oder sich mal verstecken können. Wir planen auch einen kleinen Waldpfad und ein Gemüsebeet. Die Kinder sollen die Natur hinterfragen und begreifen, z.B. wo das Essen herkommt. Wenn ein Kind den Salat von draußen selbst mit reinbringt, ist das was ganz anderes, als wenn ich nur sage: Das ist Salat, was Du auf dem Teller hast.

Haben Sie schon Erfahrung mit ähnlichen Konzepten sammeln können?
Dieses pädagogische Konzept geht von den Bedürfnissen und Fähigkeiten des Kindes aus. Das ist zukunftsorientiert und eigentlich immer mein Arbeiten gewesen. Für mich war es eine Voraussetzung, dass das Konzept meinem pädagogischen Denken entspricht.

Was wird für Sie die größte Herausforderung sein?
Ich denke, die Teambildung. Es werden maximal 16 bis 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sein, die alle neu anfangen. Da muss es erst mal ein Zusammengehörigkeitsgefühl geben, man muss Stärken und Schwächen miteinander absprechen können. Das Team bedingt die Arbeitsatmosphäre. Wenn man das gut umsetzt, hat man schon viel gewonnen. Natürlich ist wichtig, dass die Kinder gut eingewöhnt werden, das ist mir ein sehr großes Anliegen.

Welche Aufgaben haben Sie im Moment?
Im Moment schließe ich mit den Eltern die Betreuungsverträge ab. Mit den meisten Familien habe ich persönliche Gespräche geführt. Parallel bin ich mit eingebunden in die Auswahl der Innenausstattung und die Planung des Außengeländes. Ich setzte mich auch schon mit dem Konzept auseinander und wie ich es meinen Kolleginnen und Kollegen nachher am besten rüberbringen kann.

 

Viel Erfahrung

Als Erzieherin arbeitete Elke Glennemeier zunächst in Essen, baute dann u.a. im Sauerland eine neue KiTa mit auf und leitete sieben Jahre lang eine Einrichtung in Mülheim mit über 100 Kindern. Nachdem sie sich zuletzt zwei Jahre lang in einer Essener Geschäftsstelle um Elternberatung gekümmert hat, freut sie sich jetzt, in die Pädagogik zurückzukehren: Sie ist gespannt auf die vielen Möglichkeiten, die sie als Leiterin von UniKids (http://www.rub.de/familiengerecht/unikids.html) haben wird.

Julia Weiler, Foto: Marion Nelle | Themenübersicht