RUBENS Nr. 146 - 1. November 2010
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Ein Forscher kehrt zurÜck

Stefan Herlitze zog es von Cleveland nach Bochum


Prof. Dr. Stefan Herlitze kam im März aus den USA an die Ruhr-Uni und leitet nun den Lehrstuhl für Allgemeine Zoologie und Neurobiologie. Geholfen hat ihm dabei das Programm „Rückkehr deutscher Wissenschaftler aus dem Ausland”. In Bochum erforscht er, wie Angst, Depressionen und Epilepsien entstehen. Durch Zufall hat er außerdem einen Kommilitonen wiedergetroffen, den er seit 20 Jahren nicht gesehen hat.


Stefan Herlitze forschte zuletzt an der Case Western Reserve University (Cleveland) und war zuvor schon an vielen Universitäten. Der gebürtige Kasselaner studierte in Göttingen Biologie. Am Max Planck Institut für medizinische Forschung in Heidelberg legte er bei Prof. Dr. Bert Sakmann seine Dissertation ab. Prof. Sakmann hatte 1991 den Nobelpreis für Medizin bekommen. Das hat Stefan Herlitze die Tür ins Ausland geöffnet. 1994 ging er nach Seattle. Nach zwei Jahren zog es ihn wieder nach Deutschland. In Tübingen leitete er eine Forschergruppe, wechselte 2000 aber erneut in die USA, diesmal nach Cleveland.

Zwischen den Welten

Dann wurde er auf das Programm „Rückkehr deutscher Wissenschaftler aus dem Ausland” aufmerksam und hat sich an der RUB beworben. „Aus acht eingeladenen Bewerbern hat die Fakultät für Biologie und Biotechnologie mich ausgesucht”, freut sich Stefan Herlitze. Beim gemeinsamen Essen mit Dekan Prof. Dr. Franz Narberhaus kamen beide ins Gespräch. „Dabei stellte sich heraus, dass wir zusammen studiert haben”, erklärt der Biologe. Sie hatten viele Kurse zusammen und haben einige gemeinsame Bekannte. „Ich hatte ihn bestimmt 20 Jahre nicht gesehen. Ein richtiger Zufall. Da sieht man, wie klein die Welt ist.”
Einige andere Rückkehrer berichten von Problemen, wie lange Berufungsverfahren und viel Bürokratie beim Umzug nach Deutschland. Diese Schwierigkeiten hat Herlitze nicht gehabt: „Das Rückkehrprogramm ist aber auch noch nicht ganz abgeschlossen”, erklärt er. Seine Frau ist Amerikanerin und arbeitet jetzt auch an der RUB. „Ein Problem war, dass sie einen Integrationskurs machen muss, der 700 Sunden Deutschunterricht in zwei Jahren beinhaltet”. Als Arbeitnehmer lässt sich das kaum verwirklichen.
Zu den Gründen seiner Rückkehr aus den USA erklärt der Wissenschaftler: „Die finanzielle Situation an der Uni wurde schlechter. In den USA muss man seine Forschung erst einmal selbst finanzieren. Dort herrscht ein großer Erfolgsdruck. Wenn man keinen Erfolg hat, verliert man Geld, und schlimmstenfalls werden die Mitarbeiter entlassen.” Ihm habe die Sicherheit gefehlt, seine Forschung fortzusetzen. In Deutschland seien die Chancen dafür besser. „In den USA wird die Grundlagenforschung vernachlässigt, weil es schwierig ist, dafür Geld zu bekommen”, erklärt Herlitze.
In Cleveland hatte er nur mit Doktoranden gearbeitet und keine „Basisarbeit” mehr gemacht. Eine Umstellung seien deshalb die Vorlesungen an der RUB gewesen, da man einer großen Anzahl an Studierenden (darunter auch Erstsemestern) den Stoff erklären muss. „Es macht mir aber sehr viel Spaß, die Studierenden kennenzulernen und zu sehen, wie sie sich weiterentwickeln und immer mehr lernen”, sagt Herlitze.

Möglichst gute Lehre

Am seinem Lehrstuhl für Allgemeine Zoologie und Neurobiologie will er eine möglichst gute Lehre anbieten. „Ich möchte Studierende an Problemstellungen heranführen sowie neue Methoden entwickeln und erforschen”, erklärt der Biologe. Zurzeit arbeitet er an „Optogenetik”. Es geht darum, Krankheiten und Verhaltensweisen wie Depressionen und Epilepsien mit molekularen Lichtsonden zu erforschen. „Wir wollen herausfinden, was genau im Körper Angst, Depressionen oder Epilepsien auslöst”, sagt der Neu-Bochumer. Das Geld aus dem Rückkehrprogramm wurde dabei schon eingesetzt. „Wir haben einen elektrophysiologischen Messstand zur optogenetischen Untersuchung von Mäusen aus dem Förderprogramm bezahlt”, sagt Stefan Herlitze und blickt zufrieden auf das Gerät in seinem Labor.
An der Ruhr-Uni hat er sich schon nach wenigen Monaten gut eingelebt. „Die Zusammenarbeit mit den Kollegen macht sehr viel Spaß”, sagt der Wissenschaftler. Auch Bochum gefällt dem Rückkehrer gut. Er sieht sogar Parallelen zwischen Cleveland und Bochum. „Wenn man Stadt und Universität genauer kennt, sieht man, was in ihnen steckt”, resümiert er. In den USA habe ihm auch der Fußball gefehlt: „Basketball und Baseball gibt es dort genug, aber keinen Fußball.” Grund für einen erneuten Weggang habe er nicht. „Meinen Kindern gefällt es hier sehr gut. Außerdem haben wir eine gute Professorenfußballmannschaft”, lacht er.

Programm
21 Wissenschaftler/innen aus allen Fachbereichen hat das Förderprogramm „Rückkehr deutscher Wissenschaftler aus dem Ausland“ seit 2006 nach Deutschland zurückgeholt. Die meisten waren zuletzt in den USA, die übrigen sind aus Kanada, Neuseeland, England, Frankreich, der Schweiz und Österreich zurückgekehrt. Das Programm wird von der German Scholars Organization seit September 2006 im Auftrag der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung angeboten.

Thorben Sommer, Foto: Marion Nelle | Themenübersicht