RUBENS Nr. 150 - 1. April 2011
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Unternehmen Sprachreise

Passende Angebote suchen und finden auf „Lingoschools“

Was aus einer Partylaune im Studentenwohnheim heraus zum „Alkoholbringdienst“ werden sollte, ist heute das erste Online-Portal für Sprachreisen. Vier junge Gründer, davon drei aus der Ruhr-Uni, hatten mitten in der Wirtschaftskrise viel Mut und eine überzeugende Idee.

Die Internetplattform Lingoschools startete im Dezember 2010 und ist schon jetzt „DAS Portal in Deutschland für Sprachreisen“, so Gründer Thomas Tümp (27), der an der RUB Wirtschaftswissenschaft studiert hat und aus einer Unternehmerfamilie stammt. Ebenso wie Alexander Terheggen (26), dessen Studium der Fahrzeugtechnik an der FH Köln derzeit wegen Lingoschools ruht. Zusammen mit Julian Mikulik (28, Wiwi-Absolvent) und Eric Salbert (29, Medien- und Kommunikationsinformatik) machten sie in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit den Schritt in die Selbstständigkeit. Eric Salbert hat dafür sogar seinen – gut bezahlten – Job als IT-Berater in Frankfurt an den Nagel gehängt. So überzeugt war er davon, dass sich mit der Vermittlung von Sprachreisen Geld verdienen und Wachstum erzielen lässt.


Durchweg positiv


Durch eine Koreareise und den Austausch mit anderen in einer virtuellen Sprachcommunity kam Salbert auf die Idee, sich den Markt der Sprachreisen in Deutschland genauer anzusehen. In Zahlen ausgedrückt: 185.000 Sprachreisen ins Ausland werden in Deutschland jährlich gebucht, davon 60.000 online. Der Markt boomt, zugleich ist er unübersichtlich und kleinteilig. „Viele Sprachschulen haben zum Beispiel keine deutschsprachige Internetpräsenz“, erläutert Tümp; Salbert ergänzt: „Was bisher fehlte, war eine objektive und transparente Darstellung des Marktes und der Anbieter.“

Bei Lingoschools ist das anders: Über 100 Sprachschulen aus 27 Ländern weltweit – von Marokko bis Kuba – werden ausführlich vorgestellt, nicht nur mit Text, sondern auch mit Fotos oder Videos. Bis Ende 2011 sollen es über 200 sein. Hinzu kommt das, was bei herkömmlichen Urlaubsreisen schon lange Usus ist, der „user generated content“. Das sind Kundenbewertungen der Schulen, Erfahrungsberichte und der Austausch der Nutzer untereinander. Geld verdient Lingoschools durch Provisionen, die die Schulen für jede vermittelte Buchung zahlen. „Jede Reise kostet höchstens so viel wie die direkte Buchung beim Anbieter“, sagt Thomas Tümp, „wir können allerdings auch Paketpreise und Gruppenrabatte anbieten und sind damit meist noch preiswerter.“

Die Reaktionen der Anbieter aus aller Herren Länder auf die Geschäftsidee sind durchweg positiv. „Den Aufbau der Kooperationen mit den Sprachschulen hatten wir uns schwieriger vorgestellt“, sagt Salbert. Lingoschools wächst: Mittelfristig wird das Vier-Mann-Unternehmen mit Sitz in Wattenscheid zwei bis drei weitere Festangestellte sowie zusätzlich freie Mitarbeiter und Praktikanten beschäftigen. „In der Softwareentwicklung werden wir Bedarf haben, auch bei Vertrieb und Marketing“, so Tümp. Für Studierende unterschiedlicher Sprachen sei ein Praktikum bei Lingoschools ebenso interessant wie für Wirtschaftswissenschaftler, z.B. um die Entwicklung eines Start-Ups mitzubekommen.


Beharrlichkeit siegt


Auf dem bisherigen Erfolgsweg waren zwei Dinge entscheidend, betonen die jungen Gründer: die Idee exakt und immer weiter auszufeilen sowie potenzielle Förderer und Geldgeber damit zu überzeugen. Eric Salbert erzählt, wie die vier sich in der tiefsten Rezession regelmäßig getroffen und ihre Idee ausgearbeitet haben. „Das ganze Jahr 2009 über kamen Thomas, Alexander und Julian jeden Monat für ein ganzes Wochenende zu mir nach Frankfurt, um gemeinsam unseren Businessplan weiterzuentwickeln“. Ende 2009 bewarben sie sich damit erfolgreich um ein Exist-Stipendium, finanziert von der EU und dem NRW-Wirtschaftsministerium – 80.000 Euro bekamen sie 2010, um das Unternehmen zu gründen und in der Zeit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Ende 2010 belegte „Lingoschools“ Platz drei im Businessplanwettbewerb „ruhr@venture“ des Gründercampus Ruhr; nach Ablauf des EU-Stipendiums unterstützt nun die Sparkasse die weitere Unternehmensentwicklung mit einem Gründerkredit.

Die nächsten Ziele haben die vier klar vor Augen: 2012 wollen sie wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen und unabhängig von Förderungen sein; zudem soll Lingoschools internationalisiert werden, etwa indem sich auch deutsche Anbieter von Sprachreisen den Interessierten aus dem Ausland auf der Plattform präsentieren. Ausgezahlt hat sich die Beharrlichkeit der Unternehmer allemal. Und warum wurde aus dem ursprünglich geplanten Party-Lieferservice nichts? „Den gab es schon“, sagt Salbert. Traurig ist er darüber nicht.
Infos: http://www.lingoschools.de


Hilfe fÜr GrÜnder

An der RUB gibt es umfangreiche Beratungs- und Serviceangebote für Studierende und Beschäftigte, die sich mit der Idee einer Unternehmensgründung tragen. Die rubitec – Gesellschaft für Innovation und Technologie der RUB – bietet z.B. Infoveranstaltungen und Seminare an, berät potenzielle Gründer individuell und veranstaltet Wettbewerbe. So startet Mitte April der Businessplanwettbewerb „ruhr@venture“ in eine neue Runde. Gemeinsam mit der RUB, der Hochschule Bochum und der IHK Bochum ist die rubitec Partnerin im „Gründercampus Ruhr“: Ziel ist, das Gründungspotenzial an den Hochschulen besser auszuschöpfen und mehr „Unternehmer von morgen“ für das Thema Existenzgründung zu sensibilisieren. Auch das „Startercenter“ der IHK und der Wirtschaftsförderung Bochum hat eine Niederlassung auf dem Campus (Technologiezentrum) und bietet u.a. einen „Geschäftsideen-Check“ an.
Infos: http://www.hochschulgruenderverbund-ruhr.de; http://www.startercenter-bochum.de/campus


Innovationsfonds Ruhr

Unternehmensgründer im mittleren Ruhrgebiet erhalten aus den Hochschulen der Region einen kräftigen Schub: Der in dieser Form in NRW erstmals eingerichtete regionale Beteiligungsfonds stellt für innovative Geschäftsideen Eigenkapital (max. 50.000 Euro) zur Verfügung. Die Gründer profitieren in der entscheidenden Startphase zusätzlich von der kaufmännischen Unterstützung durch frühere Unternehmer und Top-Manager, die als ehrenamtliche IHK-Senior-Experten wertvolle Erfahrungen weitergeben. Der Fonds mit einem Startvolumen von 700.000 Euro speist sich aus Mitteln mehrerer Partner: darunter NRW, EU, IHK, rubitec und RUB. „Als eine der forschungsstärksten Hochschulen Deutschlands will die RUB auch die unternehmerische Initiative der Wissenschaftler fördern“, so Prof. Ulf Eysel, Prorektor für Forschung.
Infos: http://www.innovationsfonds-ruhr.de

jw; Foto: Lingoschools | Themenübersicht