Wiedersehen im Studio
CT – das Radio veranstaltet seinen zweiten Alumni-Tag an der RUB
Nein, Fritz Pleitgen begann seine journalistische Karriere nicht bei CT – das Radio. Denn das Bochumer Campusradio an der RUB feierte 2010 erst seinen 13. Geburtstag. Trotzdem war RUHR.2010-Geschäftsführer Pleitgen mit dabei, als am 13. November gut 50 Ehemalige von CT zu ihrem zweiten Alumni-Treffen zusammenkamen.
Seit dem letzten Jahr treffen sie sich einmal jährlich, die ehemaligen Moderatoren, (Chef-) Redakteure oder auch Praktikanten. Sie alle haben mindestens ein, oft aber sogar sehr viele Semester in der CT-Redaktion gearbeitet. Der Sender, den man in Bochum unter der Frequenz 90.0 und im Internet unter www.ctdasradio.de hören kann, hat seit 1997 viele Gesichter gesehen. Mehrere hundert sind es gewesen. Aus vielen wurden feste Radio-Größen: Zwei moderieren inzwischen bei 1LIVE, viele andere sind Redakteure beim WDR oder bei den NRW-Lokalradios; andere wiederum sind Professoren, Pressesprecher an Hochschulen oder sogar Theaterregisseure. Das gemeinsame Schwelgen in Erinnerungen an das Reglerschieben im CT-Studio, an lange Redaktionssitzungen bis tief in die Nacht hinein oder an das erste Mal Nachrichten-Lesen live im Studio lässt sie jedes Jahr zurück an die RUB kommen.
Topthema „RUHR.2010“
Genauso lockt die ehemaligen Campusradiomacher aber auch die jährliche Diskussionsveranstaltung, die ein Teil des CT-Alumni-Treffens ist. Thema in diesem Jahr: RUHR.2010. Was hat die Kulturhauptstadt unserer Region gebracht? Inwiefern hat RUHR.2010 das Image der Metropole Ruhr verändert? Gibt es überhaupt die „Metropole Ruhr“? Und – für Medienschaffende nicht uninteressant – hat das Kulturhauptstadtjahr die kreative Szene im Ruhrgebiet gestärkt?
Diskutiert wurde im Veranstaltungszentrum der RUB mit RUHR.2010-Geschäftsfüher Fritz Pleitgen, RUB-Rektor Prof. Elmar Weiler, Alfons Pieper (bis 2006 stellvertretender Chefredakteur der WAZ und heute Macher des Blogs „Wir in NRW“) sowie mit der Essener Kulturjournalistin Sandra Anni Lang. Moderiert wurde die Runde von 1LIVE-Redakteurin Sandra Zapke, früher CT-Chefredakteurin. Pleitgen wurde zuvor noch von CT-Kulturchefin Christa Kühn auf der Bühne interviewt.
Die gemeinsame Diskussion verlief genauso unterhaltsam wie kontrovers. Fritz Pleitgen zog erwartungsgemäß eine positive Bilanz von RUHR.2010: „Wir haben mit starken Bildern die Menschen auch außerhalb des Ruhrgebiets fasziniert. Und damit meine ich nicht nur das Stillleben auf der A40.“ Pleitgen hofft im Sinne der Nachhaltigkeit von RUHR.2010, dass trotz Sparhaushalten in vielen Kommunen die Kulturetats nicht weiter zusammengestrichen werden. Denn die Kultur sei eine hervorragende Werbung für das Ruhrgebiet und leiste einen wichtigen Beitrag für die Wirtschaft in der Region.
Auch Prof. Weiler sah positive Effekte durch das Kulturhauptstadtjahr. Für die Region. Und auch für die RUB: „Wir sehen es an den letzten Immatrikulationen. Studierende kommen in diesem Jahr aus einem viel weiteren Einzugsgebiet als noch im letzten Jahr.“ Die Außenwirkung der RUHR.2010 habe mit Sicherheit zumindest teilweise damit zu tun. Alfons Pieper sah RUHR.2010 weitaus nüchterner – zumindest bezogen auf die Ruhrgebietsbewohner: „Ob es eine Metropole Ruhr gibt? Ich bin da skeptisch. Der Bochumer bleibt in Bochum. Der Essener bleibt in Essen.“ In die Nachbarstadt ziehe es die Leute auch nach 2010 eher selten. Sandra Anni Lang schließlich ging mit der Kulturhauptstadt sehr kritisch ins Gericht: „Für die kreative Szene im Ruhrgebiet hat RUHR.2010 fast gar nichts gebracht. Viele Aufträge für Kampagnen oder Internetauftritte wurden von den RUHR.2010-Machern an Agenturen außerhalb der Region vergeben.“ Diese Aufträge seien durch ganz normale Ausschreibungsverfahren zustande gekommen, so Fritz Pleitgen: „Wer uns das beste Angebot gemacht hatte, bekam den Zuschlag.“
Nachhaltigkeit allenthalben
So sehr wie die Macher der RUHR.2010 auf die Nachhaltigkeit des Kulturhauptstadtjahrs für die Region hoffen, so sehr hoffen auch die Macher von CT-Alumni auf weitere spannende Veranstaltungen wie diese. Virtuell verbunden sind die Ehemaligen von CT – das Radio durch die Plattform RUB-Alumni. Auch die aktuellen CTler sollen von ihren Ehemaligen in Zukunft profitieren. So sollen sie zum Beispiel in Workshops künftig ihre Radio-Erfahrung stärker an die aktuellen Radiomacher weitergeben. Denn auch in der jetzigen CT-Truppe sind die Redakteure und Moderatoren von morgen – und vielleicht auch die Geschäftsführer einer Kulturhauptstadt 2050…
Daniel Chur | Themenübersicht

