RUBENS Nr. 150 - 1. April 2011
RUB » RUBENS » Ausgabe 150 » Artikel

"In jeder Hinsicht zauberhaft“

Die Datenbank Academia-net verzeichnet exzellente Wissenschaftlerinnen

Nicht nur in den Chefetagen der Wirtschaft, auch in den Professorenbüros der Wissenschaft sind Frauen noch immer die Ausnahme. Nur zwölf Prozent aller Lehrstühle in Deutschland sind mit Frauen besetzt, etwa 18 Prozent sind es an der RUB. Herausragende Forscherinnen sichtbarer zu machen, ist das Ziel von Academia-net.

Die Datenbank verzeichnet exzellente Wissenschaftlerinnen aus dem deutschsprachigen Raum mit Angaben zu Forschungsschwerpunkten, Publikationen, Kurzvita und Sprachkenntnissen. Wer angemeldet ist, erhält auch Kontaktinformationen. Die Forscherinnen sind somit einfach zu finden – z.B. für Leute, die auf der Suche sind nach geeigneten Kandidatinnen für eine Führungsposition oder ein Gremium. Auch Journalisten und die Organisatoren von Konferenzen können hier unkompliziert Expertinnen für viele Themen finden.

Die Robert Bosch Stiftung und der Verlag Spektrum der Wissenschaft haben die Datenbank 2010 gemeinsam ins Leben gerufen. Wissenschaftlerinnen können sich nicht selbst eintragen oder bewerben, sondern müssen von einer (oder mehreren) der Partnerorganisationen vorgeschlagen werden. Zu den ausnahmslos hochkarätigen Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft gehören u.a. Deutsche Forschungsgemeinschaft, Humboldt Stiftung, Fraunhofer Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft, Leibniz-Gemeinschaft, Max Planck Gesellschaft und Wissenschaftsrat.

Für die Aufnahme in die Datenbank wurden Qualitätskriterien festgelegt. Wichtigstes Kriterium ist die herausragende wissenschaftliche Qualifikation, gemessen z.B. an Publikationen, Preisen/Anerkennungen, eingeworbenen Drittmitteln, Patenten, Einladungen zu Vorträgen. Die Forscherinnen müssen zudem über ein klar erkennbares Profil verfügen und eine eigene Arbeitsgruppe selbstständig leiten. Gern gesehen sind die Vereinbarung von Karriere und Familie, Auslandserfahrung, Gastprofessuren, Lehrtätigkeit, gesellschaftliches oder Gremien-Engagement.

 

Die Acht von der RUB

 

Fast 600 Forscherinnen sind über die Datenbank bereits zu finden, acht RUB-Professorinnen sind darunter: Beate Brand-Saberi (Medizin), Nicole Frankenberg-Dinkel (Biologie), Martina Havenith-Newen (Chemie), Elisabeth Hollender (Geschichtswissenschaft), Nicola Kaminski (Philologie), Doris Koesling (Medizin), Irmgard Müller (Medizin) und Monika Schmitz-Emans (Philologie). RUBENS sprach mit Nicola Kaminski, seit 2005 Professorin für Neugermanistik an der RUB.

RUBENS: Hat der Eintrag in die Datenbank sich für Sie schon bemerkbar gemacht, z.B. durch vermehrte Anfragen?
Prof. Kaminski: Nein, noch nicht. Aber man konnte auch angeben, ob man gut ausgelastet ist oder gern mehr Anfragen hätte, und ich habe angegeben, dass ich schon gut zu tun habe. Ich bekomme so viele Anfragen für Gutachten und Vorträge, dass ich sie gerade noch bewältigen kann. Aber die Datenbank ist erst seit November online.

RUBENS: Haben Sie erfahren müssen, dass man es als Frau schwerer hat, Karriere in der Wissenschaft zu machen?
Prof. Kaminski: Nein, ich hatte nie Nachteile durch mein Geschlecht – wobei die Philologie ja auch keine typtische Männerdomäne ist. Vielleicht ist das anderswo anders. Das Geschlecht war nie ausschlaggebende Kategorie: in der Schule nicht, während Studium, Promotion und Habilitation in Tübingen nicht und ist es auch jetzt nicht. Jedenfalls ist es mir nie so vorgekommen – die genauen Gründe kennt man ja nicht, wenn es zum Beispiel mit einer Bewerbung nicht klappt. Hier in der Fakultät für Philologie sind eher die Männer in der Unterzahl. Aber ich glaube nicht, dass sie sich benachteiligt fühlen. Ich habe viele Berufungsverfahren miterlebt, und das Geschlecht ist einfach kein ausschlaggebendes Kriterium, es wäre auch fatal, wenn es so wäre.

 

Überzeugung hilft

 

RUBENS: Was würden Sie einer talentierten Doktorandin raten, die eine wissenschaftliche Laufbahn anstrebt?
Prof. Kaminski: Wenn es das ist, was sie machen möchte, sollte sie daran glauben und sich in diesem Glauben an die Sache nicht anfechten lassen. Ich will natürlich nichts kleinreden, es mag Bereiche geben, in denen Frauen diskriminiert werden. Am überzeugendsten kann man gegen Benachteiligungen angehen durch Überzeugung in der Sache. Es gibt sicherlich hier und da noch Männer, die sagen „Frauen in der Wissenschaft, das ist nichts“, aber ich glaube, institutionell hat sich durchgesetzt, dass das kein Thema mehr sein sollte.
Deswegen war ich auch ein bisschen zwiegespalten, als man mich für die Datenbank vorgeschlagen hat. Einerseits ist es natürlich eine Ehre, vor allem für mich als überzeugte Einzelforscherin in einer Zeit, in der in Hinblick auf Exzellenz oft die Verbundforschung bevorzugt wird. Andererseits ist es auch eine Gettoisierung. Ähnlich wie mit der Frauenquote. Eine Quote kann auf längere Sicht vielleicht zu größerer Selbstverständlichkeit führen. Aber in der Übergangszeit müssen auch Menschen diese Quote ausfüllen, und die dadurch Begünstigten geraten in eine schwierige Situation. Sie müssen sich immer beweisen, zeigen, dass sie zum Beispiel eine Stelle aufgrund ihrer Qualifikation haben und nicht aufgrund der Quote.
Hier in unserer Fakultät ist das ohnehin kein Thema, hier ist Geschlechtergerechtigkeit völlig natürlich. Und wir sind die größte Fakultät und heben auch für die RUB insgesamt den Schnitt. Ich denke, daraus kann man auch den Optimismus gewinnen, dass es geht. Es ist in jeder Hinsicht eine zauberhafte Fakultät! Ich würde sie gegen keine andere tauschen!


Info: http://www.academia-net.de

md; Foto: Nelle | Themenübersicht