Wir erinnern uns
Konferenz zur Rolle des GedÄchtnisses in der römischen Kultur
Mitte November findet an der RUB eine interdisziplinäre Konferenz mit internationalen Spitzenforschern über die Rolle des Gedächtnisses in der römischen Kultur statt. Sie ist Teil des Max-Planck Forschungspreisprojekts „Memoria Romana“.
Der jeweils mit 750.000 Euro dotierte Internationale Max-Planck Forschungspreis für Geistesgeschichte wurde 2009 an Prof. Karl Galinsky (University of Texas) und an Aleida Assmann vergeben. Vorgegebener Themenbereich war die Gedächtnisgeschichte. Prof. Galinsky wirkt seitdem jedes Jahr für einige Monate am Seminar für Klassische Philologie der RUB. Er hat dort das Projekt „Memoria Romana: Memory in Roman Civilization“ aufgebaut. Daran arbeiten neun internationale Dissertationsstipendiaten und elf Postdocs mit, die kleinere Stipendien für bestimmte Forschungsprojekte erhalten haben. Schwerpunktmäßig erforschen sie die Rolle des Gedächtnisses und der Erinnerung auf allen Gebieten der Kultur im antiken Rom. Das Konzept des Projektes konvergiert mit der Priorität der RUB auf Nachwuchsförderung und Innovation im Rahmen der Exzellenzinitiative und dem vor kurzem abgeschlossen Rahmenabkommen mit der Max-Planck Gesellschaft.
„Gedächtnisforschung“, so Karl Galinsky, „hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten rasant entwickelt. Sie ist interdisziplinär und umfasst Gebiete von der Neurobiologie bis zur Medienwissenschaft. In den Geisteswissenschaften steht der Bezug zur Geschichte und Geschichtswissenschaft im Vordergrund. Kann man überhaupt sauber zwischen Geschichte und Gedächtnis trennen? Besonders in Rom überschneiden sich die beiden Begriffe beträchtlich.“
Weitere Konferenzen geplant
Solchen Themen wendet sich auch die Konferenz zu; weitere Konferenzen folgen an der Amerikanischen Akademie in Rom und am Getty Museum in Malibu (Kalifornien). Die Teilnehmer kommen aus England, den USA, Italien und Deutschland. Sie vertreten verschiedene Gebiete: römische Geschichte, Literatur, Religion und „Material Culture“ wie z.B. das Studium der Monumente. „Monument“ kommt vom lateinischen „monere“, „ermahnen“, „erinnern“. Doch ist Erinnerung alles andere als konstant und gleichförmig. Das gilt sowohl für Einzelpersonen als auch für Kollektive. Daher gibt es viele Debatten über das Wesen von „Collective Memory“: Wie entwickelt sich das zum „kulturellen“ Gedächtnis? Wie sinnvoll sind solche Begriffe und was decken sie ab? Auch das wird auf der Konferenz diskutiert.
„Es wird lebendig hergehen“, verspricht Galinsky. Deshalb sind zwei namhafte Forscher beteiligt, die nicht Spezialisten der römischen Kultur sind. So hält der RUB-Biopsychologe Onur Güntürkün ein Vortrag: „Wie funktioniert das Gedächtnis? Einblicke in die Biopsychologie“. Das letzte Wort wird dem amerikanischen Gedächtnishistoriker Alon Confino gehören, der u.a. das Buch „Germany as a Culture of Remembrance“ geschrieben hat.
Infos: Konferenz „Gedächtnis und römische Kultur/Memory and Roman Culture“, 12. (ab 14 h) bis 14. November, Fakultätssaal Philologie, GB 5/160, Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch; eine Registrierung ist nicht nötig – alle sind willkommen. Programm: http://www.utexas.edu/research/memoria.
Maximilian Kannengießer, Foto: iStock | Themenübersicht

