RUBENS Nr. 148 - 3. Januar 2011
RUB » RUBENS » Ausgabe 148 » Artikel

Leute, LEute

Personalmeldungen vom Campus

Neu ernannt
Seit Beginn des Wintersemesters ist Dr. Tobias Schlicht Juniorprofessor für Philosophie des Bewusstseins und der Kognition an der RUB (Institut für Philosophie II). Schlicht ist zugleich Leiter der Nachwuchsgruppe „Intentionalität, Selbstbewusstsein und soziale Interaktion“. Als Forschungsgebiete nennt er u.a. Philosophie des Geistes, Analytische Philosophie, Kognitionswissenschaften, Erkenntnistheorie, Metaphysik und Kant. 2001 machte Schlicht seinen Abschluss (Magister Artium) in Philosophie (Hauptfach), Deutsche Sprache und Literatur sowie Mittlere und Neuere Geschichte, 2005 wurde er an der Uni Köln promoviert. Anschließend war er Postdoktorand im Forschungsprojekt „Selbstbewusstsein und Begriffsbildung beim Menschen“bei Prof. Dr. Albert Newen (Uni Tübingen und RUB). Von Mai 2009 bis zu seinem Wechsel nach Bochum war Tobias Schlicht Junior Research Group Leader for Neurophilosophy beim DFG-Excellenzcluster „Centre for Integrative Neuroscience“ in Tübingen.
+++
Aus den USA kehrt der Biochemiker Dr. Simon Ebbinghaus zurück. Als Stipendiat im Rückkehrer-Programm des NRW-Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung baut er am Lehrstuhl für Physikalische Chemie II (Prof. Martina Havenith-Newen) eine eigene Arbeitsgruppe auf. Die Förderung beträgt bis zu 1,25 Mio. Euro für fünf Jahre. Im Mittelpunkt seiner Forschung stehen die falsche Faltung von Proteinen und ihre Verklumpung (Aggregation) in Zellen. Diese Mechanismen, die Erkrankungen wie Alzheimer, Huntington oder Parkinson zugrunde liegen, untersucht Ebbinghaus am Modellsystem Huntington. Die Ergebnisse könnten einen neuen Ansatzpunkt für Medikamente gegen neurodegenerative Erkrankungen liefern. Simon Ebbinghaus studierte Biochemie und Chemie an der RUB (Diplom 2004) und in Oxford und wurde 2007 promoviert. Als Feodor Lynen-Forschungsstipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung und Stipendiat des National Science Foundation Exzellenz Zentrums für die Physik der lebenden Zelle ging er als Postdoktorand an die University of Illinois. Dort entwickelte er eine zum Patent angemeldete Methode, um Stabilität und Dynamik von Proteinen direkt in lebenden Zellen mit hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung zu messen.


Rufe, Ämter, Ehre
Der Kryptographie-Spezialist Prof. Dr. Christof Paar (Horst Görtz Institut für IT-Sicherheit der RUB) ist im November 2010 zum IEEE-Fellow gewählt worden. Das Board of Directors des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) erkannte ihm diese außergewöhnliche Ehre für seine international herausragenden Beiträge zur Kryptographie („Cryptographic Engineering“) zu.
Das IEEE zeichnete wenige Wochen später einen weiteren Professor der RUB aus: Der Kommunikationsakustiker Prof. Dr.-Ing. Rainer Martin (Elektrotechnik und Informationstechnik) wurde ebenfalls zum „Fellow“ ernannt. Besonders hervorgehoben werden Martins „herausragende Beiträgen zur Sprachsignalverbesserung für den Mobilfunk und für Hörhilfen“.
+++
Zum Abschluss seiner Habilitation über „Petroknowledge und politisches Handeln in den USA und Westeuropa in den 1970er Jahren“ erhält Dr. Rüdiger Graf (Historisches Institut der RUB) ein Förderstipendium des Historischen Kollegs München (Gerda Henkel Junior Fellowship). Er kann das Kollegjahr 2011/2012 am Kolleg verbringen und dort frei von anderen Verpflichtungen sein Buch vollenden. Darin geht es um die Reaktionen westlicher Industrieländer auf die Ölpreissteigerungen der OPEC und das Ölembargo der arabischen Länder der OPEC.
+++
Zwei junge Krebsforscher der Ruhr-Uni können sich über Unterstützung bei ihren Dissertationsprojekten freuen: King Tuo Yip (Biochemie) und Swetlana Ladigan (Pathologie) wurden bei der diesjährigen FoRUM-Tagung der Medizinischen Fakultät der RUB mit den Stipendien der Schäfersnolte-Gedächtnis-Stiftung ausgezeichnet und erhalten für ein Jahr monatlich 1.200 Euro Förderung. Im Mittelpunkt ihrer Arbeiten stehen detaillierte Untersuchungen zur Entwicklung von Darmkrebs und zur Bildung von Metastasen beim schwarzen Hautkrebs.
+++
Der Pannexin-1-Kanal ist ein vergleichsweise riesiger Einlass für positiv geladene Ionen ins Innere von Zellen, u.a. im Gehirn. Seine Rolle wird in der Forschung viel diskutiert – so scheint der Kanal am Untergang von Zellen nach Sauerstoffmangel beteiligt zu sein, aber auch eine wichtige Funktion bei der Vermeidung von epileptischen Zuständen zu haben. Was es mit Pannexin-1 genau auf sich hat, ergründet Dr. Nora Prochnow in der Abteilung für Neuroanatomie und Molekulare Hirnforschung der RUB. Für ihre Forschungsarbeiten erhielt sie den diesjährigen Förderpreis der von der Commerzbank AG betreuten Bochumer Sophia und Fritz Heinemann Stiftung; er ist mit 15.000 Euro dotiert.
+++
Mit einer besonders kleinen und sicheren Chiffre überzeugten Prof. Dr. Christof Paar vom Horst Görtz Institut für IT-Sicherheit der RUB (HGI), Prof. Dr. Gregor Leander und Dr. Axel Poschmann, beide RUB-Absolventen, die Jury: Sie erhielten den mit 100.000 Euro dotierten 1. Preis des Deutschen IT-Sicherheitspreises. Auch der 2. Platz (60.000 Euro) ging an eine Arbeitsgruppe des HGI. Prof. Dr. Ahmad-Reza Sadeghi, der kürzlich an die TU Darmstadt wechselte, sowie Lucas Davi und Marcel Winandy entwickelten als erste einen Schutz gegen sog. ROP-Attacken (Return-Oriented Programming). Der Deutsche IT-Sicherheitspreis wird von der Horst Görtz Stiftung vergeben. Er steht unter der Schirmherrschaft von Michael Hange, Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, und ist einer der höchst dotierten privat gestifteten Wissenschaftspreise.
+++
Atena Rastgoo Lahrood wurde Ende November mit dem DAAD-Preis 2010 ausgezeichnet. Die Physikerin kam 2007 aus dem Iran nach Deutschland, um ihr Studium fortzusetzen. Im WS 2008/09 schloss sie das Bachelorstudium in der Festkörperphysik mit 1,5 ab. Momentan arbeitet sie an ihrer Masterarbeit in Plasmaphysik. Neben ihrem Studium engagiert sie sich für die Umwelt und für ihre Kommilitonen. Sowohl in ihrer Heimat als auch an der Ruhr-Uni betreut sie Studierende, die Physikpraktika absolvieren, sowie Übungsgruppen und gibt Nachhilfe. Mit dem an der RUB seit 1997 verliehenen Preis würdigt der Deutsche Akademische Austausch Dienst (DAAD) neben hervorragenden Studienleistungen ausländischer Studierender auch das soziale und gesellschaftliche Engagement.
+++
Zuverlässige medizinische Bildgebungsverfahren sind in der Tumordiagnostik unverzichtbar. Um das Gewebe der weiblichen Brust möglichst detailliert abzubilden, entwickelte Dr.-Ing. Christian Hansen (Elektrotechnik und Informationstechnik) eine neue Form der Ultraschall-Computertomographie kombiniert mit Kontrastmitteln. Das Verfahren ist gezielt auf die Anatomie der weiblichen Brust zugeschnitten und sehr patientenfreundlich. In Zukunft könnte es die „lästige“ Mammographie ablösen. Für seine Dissertation erhielt Hansen Anfang Dezember den mit 3.000 Euro dotierten Promotionspreis des VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik).
+++
Prof. Dr. Norbert Brockmeyer (Kompetenznetz HIV/AIDS;Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergolgoie der RUB) wurde Anfang Dezember in den Nationalen Aids-Beirat des Bundesgesundheitsministeriums gewählt.
+++
Bundespräsident Christian Wulff hat Mitte Dezember das Bundesverdienstkreuz an Murat Vural (Elektrotechnik und Informationstechnik) verliehen. Vural ist geschäftsführender Vorsitzender des IBFS Chancenwerks. Das Chancenwerk ist aus dem von Vural an der RUB gegründeten IBFS e.V. („Interkultureller Bildungsund Förderverein für Schüler und Studenten e.V.") hervorgegangen. Der Verein fördert die fachlichen und persönlichen Kompetenzen von Schüler/innen. Zugrunde liegt die Idee, dass sich Rollenvorbilder positiv auf die Bildungslaufbahn von Jugendlichen auswirken. Auf dieser Basis hat der Verein ein sich größtenteils selbst erhaltendes Mentoren-Programm entwickelt: Oberstufenschüler/innen erhalten zwei Schulstunden pro Woche kostenlose Nachhilfe durch Studenten. Als Gegenleistung erklären sie sich bereit, die Hausaufgabenbetreuung für Schüler/innen der Sek I zu unterstützen (Rubens 145).

+++
Eine weitere herausragende Ehre hat der „internationale Botschafter“ der RUB und Plasmaphysiker Prof. Dr. Padma Kant Shukla erhalten: Die American Physical Society (APS) ernannte ihn zum „Outstanding Referee“ für seine „faire, vernünftige und sachkundige“ Arbeit als Fachgutachter innerhalb der Wissenschaftsgemeinschaft. Die Auszeichnung ist ein Ehrentitel, der auf Lebenszeit vergeben wird. Jährlich wählt die APS weniger als ein halbes Prozent ihrer mehr als 42.000 Gutachter der APS Fachzeitschriften inklusive „Physical Review“ und „Physical Review Letters“ dazu aus. Die diesjährigen ca. 150 ernannten Outstanding Referees kommen aus 30 Ländern weltweit.
+++
Grund zur Freude hat der RUB-Völkerrechtler Prof. Dr. Horst Fischer: Zum dritten Mal einstimmig hat ihn das Menschenrechtszentrum in Venedig als Präsidenten wiedergewählt. Anfang Dezember 2010 hat seine neue Amtszeit begonnen. 41 europäische Unis, darunter die RUB, tragen das Zentrum in Venedig und bieten dort den Studiengang „Menschenrechte und Demokratisierung“ und weitere Programme an.
+++
Ein überflüssiges Relikt des Bilanzsteuerrechts aus der Nazizeit hat die RUB-Steuerrechtlerin Dr. Isabel Gabert erstmals systematisch untersucht. Der „Teilwert“ aus dem Jahr 1934 ist undurchsichtig, kompliziert und birgt Vollzugsprobleme. Ihn abzuschaffen und durch den sog. gemeinen Wert zu ersetzen, wäre für die meisten seiner Anwendungsbereiche sachgerecht und zweckmäßig und würde das deutsche Steuersystem erheblich vereinfachen. Das ist das zentrale Ergebnis der Dissertation von Gabert, für die sie im Dezember mit dem mit 3.000 Euro dotierten Förderpreis des Deutschen Wissenschaftlichen Instituts der Steuerberater ausgezeichnet wurde.


Nachrufe
Die Ruhr-Universität trauert um ihren Ehrenbürger Fritz Bahlo, der am 24. November gestorben ist. Fritz Bahlo (geboren 1938) studierte von 1964 bis 1966 in Berlin Jura und VWL und wechselte 1966 an die damals gerade neu gegründete Ruhr-Universität. 1969 schloss er in Bochum sein Studium der Wirtschaftswissenschaft erfolgreich ab. Bereits vor dem Studium war Bahlo bei der Sparkasse Bochum beschäftigt und wurde 1974 ihr Direktor und 1990 ihr Vorstandsvorsitzender. Fritz Bahlo hat sich über viele Jahre an der RUB in verschiedenen Positionen engagiert: Unter anderem war er Schatzmeister (ab 1986) und von 1998 bis 2007 Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde (GdF) und bis 2007 Mitglied des Kuratoriums. Seit 2001 ist Fritz Bahlo Ehrenbürger der Ruhr-Universität. „Mit Fritz Bahlo verlieren wir einen großen Freund und engen Wegbegleiter, einen unermüdlichen Brückenbauer zwischen Ruhr-Universität und Stadt Bochum“, so Rektor Prof. Elmar Weiler.

+++
Die Ruhr-Universität trauert um Prof. em. Dr. Gottfried Hornig, der im November im Alter von 83 Jahren gestorben ist. Gottfried Hornig studierte Evangelische Theologie u.a. in Erlangen, Basel und Lund. 1963 wurde er als einer der allerersten Professoren an die RUB berufen, wo er den Lehrstuhl für Systematische Theologie innehatte. Hornig hat mit außergewöhnlichem Engagement die Geschicke der Evangelisch-Theologischen Fakultät gelenkt, sich als geschäftsführender Direktor persönlich um den Aufbau der Seminarbibliothek gekümmert und sich mit großer Energie und Treue als Dekan und Senatsmitglied für die Belange der Fakultät eingesetzt. Von den Studierenden wurde Gottfried Hornig vor allem aufgrund seiner Sachlichkeit und Liberalität geschätzt. Sein theologisches Engagement galt Zeit seines Lebens der Aufklärungstheologie und der Religionsphilosophie.

ad | Themenübersicht