RUBENS Nr. 149 - 1. Februar 2011
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Niemals Rotiert

Nach 40 Jahren im Personaldezernat verlässt Heinz Volmer die Ruhr-Uni

Mit Heinz Volmer verliert die RUB einen weiteren Teil ihres Langzeitgedächtnisses. Am 1. Februar 1971 hatte er seinen ersten Arbeitstag und am 31. Januar 2011 seinen letzten. In den vergangenen 35 Jahren war Heinz Volmer stellvertretender Leiter des Personaldezernats; zudem führte er in den letzten 18 Jahren die Abteilung „Personalangelegenheiten der Beamten“. Arne Dessaul sprach mit ihm über 40 Jahre an der RUB und die vielen Veränderungen, die das Arbeitsleben hier seitdem erfahren hat.

RUBENS: Können Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag an der RUB erinnern?
Heinz Volmer: Gut sogar, obwohl es so lange her ist. Das erste, was mir mein damaliger Vorgesetzter sagte, war: Sie kommen von der Bezirksregierung?! Was Sie da gelernt haben, können Sie hier vergessen. An der Uni gibt es nichts, was es nicht gibt.

RUBENS: Kam das auch so?
Heinz Volmer: Ja, aber das war nicht negativ, denn an der Uni gab es vor allem mehr Gestaltungsfreiheit. Das ist keine klassische Verwaltung.

RUBENS: Arbeiteten Sie damals schon im Personaldezernat?
Heinz Volmer: Ja, tatsächlich. Ich bin 40 Jahre im Personaldezernat geblieben. Heutzutage nahezu unvorstellbar bei all der Fluktuation und Rotation. Zunächst habe ich mich um Personalangelegenheiten aus Beiträgen Dritter gekümmert. Dabei habe ich schon fast das ganze Spektrum des Personalbereichs kennengelernt: Einstellung und Betreuung von wissenschaftlichen Mitarbeitern, Stellen für studentische Hilfskräfte, dazu Nebengebiete wie Reisekosten, Umzugskosten und Trennungsentschädigungen.

 

Zu Gast im IB

 

RUBENS: Wo waren die Büros damals untergebracht?
Heinz Volmer: Wir waren zu Gast im Gebäude IB. Beim Aufbau der RUB hieß es ja: Zunächst werden die Studenten und Wissenschaftler versorgt und dann die Verwaltung. Erst 1980 war unser Gebäude fertig.

RUBENS: Wie viele Beschäftigte gab es 1971 zu betreuen – von wie vielen Mitarbeitern im Dezernat 3?
Heinz Volmer: Das waren rund 2.000 Leute, zwei Drittel Wissenschaftler, ein Drittel Nichtwissenschaftler. Heute ist das Verhältnis ungefähr 50 zu 50 bei über 6.000 Beschäftigten inklusive Medizin. Damals waren wir im Dezernat 28 Mitarbeiter, fast alles Vollzeitkräfte. Heute sind wir 45, also gar nicht so viel mehr, und darunter sind einige Teilzeitkräfte. Außerdem kümmert sich z.B. die Beihilfestelle nicht nur um die RUB, sondern auch um die Hochschule Bochum.

RUBENS: Es ist wahrscheinlich müßig, die vielen Veränderungen der letzten 40 Jahre im Personalbereich einzeln zu erläutern: Befristungen, Gleichstellung, Juniorprofessuren, Sparzwänge, Mobbing, Leitbilder, W-Besoldung, Mitarbeitergespräche – um nur einige Stichworte zu nennen. Welches davon hat Sie am meisten geärgert und Ihnen die meiste Arbeit bereitet?
Heinz Volmer: Beschäftigt haben mich all diese Dinge. Arbeit hat es immer gemacht, klar, mal mehr, mal weniger. Am meisten geärgert haben mich die jährlich wiederkehrenden Sparmaßnahmen der Landesregierung. Es gab eigentlich jedes Jahr irgendwelche Streichaktionen, wo plötzlich Stellen eingesammelt werden mussten. Wahllos, nach der Rasenmäher-Methode. Ein zweites Ärgernis war die Schwerfälligkeit des kameralistischen Haushaltssystems, das Verhandeln mit dem Ministerium über jede einzelne Stelle. Das hat aber ein Ende genommen durch den Globalhaushalt und vor allem das Hochschulfreiheitsgesetz. Das war zugleich die sinnvollste Veränderung in dieser Zeit: das Hochschulfreiheitsgesetz und der damit einhergehende Wegfall staatlicher Hierarchien, die vorher einiges ausgebremst haben. Für uns ist so vieles effizienter geworden. Und schneller. Beispielsweise bei Neubesetzungen von Professuren, die wir jetzt ganz allein durchführen. Früher, als noch das Ministerium mitentscheiden konnte, hat sich ein Berufungsverfahren schlimmstenfalls über Jahre hingezogen. Heute dauert es, wenn alles optimal läuft, nur wenige Wochen: von der Ausschreibung bis zur Besetzung.

 

Offen und kommunikativ

 

RUBENS: Mit dem Personaldezernat hat jeder Beschäftigte automatisch zu tun. Darum gibt’s gewiss Vorurteile gegenüber Ihnen und Ihren Kollegen? Langsam, unfreundlich, was auch immer.
Heinz Volmer: Klar, hier und da mag es das geben. Wir können das aber immer schnell überwinden: mit Offenheit und mit viel Kommunikation – schon bei der Personalgewinnung und natürlich auch später bei der Betreuung.

RUBENS: Abschied haben Sie schon im Dezember gefeiert. Kam Wehmut bei Ihnen auf?
Heinz Volmer: Ein bisschen. Die Arbeit und die vielen sozialen Kontakte werden mir bestimmt fehlen. Andererseits habe ich mir den Zeitpunkt ja selbst ausgesucht. Ich hätte noch anderthalb Jahre arbeiten können, habe mich aber für Altersteilzeit entschieden. Wichtig war mir, dass meine Mitarbeiter und meine Nachfolgerin in der Abteilungsleitung alles geordnet vorfindet. Das zu organisieren habe ich im letzten Jahr geschafft, das Feld ist bestellt.

RUBENS: Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?
Heinz Volmer: Zum einen möchte ich gemeinsam mit meiner Frau viel verreisen, nicht wie früher von langer Hand geplant und mit dem Risiko, dass es doch nicht klappt, sondern lieber ganz spontan. Es gibt eine Menge Städte in Deutschland und Europa, die wir uns gern ansehen möchten. Ich werde auch im Garten arbeiten, mich mehr im Kegelsportverein engagieren und zusammen mit meinem Bruder ein altes Hobby wieder aufnehmen: das Reiten. Das hatte uns als Kinder so viel Spaß gemacht und wir wollen das jetzt wieder angehen. Wir testen auch schon ein paar Reitställe.

RUBENS: Welche Wünsche haben Sie für die RUB?
Heinz Volmer: Ich wünsche ihr, dass sie ihre Stärken ausbaut und ihre Sichtbarkeit national und international weiter verbessert – und dass der Begriff „universitas“ immer ein wesentliches Merkmal sein wird.

 



Lebenslauf

Heinz Volmer (geboren am 22. Juli 1947 in Wanne-Eickel) begann seine Berufslaufbahn 1964 als Verwaltungspraktikant bei der Bezirksregierung Münster. Er blieb dort bis 1969 (als Regierungsinspektoranwärter) und kam nach dem Wehrdienst (1969/70) zum Landesamt für Besoldung und Versorgung (LBV). Im Februar 1971 wurde er an die Ruhr-Universität versetzt. Im Personaldezernat kümmerte er sich zunächst um Angelegenheiten des Personals aus Beiträgen Dritter, später leitete Heinz Volmer die Besoldungsstelle, war zuständig für Stellenplanangelegenheiten und Statistiken, dann für Personalangelegenheiten der Wissenschaftlichen Assistenten und zuletzt für Personalangelegenheiten der Beamten. Ab 1975 war Volmer stellvertretender Leiter des Personaldezernats, seit 2001 als Oberregierungsrat. Heinz Volmer war zudem u.a. 32 Jahre lang (1975-2007) Beauftragter des Arbeitgebers in Sachen Schwerbehindertenangelegenheiten und vier Jahre lang (1987-1991) Mitglied des Senats sowie – losgelöst von der RUB – ehrenamtlicher Richter des Sozialgerichts Dortmund (2002-2007). Seine Nachfolgerin in der Abteilungsleitung wird die Juristin Edith Schwartzkopf; neuer stellvertretender Leiter des Personaldezernats wird Hans-Jürgen Weituschat.

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