RUBENS Nr. 149 - 1. Februar 2011
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Deutschland, Deutschland...

Neue Foto-Ausstellung im KUBUS

Bis zum 1. Mai sind im KUBUS Fotografien von Rudolf Holtappel und Thomas Kläber zu sehen. In dieser Ausstellung werden zwei zu Unrecht noch wenig bekannte fotografische Positionen gegenübergestellt, die eng mit verschiedenen Regionen Deutschlands verknüpft sind: Während die Fotos Holtappels Aspekte des Lebens im Ruhrgebiet der 50er- bis 70er-Jahre zeigen, dokumentieren die in den 70er- bis 90er-Jahren aufgenommenen Bilder von Kläber vor allem den Alltag im ländlichen Südbrandenburg in der damaligen DDR.

Der in Oberhausen lebende Rudolf Holtappel (geb. 1923) lichtet in seinen stark graduierten, stimmungsvollen Schwarzweiß-Fotografien das Ruhrgebiet der Wirtschaftswunderzeit, aber auch den folgenden Niedergang der Montan-Industrie ab. Arbeit, Konsum und Freizeitbeschäftigungen, oft vor imposanter Industriekulisse aufgenommen, bilden in der Ausstellung thematische Schwerpunkte. Häufig flankiert ein subtiler Humor Holtappels fotografisch-kommentierenden Blick auf das Revier.

Auch für die Fotos von Thomas Kläber (geb. 1955), der in der Nähe von Cottbus lebt, ist zuweilen eine unterschwellige Komik charakteristisch. In feinen Grauabstufungen dokumentiert er in seinen Bildern das einfache, oft durch Provisorien bestimmte Leben in der ostdeutschen Provinz und beleuchtet die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit des DDR-Alltags. Die später entstandenen Aufnahmen von Industrielandschaften, die anders als die Motive Holtappels oft menschenleer sind, zeigen den Eingriff des Menschen in seine Umwelt und kommentieren dessen langfristige Folgen mit leiser Tristesse.

Intime Verbundenheit


Anknüpfend an die bis November 2010 im KUBUS von Situation Kunst gezeigte Ausstellung „Weltsichten. Landschaft in der Kunst seit dem 17. Jahrhundert“ wird hier der Fokus auf zwei Fotografen gerichtet, die ihr jeweiliges Lebensumfeld mit empathischem und zugleich unbestechlichem Blick durch die Kameralinse reflektieren. Die Menschen in den Fotografien – Bergleute, Bauern, Taubenzüchter, Kneipenbesucher oder elegant gekleidete Damen bei der Anprobe im Warenhaus – werden unverstellt in ihrer Eigenart gezeigt, bewahren jedoch stets eine eigene Würde, die aus der intimen Verbundenheit der Fotografen mit dem abgelichteten Umfeld resultiert.


Info: „Deutschland, Deutschland“ wird parallel zu der im großen KUBUS-Saal laufenden Thomas Struth-Ausstellung (bis 10. April) gezeigt. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (124 S., 63 Abb., Beiträge von Rolf Lindner und Maria Schulte), der im Kubus für 18 Euro erhältlich ist. Es gibt öffentliche Führungen, die nächste am 20. Februar (16 h); Eintritt 2, ermäßigt 1 Euro, Gebühr für die Führungen: 3 Euro (zzgl. Eintritt); http://www.situation-kunst.de.
BU 1: Deutschland-Ost, Frankfurt/Oder: Telefonieren im Stadtteil Neuberesinchen (1988)
Foto: Thomas Kläber
BU 2: Deutschland-West, Duisburg: Shoppen vor 50 Jahren in Hamborn (1959)
Foto:

ad, Foto: R. Holtappel | Themenübersicht