Gutes Geld strenger Dresscode
Sowi-Master-Studierende laden Bachelor-Studis zur Berufsfelderkundungs-Messe ein
Ein bisschen Lampenfieber merkt man schon vor dem Hörsaal HGC 10. Gegen 15 Uhr schleicht eine Gruppe Sowi-Master-Studierender von links nach rechts und wieder zurück. Sie haben eine kleine Messe gestaltet für ihre Bachelor-Kommilitonen: Berufsfelderkundung für Sozialwissenschaftler. Die Stellwände stehen, die Poster sind angeklebt. Fehlt nur noch das Publikum.
„Vielleicht ist es noch ein bisschen früh, so im ersten Semester – wer beschäftigt sich da schon mit Praktika“, überlegt Jenny Kießling. Sie gehört zu einem Dreier-Team, das sich im Blockseminar von Dr. Heike Hoppmann mit dem Berufsfeld Personalentwicklung beschäftigt hat. Nachdem sie selbst auch schon ein Praktikum auf diesem Gebiet absolviert hat und weiter jobbt, kennt sie sich bestens aus. „Wäre schon toll gewesen, wenn man selbst so eine Gelegenheit bekommen hätte“, meint sie. Tipps aus erster Hand sind sehr brauchbar. So hat sie selbst erst am ersten Praktikumstag erfahren, wie der Dresscode in der Firma aussieht – mit der Folge, dass sie am Nachmittag in einer eiligen Shopping-Aktion Hosenanzüge und Blazer anschaffen musste. „Die Branche ist da sehr konservativ, das muss man wissen“, meint sie.
Prekäre Arbeitsverhältnisse
Gemeinsam mit Steffi Koch und Isabell Intrup hat sie noch einiges mehr auf ihrem Poster zusammengestellt, das sich zu wissen lohnt. Was kann ich von einem Job in der Personalentwicklung erwarten? Was wird von mir erwartet? Wie kann ich mich schon im Studium darauf vorbereiten? „Man kann in dieser Branche gutes Geld verdienen und hat gute Aufstiegsmöglichkeiten, aber man muss auch Zehnstundentage akzeptieren“, erzählt Jenny Kießling. Als Vorbereitung empfehlen die drei den Schwerpunkt MaRAWO, d.h. Management und Regulierung von Arbeit, Wirtschaft und Organisation im Bochumer 1-Fach-Masterstudium Sowi. Auch andere Gruppen punkten mit Infos, die man vielleicht nicht im Karriere-Ratgeber findet. „Achtung: Prekäre Arbeitsverhältnisse“ warnen zum Beispiel einige, die sich mit dem Tätigkeitsfeld Parteien und Verbände beschäftigt haben.
„Hier haben die Bachelor-Studierenden, die ja auch ein Praktikum machen müssen, Gelegenheit, von der Erfahrung ihrer Kommilitonen zu profitieren, das kommt bestimmt ganz anders an, als wenn die Informationen aus einem Ratgeber kommen“, hofft Dr. Heike Hoppmann, die das Berufsfelderkundungsseminar leitet. „Für die Masterstudierenden ist es schön, dass ihre Arbeit in eine sinnvolle Präsentation einfließt und nicht nur in einen Bericht, der am Ende nur von mir gelesen wird.“ Das finden auch Jenny Kießling und Steffi Koch. „Wir haben dadurch außerdem Projektmanagement gelernt“, meint Steffi Koch. „Alles musste zur richtigen Zeit fertig sein und gelayoutet und gedruckt, da lernt man zu organisieren und Termine einzuhalten.“ Alles hat prima geklappt – die Poster könnten vielleicht ein klein wenig größer sein, finden alle. Aber bewähren müssen sie sich natürlich erst noch.
Idee mit Zukunft
Ein Blick auf die Uhr. Im Hörsaal, wo die Einführungs-Pflichtvorlesung von Prof. Dr. Franz Lehner mit 140 Studierenden läuft, rührt sich noch nichts. „Ich glaube, die schreiben noch einen Test“, meint jemand. Eigentlich hatten alle gehofft, die Vorlesung würde vielleicht etwas eher beendet, damit die Teilnehmer noch Zeit haben sich umzusehen. „Ich weiß, dass einige gleich noch Tutorien haben und morgen einen Test schreiben“, sagt bedenklich Dr. Heike Hoppmann, die zur Sicherheit Süßigkeiten mitgebracht hat, als zusätzlichen Anreiz nach der Vorlesung noch zu bleiben. Und dann öffnen sich die Türen, Studierende strömen aus dem Hörsaal. Ist es jetzt hier nur so voll, weil die Stellwände den Ausweg verkleinern? An jedem Poster steht ein Vertreter der Gruppe, die es gestaltet hat, als Ansprechpartner parat. Isabell Intrup ist belagert. Jenny Kießling beobachtet das Treiben von der Heizung aus – wenn alle 50 Teilnehmer des Seminars sich vor ihren Postern drücken würden, wäre es schon ohne Publikum zu voll.
„Da kommen aber schon einige ins Gespräch“, stellt Jenny Kießling fest. Und zwar immer mehr. Eine halbe Stunde später hat der Andrang immer noch nicht nachgelassen. „Ich bin begeistert!“, freut sich Heike Hoppmann. „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass es so gut läuft!“ Mindestens die Hälfte der Teilnehmer aus der Vorlesung ist geblieben. Die wenigen, die keine Zeit haben, haben schon darum gebeten, die Poster ins Internet zu stellen, damit sie später nachlesen können. Die Studierenden aus dem Tutorium und auch Prof. Lehner haben um die Zusendung der Poster in digitaler Form gebeten, um sie verbreiten bzw. auch in der Vorlesung einfügen zu können. Auch Steffi Koch, Jenny Kießling und Isabell Intrup strahlen. Dr. Heike Hoppmann und ihr Lehrassistent Neels Wirringa, der für Layout und Druck der Plakate verantwortlich war, planen schon das nächste Semester. „Man könnte sich zum Beispiel ein eBook vorstellen, in dem man blättern kann“, überlegt Dr. Hoppmann, „damit man nicht jedes Semester dasselbe macht.“ Eins ist klar: Die Idee hat Zukunft.
Info: Alle Poster und Plakate zu Berufsfeldern sind zum Herunterladen im Netz: http://www.sowi.rub.de/studium/praktika/galerie.html
md, Foto: Marion Nelle | Themenübersicht

