SpektakulÄre Studienbedingungen
Das Romanische Seminar knÜpft enge Kontakte nach Lateinamerika
Der Erfolg einer Exkursion nach Argentinien und die hohe studentische Nachfrage nach Auslandsaufenthalten lässt das Romanische Seminar der RUB die Kontakte zu südamerikanischen Unis verstärken. Eine Kooperation mit der Universidade de São Paulo (USP) ist bereits geschlossen. Abkommen mit der Universidade Federal de Minas Gerais in Belo Horizonte (beide Brasilien) und der Universidad Nacional de Río Negro (Argentinien) sind auf dem Weg.
Die erste Kooperation mit der Uni São Paulo (2010) geht auf eine Initiative des Instituts für Medienwissenschaften zurück. 2011 erweitern mit Mag. Gerardo Alvarez (Mexiko) und Dr. Marcos Machado Nunes (Brasilien) zwei Lateinamerikaner dauerhaft das Lehrangebot für spanische und portugiesische Sprache und Literatur an der RUB. Hinzu kommen Gastdozenten wie Prof. Eduardo Coutinho von der Universidade Federal de Rio de Janeiro, der seit März in Bochum ist. Doch es geht auch von Bochum nach Südamerika: Im Frühjahr 2010 führte das Romanische Seminar eine zweiwöchige Exkursion nach Argentinien durch. Der Austausch fand im Rahmen zweier Seminare zur Landeskunde und Literaturwissenschaft über die Verarbeitung der Militärdiktatur im argentinischen Gegenwartsroman und zur „Topographie des Terrors“ statt.
Die Studierenden trafen mit Vertretern von Menschenrechtsorganisationen wie den Madres de la Plaza de Mayo und mit Schriftstellern zusammen. Sie besuchten Zentren zur Aufarbeitung der Menschenrechtsverbrechen, die während der Junta verübt wurden. Dazu gehört das Ausbildungszentrum der Marine, in dem bis zu 5.000 Verschleppte gefangen gehalten, gefoltert und getötet wurden. Die Bochumer Studierenden konnten sogar an einer Sitzung in einem aktuellen Menschenrechtsprozess gegen die Militärs beiwohnen. Ihre Exkursionsergebnisse stellten sie in einem Vortrag vor, bei dem mit selbstgebackenen empanadas (gefüllte Teigtaschen) Spenden für die Arbeit der Madres de la Plaza de Mayo gesammelt wurden.
Optimal betreut
Bereits vor dem Abschluss weiterer Abkommen profitieren RUB-Studierende von den neuen Kontakten: Sarah Gieseker, Dirk Brunke und Christoph Kaiser, drei M.A.-Studierende, konnten mit einem vom International Office vermittelten PROMOS-Stipendium nach Belo Horizonte bzw. nach Bariloche reisen, um dort ein Semester zu studieren.
Dirk Brunke nimmt aus dem Austausch wichtige Erfahrungen mit: „Kurz vor dem Masterabschluss wollte ich meinen Horizont erweitern und eine weitere Sprache erlernen.“ Vor seiner Abreise dachte er, dass es für ihn als Spanisch-Studenten nicht allzu schwer sein dürfte, Portugiesisch zu lernen. Allerdings hat er festgestellt, „dass es die Aussprache in sich hat. Die ersten Wochen hier in Belo Horizonte waren entsprechend anstrengend“, resümiert er. „Meinem Ziel, Portugiesisch fließend sprechen zu können, bin ich allerdings ein gutes Stück näher gekommen.“ Wenn er wieder in Deutschland ist, möchte er an einem Dissertationsprojekt zur lateinamerikanischen Literatur des 19. Jahrhunderts mitarbeiten. „Der Aufenthalt in Brasilien war das I-Tüpfelchen auf meine Bewerbung.“
Auch Christoph Kaiser profitiert gegen Ende seines zweiten Mastersemesters (Romanistik/Geschichte) von den Kontakten des Romanischen Seminars und von PROMOS: Er studiert ein halbes Jahr lang in Argentinien. „Als gebürtiger Brasilianer war ich schon immer am südamerikanischen Kontinent interessiert“, erklärt er. Die Studienbedingungen, die er in Bariloche erlebt, stuft er als „spektakulär“ ein. „In einer Literaturveranstaltung saßen wir mit zehn Studierenden zwei Dozenten gegenüber. Das hat natürlich eine intensive Auseinandersetzung mit dem fachlichen Inhalt, ermöglicht, was den Studierenden enorm weiterhalf“, fasst der Masterstudierende zusammen.
Beide RUB-Studenten mussten sich an eine andere Diskussionsform in den Lehrveranstaltungen einstellen. Christoph Kaiser erinnert sich: „Nach einer Frage des Dozenten hebt man nicht den Arm und wartet bis man drangenommen wird, sondern man sollte möglichst schnell drauflos reden. Daran musste ich mich zunächst gewöhnen, aber mit der Zeit habe ich meine deutschen Kommunikationsformen schnell erweitern können.“
Peru als nächstes Ziel
Sarah Gieseker absolvierte bereits 2006 einen zweimonatigen Auslandsaufenthalt in Peru und genießt nun ihr Semester an der Uni in Belo Horizonte. „Die Entscheidung, ein Auslandssemester in Brasilien zu machen und eine neue Sprache zu lernen, war genau die richtige“, erklärt die M.A.- Studentin; weiter: „Der erste Tag an der Uni war beeindruckend: alles anders, alles riesengroß. Schon die Anmeldung bei der örtlichen Polizei war ein Abenteuer, eine Stadt mit 3 Mio. Einwohnern ist ganz schön groß und hektisch. Die Dimensionen spiegeln sich auch in der Uni wieder: mit mehr als 40.000 Studenten und einem breiten Lehrangebot. Die Faculdade de Letras, in der ich eingeschrieben bin, ist zum Glück einigermaßen überschaubar“, sagt die Spanisch-Studentin, die nun eine weitere romanische Sprache erlebt und lernt.
Aufgrund des Erfolgs der Exkursion nach Argentinien und der großen studentischen Nachfrage wird der Südamerika-Schwerpunkt am Romanischen Seminar weiter ausgebaut: u.a. mit einem Doppelseminar zur Darstellung der indigenen Bevölkerung des Andenraums in der peruanischen Literatur, in dem u.a. Werke des kürzlich mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichneten Mario Vargas Llosa behandelt werden. Zu dieser von den Studierenden mit viel Engagement durchgeführten Veranstaltung ist – so die Finanzierung gewährleistet werden kann – für 2011 eine Exkursion nach Peru geplant.
Infos: http://homepage.ruhr-uni-bochum.de/roger.friedlein
Thorben Sommer; Foto: Gieseker | Themenübersicht

