Englisch aus dem eff-eff
Ein Besuch bei den Bochumer Toastmasters
Wenn man nichtsahnend den Telefonhörer abhebt und am anderen Ende jemand spricht, der kein Deutsch versteht, kann man in seinem Kopf den Rost förmlich knirschen hören. Irgendwo stecken noch ein paar englische Vokabeln, aber so richtig zusammen finden sie nicht, wenn das Abi schon ein paar Jahre her und die Englischkenntnisse seitdem mehr oder weniger unbenutzt sind. Wer sein Englisch aufpolieren und seine Schlagfertigkeit trainieren will, ist gut beraten, sich den Toastmasters anzuschließen.
Sie treffen sich alle zwei Wochen für eine gute Stunde in der Oase und sprechen Englisch. Ausschließlich, und alle. „Es soll am Abend jeder etwas gesagt haben“, erklärt Barbara Stauch an einem Montagabend im November. Die Verwaltungsangestellte am Englischen Seminar, Präsidentin der Bochumer Toastmasters, organisiert die Zusammenkünfte. Nach und nach treffen die Teilnehmer ein. 13 sind es in Bochum zurzeit, heute können aber nur sechs. Willkommen ist jede und jeder, egal ob Hausfrau, Student, Rentnerin, Berufstätiger in der Wissenschaft oder anderswo.
Angelina Mallon macht nach ihrem Abitur eine Ausbildung zur Konditorin in Herne. „Mein Vater hat mir einen Artikel aus der Zeitung ausgerissen über die Toastmasters, und da dachte ich, ich probier das mal aus“, sagt sie. „Schließlich reise ich gerne und vielleicht werde ich auch mal ein Jahr im Ausland verbringen.“ Andere Teilnehmer arbeiten an der RUB oder auch in der Industrie. Das bringt eine große Themenvielfalt, denn worüber man spricht, kann man sich frei aussuchen. „Ich habe hier schon Reden über Stahlproduktion und Beton gehört“, sagt Barbara Stauch.
Aus dem Stehgreif
Für jeden Abend bereitet ein Teilnehmer eine längere Rede von fünf bis sieben Minuten vor, das ist etwa eine Seite Text. Dabei geht es – getreu dem Toastmasters-Manual – jedes Mal um einen anderen Aspekt, zum Beispiel den Einsatz der Stimme oder der Gestik. Die anderen Mitglieder geben Feedback. Eine Person wird zum Evaluator auserkoren, eine andere stoppt die Zeit, eine weitere zählt Ähs und Öhms. „Davor muss man aber keine Angst haben“, sagt Barbara Stauch, „wir wollen unterstützend Kritik üben, so dass man sich einfach mal ausprobieren kann.“ Dadurch lernt man eine ganze Menge, auch über seine Körpersprache, die unbewusst abläuft. „Ich selber neige offenbar dazu, beim Reden hin und her zu schaukeln, das irritiert die Zuhörer“, hat sie erfahren. „Darauf muss ich achten.“
Damit nicht nur einer pro Abend spricht, gibt es als weiteren Programmpunkt kurze Stegreifreden. Dazu gibt einer ein Thema vor – heute ist es Angelina Mallon, die sich das Thema Reisen ausgesucht hat – und die anderen sprechen darüber je eine bis zwei Minuten lang spontan. Mit farbigem Papier bekommt der Sprecher nach dem Ampelsystem gezeigt, wie viel Zeit noch bleibt. Die Moderation übernimmt der Themengeber, und schult dabei ganz nebenbei auch noch seine Führungsqualitäten.
Das ist nicht zu unterschätzen. „Fast jeder, der in den USA was geworden ist, war irgendwann mal bei den Toastmasters“, sagt Barbara Stauch. Die Organisation gibt es seit den 1920er-Jahren in Amerika, inzwischen ist sie weltweit vertreten. „Zwischen Düsseldorf und Paderborn war aber ein weißer Fleck, bis wir uns in Bochum gegründet haben.“ Barbara Stauch organisiert seit April 2010 die Treffen in der Oase und hofft auf noch mehr Teilnehmer. Denn je größer das Publikum, desto zahlreicher das Feedback für den einzelnen und desto authentischer die Rede-Situation. Das Potenzial, schätzt sie, müsste eigentlich da sein. Schließlich ist nicht nur die RUB in direkter Nähe, sondern auch Opel und Evonik und viele weitere international tätige Unternehmen.
Infos: Wer mitmachen will, kommt in die Oase, die nächsten Treffen sind am 10. und 24. Januar je 19 h; http://www.bochum-toastmasters.de
md, Foto: Marion Nelle | Themenübersicht

