RUBENS Nr. 152 - 1. Juni 2011
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Finnisches Chaos

Die StudiobÜhne zeigt auSSergewÖhnliche StÜcke


DAS STÜCK "CHAOS" MUSSTE LEIDER KURZFRISTIG ABGESAGT WERDEN

Mit ein paar ungewöhnlichen Produktionen lässt der Theaterbereich des Musischen Zentrums im Juni aufhorchen. Es gibt einen der seltenen Einblicke in das junge finnische Theater und eine auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Theaterlesung; es darf auch wieder getanzt werden!

Das Monatsprogramm beginnt am 3. Juni (20 h, Eintritt frei) mit der „Schauspiel Performance“: Studierende im Optionalbereich erarbeiten und präsentieren unter dem Titel „Andere Schauspielstile“ eigene Performances. Inspiriert werden sie von Schauspielformen, die sich in den letzten Jahrzehnten jenseits vom klassischen Schauspiel etabliert haben.

Einen Tag später folgt der nächste Streich (4./5.6., 19.30 h, Eintritt 5/3 Euro). Dann feiert das „Chaos“ Premiere auf der MZ-Bühne. „Chaos“ ist eine zynische Komödie über die Suche nach dem richtigen Leben. Verzweifelt engagieren sich drei Frauen in einer Welt ohne Werte für das, was ihnen wichtig erscheint. Sie verlieren trotz aller Enttäuschungen nicht den Glauben an ihre Utopien. Mika Myllyaho, Intendant des finnischen Nationaltheaters, zählt zu den erfolgreichsten Dramatikern in Finnland. „Chaos“ wurde 2008 in Helsinki uraufgeführt und gefeiert. Die deutschsprachige Aufführung am MZ wird inszeniert von the EDNAs, die sich in den letzten drei Jahren mit englischsprachigen Produktionen wie „Bed“, „Attempts on her Life“ und „midland“ einen Namen gemacht haben. Diesmal übernehmen drei Schauspielerinnen 15 verschiedene Rollen.

Am 9. Juni (18 h, Eintritt frei) folgt eine außergewöhnliche Theaterlesung: Studierende haben in Projekten forschenden Lernens Menschen nach ihrer Lebensgeschichte gefragt: u.a. eine Hebamme, Zwillinge, eine Domina und einen in Armut lebenden Arbeiter. Danach haben die Studierenden ihre Begegnungen und Forschungen reflektiert, diskutiert, theoretisch weitergedacht und für „Beyond the Dark – Biographische Begegnungen in Ruhrnächten“ vorbereitet. In der Lesung werden die Studierenden die Interviewten vorstellen und von den Begegnungen mit ihnen erzählen.

Starke Tanzstücke

Nach der anschließenden Pfingstpause verwandelt sich die Theater- in eine Tanzbühne. Denn am 17./18.6. (19.30 h) folgt die Fortsetzung der Reihe „Werkschau Tanz“: Wenn Sportstudierende, die das Fach Tanz gewählt haben, sich als junge Choreographen erproben, entstehen „Starke Stücke“ (so auch der Untertitel der Schau). Jede Generation entwickelt eigene Bewegungsideen und gestaltet individuelle Kompositionen: witzig, ernst, frech, technisch ausgefeilt. Die Tanzdozentinnen Marianne Bäcker und Mechthild Schütte organisieren in jedem Jahr eine Schau, um die besten Ergebnisse zu präsentieren. Die Bedingungen im MZ rücken die Stücke ins rechte Licht und lassen sie noch professioneller erscheinen. Ein Mix aus Solos, Duetten und Gruppenstücken, Klangcollagen und Tanzstilen wird gewiss auch in diesem Jahr die Zuschauer begeistern; Eintritt frei, Kartenvorbestellungen sollten aber unbedingt vorgenommen werden: katharina.vanderlinde@rub.de.

Zum Schluss sei noch auf die erste Aufführung im Juli (2./3.7., 19.30 h) verwiesen, für die die Juli-Rubens wohl zu spät erscheint. In seinem Stück „Astoria“ problematisiert der österreichische Dramatiker Jura Soyfer den Vaterland-Begriff, der in Österreich seit 1918 grassierte. Astoria ist ein fiktives Land, an das sich im Stück die Hoffnungen der Protagonisten (u.a. der beiden Obdachlosen Hupka und Pisto) klammern. Ihre Träume werden immer wieder durch die Unmöglichkeit der Umsetzung zerstört. Gezeigt wird das in den 30er-Jahren entstandene Stück (zzgl. Live-Band) von der neuen Theatertruppe Delirium Tremens von Klemens Gindl. Der Österreicher weilt momentan als Erasmusstudent in Bochum und war schon an der Studiobühnenproduktion „Krankheit der Jugend“ als Regieassistent beteiligt. Für „Astoria“ konnte Gindl einen Teil dieses Ensembles gewinnen. Der Eintritt ist zwar frei, den Besucher/innen wird aber geraten, rechtzeitig Anleihen der aufstrebenden astorischen Erdöl-AG zu zeichnen (5 Euro das Stück).

Infos: http://www.rub.de/mz-theater

 

ad, Foto: Delirium Tremens | Themenübersicht