GLÜCK AUF!
Prof. Klaus Tenfelde geht in den Ruhestand
Es wurde ein kerniger Abschied, wie ihn der bekennende Ruhrgebietsbürger Klaus Tenfelde bevorzugt: Mit wenigen Worten, aber begleitet von kräftiger Hausmannskost, verabschiedete sich der Direktor des Instituts für soziale Bewegungen und Vorsitzender des Vorstandes der Stiftung Bibliothek des Ruhrgebiets von den Mitarbeitern sowie den Kollegen der Universität.
Er wünsche sich, den Mitarbeitern des Hauses im Gedächtnis zu bleiben wie er selbst diese in guter Erinnerung behalte, so Prof. Tenfelde. Abschließend erinnerte er seine Gäste an die lobenden Worte von Rektor Prof. Elmar Weiler, der sich freut, dass das Haus der Geschichte des Ruhrgebiets ein derart gut funktionierender und produktiver Bestandteil der RUB geworden sei.
Die Vita von Klaus Tenfelde ist beachtlich und in ihrem Patchwork fast schon postmodern. Flöze sind ihm genauso nah wie die Theoreme der Historikerzunft: Geboren 1944 in Erkelenz, begann er mit 18 eine Bergmannslehre in Essen, arbeitete als Bergknappe, um dann als Vollzugsbeamter zum Bundesgrenzschutz zu wechseln. Nachdem er auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nachgeholt hatte, studierte er in Münster Geschichte, Soziologie, Germanistik, Philosophie und Pädagogik. 1975 wurde er dort mit einer Arbeit über die „Sozialgeschichte der Bergarbeiterschaft an der Ruhr im 19. Jahrhundert“ promoviert. 1981 habilitierte sich Tenfelde in München (LMU).
Unter Tage
Nach Tätigkeiten an den Unis Innsbruck und Bielefeld wurde Tenfelde 1995 auf den RUB-Lehrstuhl für Sozialgeschichte und soziale Bewegungen berufen und übernahm die Leitung des Instituts zur Erforschung der europäischen Arbeiterbewegung. Das erweiterte Spektrum des Instituts schlug sich in der Umbenennung zum Institut für soziale Bewegungen (ISB) nieder. Um die Erforschung der Geschichte und Gegenwart des Ruhrgebiets zu fördern, ergriff Tenfelde die Initiative zur Gründung der Stiftung Bibliothek des Ruhrgebiets, deren Vorstandsvorsitz er 1998 übernahm. Mitsamt Bibliothek und Archiv bezog die Stiftung 1999 ihr Domizil im Haus der Geschichte (Clemensstraße), das zugleich neuer Standort des ISB wurde.
Neben akademischen Meriten hat sich der überzeugte Ruhrgebietler auch zivilgesellschaftlich für das Revier stark gemacht: 2008 gründete er mit dem Verein Pro Ruhrgebiet eine bürgerschaftliche Initiative mit dem Ziel, zur Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs und der Schaffung einer familien- und wirtschaftsfreundlichen Metropole einen eigenen Ruhrbezirk mit gewählten Ruhrgebietsrepräsentanten zu gründen. Für seine RuhrStadt-Vision klopfte er bei zahlreichen kommunalen Vertretern an – manche öffneten bereitwillig ihre Türen, aber Tenfelde bekennt realistisch: „Längst nicht überall gab uns der Bürgermeister die Ehre.“ Als Wissenschaftler und Ruhrstädter erwies Tenfelde dem Revier unlängst seine Referenz mit der Herausgabe eines zweibändigen Lesebuches zur Ruhrgebietsgeschichte.
Thea Struchtemeier, Foto: Ulrike Moritz | Themenübersicht

