RUBENS Nr. 149 - 1. Februar 2011
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Starthilfe fÜr Junge Lehrende

sechs PilotfakultÄten gestalten IFB-Projekt individuell aus


Als sich die Lehrexperten des Projekts „Lehren in der Fakultät“ im Januar 2009 das erste Mal trafen, war noch unklar, was dabei herauskommen sollte. Fest stand: neue Lehrende sollten Gelegenheit bekommen, ihre Kompetenzen zu verbessern. Wie, das überlegten sich erfahrene Lehrende und externe Trainer, die der Einladung der Stabsstelle Interne Fortbildung und Beratung (IFB) gefolgt waren. Inzwischen läuft das Projekt, und zwar bestens.

In den sechs Pilotfakultäten sieht die Umsetzung sehr unterschiedlich aus. In der Psychologie z.B. treffen sich junge Lehrende dreimal pro Semester zum Austausch. „Am Anfang waren wir skeptisch, weil man sich zwischen den Lehrenden der verschiedenen Arbeitseinheiten eigentlich nie ausgetauscht hatte“, erzählt Anne-Lena Göpfert, die seit zwei Jahren in der Arbeitseinheit Arbeits- und Organisationspsychologie lehrt, „aber dann haben wir gemerkt, dass wir alle dieselben Herausforderungen nehmen müssen.“ In den je dreistündigen Treffen besprechen die Teilnehmer ihre Sorgen des Lehralltags: ständiges Gequassel, Studierende, die dauernd zu spät kommen oder früher gehen, sich beschweren, weil sie sie sich ungerecht behandelt fühlen oder um jeden Credit Point kämpfen. „Früher hat man solchen Frust mit nach Hause genommen, heute schreibe ich mir sowas auf und nehme es mit zum nächsten Treffen“, sagt die Psychologin. Natürlich geht es nicht nur darum, sich gegenseitig das Herz auszuschütten, sondern um Lösungen.
Im Rollenspiel üben die Lehrenden ihre Haltung gegenüber problematischen Gesprächspartnern und den Umgang mit Konflikten. Sie haben sich über Qualitätskriterien für gute Lehre ausgetauscht und sie zu Papier gebracht. „Der Kriterienkatalog ist ein wichtiges Ergebnis, denn so schafft man einerseits ein arbeitseinheitsübergreifendes Verständnis von ‚guter Lehre‘. Andererseits versichert man sich auch seiner Ansprüche und der Messlatte, die man an studentische Leistungen anlegen kann.“ Denn nicht selten kommt es vor, dass Seminarteilnehmer behaupten, die Anforderungen seien viel zu hoch, in einer anderen Arbeitseinheit sei das ganz anders. „Wenn man sich austauscht, kann man einheitliche Standards schaffen, was verhindert, dass sich die Studierenden unterschiedlich behandelt fühlen“, sagt Prof. Dr. Gabriele Elke, die das Projekt nicht nur als Lehrexpertin in der Fakultät betreut, sondern auch wesentlich an der Konzeption von „Lehren in der Fakultät“ mitgewirkt hat. Und es hilft, seinen Ansprüchen treu zu bleiben, auch wenn man es damit nicht jedem recht macht, was sich in der Lehr-Evaluation niederschlagen kann, die wiederum für die Karriere in der Wissenschaft immer wichtiger wird.

Teilen spart Zeit

Zudem tauschen sich die Lehrenden über innovative Lehrkonzepte aus und haben einen Instrumentenkoffer mit Seminarmethoden zusammengestellt. Oft hat einer eine gute Lehridee, die andere übernehmen können. „Auf Dauer spart das Zeit, die man in die eigene Forschung investieren kann“, sagt Anne-Lena Göpfert. Wichtiger Bestandteil des Projekts sind auch gegenseitige Hospitationen. „Es ist was ganz anderes, wenn ein anderer junger Wissenschaftler während des Seminars hinten sitzt, als wenn mein Chef mir zusieht“, erklärt Prof. Elke. Untereinander kann man sich auf Augenhöhe kritisieren. Die kollegiale Beratung kommt bei den Teilnehmern besser an als das individuelle Coaching, das zu Projektstart von einer externen Trainerin angeboten wurde.
Etwa zehn junge Lehrende gehören zum festen Kern, der regelmäßig am Projekt teilnimmt. „Mir ist besonders wichtig, dass aus jeder Arbeitseinheit jemand dabei ist“, unterstreicht Prof. Elke. „Es ist eine gute Möglichkeit für die Fakultät, Lehrende gezielt und kontinuierlich in ihrer Lehrkompetenz zu stärken und zu entwickeln.“ Sie hält vor allem den offiziellen Rahmen für wichtig, um dem Projekt den nötigen Stellenwert zu verschaffen und sicherzustellen, dass es auch langfristig fortgeführt wird. „Es ist gut, dass die IFB solche Projekte anbietet und die RUB damit das Signal setzt, dass Lehre wichtig ist“, sagt sie. Für die Zukunft wünscht sie sich, dass das Projekt weiterläuft und die Verantwortlichkeiten auf Dauer festgeschrieben werden. „An Anfang habe ich im Stillen gedacht: Naja, jetzt machen wir ein Pilotprojekt, und dann schläft das irgendwann ein“, gibt sie zu. „Aber es wird sehr gut angenommen und hat neben der Professionalisierung der jungen Lehrenden noch andere positive Effekte – zum Beispiel identifiziert man sich viel mehr mit der Fakultät und der Universität.“

Juristen lehren anders

Ganz anders, aber ebenso erfolgreich läuft das Projekt in der Rechtswissenschaft. Hier ist die Lehre grundsätzlich anders organisiert: Junge Lehrende gestalten keine eigenständigen Seminare, sondern betreuen begleitende Arbeitsgruppen zu den Vorlesungen der Professoren. Auch wenn die Inhalte unterschiedlich sind, ist die Aufgabe der Lehrenden immer recht ähnlich. „Das macht es uns einfach“, sagt Prof. Dr. Gereon Wolters, Studiendekan der Juristischen Fakultät und Lehrexperte im Projekt.
Die Fakultät lädt alle Lehrenden, die das erste Mal vorne stehen, am Anfang des Semesters zu einem Treffen mit Trainerin Bettina Hahn ein. Im Laufe des Semesters finden drei weitere Treffen statt, bei denen unterschiedliche Schwerpunkte auf dem Programm stehen. „Frau Hahn stellt mögliche Lernhilfen vor, die man den Studierenden anbieten kann, oder unterschiedliche Methoden, die man für die Gestaltung einer Sitzung nutzen kann“, beschreibt Björn Sendzik, der im Sommersemester 2010 teilgenommen hat. „Das ist sehr hilfreich, denn manche Lehrkräfte leisten an einem Tag sechs Semesterwochenstunden ab, und wenn man da nur Frontalunterricht macht, ist man am Ende völlig fertig“, sagt Prof. Wolters. In weiteren Sitzungen gibt es Infos, wie man mit Schwierigkeiten fertig wird, desinteressierten oder fordernden Studierenden begegnet oder Störungen unterbindet.
Wer möchte, kann in einem individuellen Coaching mit Bettina Hahn weiter ins Detail gehen und seine eigene Lehre kritisch unter die Lupe nehmen. Die Trainerin bietet dazu Hospitationen an. „Das möchten nicht alle machen, aber mir hat es mit am meisten geholfen“, äußert sich Björn Sendzik begeistert. „Frau Hahn hat sofort die Personen erkannt, von denen ich ihr im Vorgespräch erzählt hatte, dass sie mir Schwierigkeiten bereiten, und konnte analysieren, was sie eigentlich wollen. Sie konnte mir auch Tipps geben, wie ich ihnen am besten begegnen kann. Ich habe zwar ein bisschen Lampenfieber gehabt, jemanden in meine Veranstaltung einzuladen, aber eigentlich hat sich schon im Vorgespräch schnell Vertrauen aufgebaut“, sagt er.

Mit externer Trainerin

Auch Prof. Wolters führt den Erfolg wesentlich auf die Trainerin zurück. „Es ist optimal, eine Person von außerhalb dafür zu haben, weil sie den Horizont ungemein erweitert. Hinzu kommt, dass Frau Hahn nie belehrend ist, sondern selbstironisch und bescheiden und dabei sehr kompetent.“ Mit ihrer Art hat die Kölner Psychologin die anfangs skeptischen Juristen schnell davon überzeugt, dass das Projekt sinnvoll ist – nicht zuletzt, indem sie sich selbst als „Psychotante“ bezeichnet und dem einen oder anderen damit sicher anfangs aus der Seele spricht. Pflicht ist die Teilnahme bei den Juristen zwar nicht, aber eine gewisse Verbindlichkeit gibt es durch die persönliche Einladung schon. Zehn bis zwanzig junge Lehrende nehmen jedes Semester teil.
„Fast alle Kollegen waren nach anfänglichen Zweifeln überzeugt vom Projekt“, sagt Björn Sendzik. Das Engagement bei „Lehren in der Fakultät“ und das freiwillige Coaching lassen sich dabei sogar für das NRW-Zertifikat anrechnen, das man mit dem IFB-Qualifzierungsprogramm „Professionelle Lehrkompetenz für die Hochschule“ erwerben kann.
„Es ist ja nicht so, dass wir hier nicht schon ein sehr gutes und umfassendes Angebot zur Hochschuldidaktik durch die Stabsstelle IFB hätten“, sagt Prof. Wolters. „Aber das Projekt Lehren in der Fakultät war notwendig, um einen Steigbügel in die einzelnen Fakultäten zu bekommen, in Gestalt der so genannten Lehrexperten.“ Solange die Finanzierung durch die Studienbeiträge gesichert ist, soll das Projekt in der Rechtswissenschaft weiter gehen. Was danach kommt, bleibt abzuwarten.

 

Info

Die sechs Pilotfakultäten waren (neben Psychologie und Rechtswissenschaft) Geowissenschaften, Philologie, Geschichtswissenschaft und Physik. Wegen des großen Erfolgs will die IFB das Projekt künftig auf weitere Fakultäten der RUB ausweiten. Interessierte können sich auf der Projektseite über die Ausschreibung informieren: http://www.uv.rub.de/ifb/lehren_in_der_fakultaet/index.html

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