Jenseits des HÖrsaals
Zehn Jahre eLearning an der RUB
Früher gab es nur eine Art zu studieren: Man setzte sich in den Hörsaal oder in den Seminarraum, lauschte dem Dozenten und schrieb das Wichtigste mit; vielleicht arbeitete man den Stoff mit Hilfe von Skripten und Lehrbüchern daheim vor oder nach. Heute bietet das Studium wesentlich mehr Abwechslung. Denn man hat immer häufiger die Wahl zwischen dem Hörsaal und dem eigenen, überall einsetzbaren Computer – oder einer Kombination aus beidem. Die Zauberwörter heißen eLearning oder Blended Learning. Der Siegeszug der elektronischen bzw. webgestützten Lehre an der Ruhr-Uni begann vor genau zehn Jahren.
Im Jahre 2010 ist die Lehre an der Ruhr-Uni in der Tat abwechslungsreich, vielfältig und vor allem flexibel (siehe dazu auch das Editorial auf S. 1). Das liegt an der stetig steigenden Zahl an Kursen, die auf webgestützte Lehre setzen – und an den vielen technischen Hilfsmitteln, die dafür genutzt werden: z.B. Blackboard, Moodle, Connect oder WBTExpress. Wer das alles (und vieles mehr) ganz genau erklärt haben möchte, sollte den direkten Weg zum Webauftritt des RUBeL-Teams nehmen (http://www.rubel.rub.de).
Hier laufen alle Fäden zusammen: RUBeL kümmert sich um alles, das mit eLearning an der RUB zu tun hat: Regelmäßig müssen neue Versionen der wichtigsten Softwares eingeführt werden. Ebenso regelmäßig möchten Dozent/innen erstmals eLearning in ihren Veranstaltungen einsetzen und wollen beraten und geschult werden. Hinzu kommen – neben obligatorischen Verbesserungen – stetige Erweiterungen des Angebots, das flexibel auf die Bedürfnisse der Studierenden und Lehrenden reagiert und neue technische Möglichkeiten berücksichtigt. Die neuen Angebote oder Projekte heißen z.B. „RUBcast”, „eTeam”, „eTutoring”, „Start@RUB”, „Look@RUB” oder – in der Universitätsallianz Metropole Ruhr – „RuhrCampusOnline”.
Start mit Blackboard 5.0
Dann wäre da noch der in jedem Semester stattfindende Wettbewerb „5x5.000”, bei dem jeweils fünf herausragende eLearning-Projekte mit 5.000 Euro gefördert werden. Nicht zu vergessen sei die zurzeit laufende „Qualitätsoffensive eLearning”, die das gesamte webgestützte Lehrangebot der RUB genau unter die Lupe nimmt. Unter anderem resultierte hieraus das in der letzten RUBENS (145) vorgestellte eLearning-Label, dessen Grundlagen gemeinsam von Studierenden, Lehrenden und RUBeL erarbeitet wurden. Überhaupt ist das Besondere des eLearnings an der RUB, dass es zu einem großen Teil von den Studierenden mitgetragen und gestaltet wird (siehe das nebenstehende Interview).
Vor zehn Jahren konnte von all dem noch keine Rede sein. Es gab allerdings erste Wünsche von Lehrenden, ihre Veranstaltungen auch webgestützt anzubieten. Das damalige Rektorat unterstützte diese Ideen und kaufte die gängige Online-Lernplattform Blackboard (Version 5.0); sie wurde im Herbst 2000 auf dem RUB-Webserver installiert. Zu den Pionieren beim Einsatz von Blackboard gehörten beispielsweise die evangelischen Theologen mit einem Seminar zur Bibelkunde, sowie Kurse zur Weiterbildung in der Lehre.
Ein Jahr später liefen bereits über 120 Kurse auf Blackboard. Der Prozess wurde damals noch von verschiedenen zentralen Einrichtungen der RUB begleitetet: Das Rechenzentrum (RZ) arbeitete an den Schnittstellen und ordnete die Kurse in Kataloge, das Multimedia Support Zentrum (MSZ) half bei der multimedialen Aufbereitung von Inhalten und das Weiterbildungszentrum (WBZ) qualifizierte Lehrende und führte mediendidaktische Beratungen durch.
2004 gab es dann ein einschneidendes Treffen von MSZ, RZ, Universitätsbibliothek und WBZ mit der (damaligen) Prorektorin für Lehre, Weiterbildung und Medien, Prof. Dr. Notburga Ott. Angestoßen wurde dabei die Gründung von RUBeL, dem zentralen eLearning-Verbund der RUB, der die Aufgaben der einzelnen Einrichtungen übernahm. RUBeL entwickelt seitdem erfolgreich Projekte zum Ausbau der Infrastruktur und zur weiteren Umsetzung webgestützter Lehre und Weiterbildung; 2005 wurde zusätzlich die „Stabsstelle des Rektorats eLearning” eingerichtet.
Von 120 auf 1.735
Derweil lief und läuft die Erfolgsgeschichte von Blackboard weiter: Im WS 05/06 gab es an der RUB bereits über 500 Kurse mit webgestützter Lehre. Zwei Jahre später waren es erstmals über 1.000. Im letzten Sommersemester waren es dann genau 1.735. Heute wird neben Blackboard (mittlerweile in der Version 9.1) zusätzlich in einer Testphase die Lernplattform Moodle angeboten. Und mittlerweile hat RUBeL über das Projekt „Look@RUB” sogar schon künftige Studierende im Visier. Die Akzeptanz von eLearning ist in allen Gruppen groß, Veranstaltungsaufzeichnungen durch das RUBcast-Team etablieren sich genauso zunehmend wie die gezielte Verzahnung von Online- und Präsenzphasen im Blended Learning oder das kollegiale Miteinander von studentischen eTutoren und Dozenten. Das alles ist natürlich auch ein Grund zum Feiern, exakt zehn Jahre nach der ersten Installation von Blackboard auf einem Webserver der RUB: Das zehnjährige eLearning-Jubiläum wird am 18. November im Veranstaltungszentrum der Ruhr-Uni gefeiert. Beispielsweise lässt das RUBeL-Team die ersten zehn Jahre eLearning an der RUB Revue passieren und zeigt Perspektiven für die Zukunft auf. Rektor Prof. Elmar Weiler spricht ein Grußwort und Lehre-Prorektorin Prof. Uta Wilkens ehrt eine Uniangehörige für ihr besonderes Engagement im eLearning.
„e” wie engagierte Studierende
Interview mit RUBeL-Leiter Holger Hansen
Der Diplompädagoge Holger Hansen gehört zum Ursprungsteam von RUBeL. Heute leitet er sowohl das Team als auch – zusammen mit der Diplompädagogin Simone Henze – die Stabsstelle eLearning. Mit ihm sprach Arne Dessaul über die zunehmende Bedeutung der webgestützten Lehre an der RUB.
RUBENS: Herr Hansen, können Sie kurz die Bedeutung von eLearning für die RUB skizzieren?
Holger Hansen: Quantitativ betrachtet nimmt die Bedeutung zu: Bei den Kursen, die Blackboard einsetzen, haben wir in jedem Semester Zuwächse. Da hätte man eine gewisse Sättigung erwarten können, aber die ist nicht in Sicht. Denn zu den über 1.700 Online-Kursen auf der Lernplattform Blackboard kommen ja noch die rund 100 Kurse auf der neuen Plattform Moodle hinzu. Gestiegen ist auch die Nachfrage einzelner eLearning-Projekte wie der Vorlesungsaufzeichnung RUBcast oder dem eTutoring, wo wir Lehrende und Studierende technisch und didaktisch schulen.
Aber auch die Qualität von eLearning an der RUB steigt insgesamt. Früher stellte ein Dozent einfach nur ein paar PDF-Dateien auf die Lernplattform. Heute geht das viel tiefer mit Kommunikation zwischen Studierenden und Lernenden, mit Lehr-Lern-Prozessen, auch mit Wikis und anderen Web2.0-Komponenten. Ich denke, dass man die gestiegene Bedeutung des eLearning gut an den eTeams verdeutlichen kann, also den studentischen eTutoren, die im Team mehrere Dozenten einer Fakultät oder sogar die ganze Fakultät beim eLearning unterstützen. Erst seit einem Semester setzen wir eTeams bei den Maschinenbauern, den Geowissenschaften und in der Philologie ein. Im Maschinenbau wurde beispielsweise zuvor weitgehend auf eLearning verzichtet – seit der Unterstützung durch das eTeam finden sich hier immer wieder neue Szenarien, bei denen der Einsatz von eLearning sinnvoll ist. Übrigens ist seit dem laufenden Semester eine weiteres eTeam an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften am Start.
RUBENS: Wie steht die RUB im Vergleich zu anderen deutschen Hochschulen dar?
Holger Hansen: Sie gehört zu den führenden Hochschulen. Die Leute – egal ob Studierende, Lehrende oder in der Verwaltung – sind hier allerdings auch sehr offen für Neues. Auch dafür, dass Studierende in allen Bereichen eng einbezogen sind, was zugleich das Besondere an der RUB ist: Im eLearning bauen sie Projekte auf, sind als eTutor oder im eTeam engagiert und beraten Professoren; sie zeichnen Veranstaltungen auf und entscheiden im Wettbewerb 5 x 5000 über die Verwendung von finanziellen Mitteln zur Förderung von eLearning. Vor allem das eTutoring dient anderen deutschen Hochschulen als Vorbild. Wir haben regelmäßig Anfragen anderer Unis, warum das bei uns so erfolgreich ist.
Kleine Impulse
RUBENS: Gibt es denn noch Lücken auf dem Campus, z. B. Fachbereiche, die sich schwer tun, eLearning einzuführen?
Holger Hansen: Ja, durchaus. Aber das oben genannte Beispiel der Maschinenbauer zeigt, dass es bisweilen nur kleiner Impulse bedarf, um das Interesse für webgestützte Ergänzungen zur Präsenzlehre zu wecken. Es ist allerdings auch nicht das Ziel, dass in allen Lehrveranstaltungen eLearning genutzt wird. Wenn es didaktisch nicht sinnvoll erscheint, raten wir auch schon mal von der Nutzung eines eLearning-Tools ab.
RUBENS: Welche Ziele haben Sie für die nächsten Jahre?
Holger Hansen: Drei Punkte fallen mir da ein: Zum einen könnten bestimmte Angebote von uns noch mehr in der Breite genutzt werden. Zum Beispiel RUBcast. Das ist zugleich ein konkreter Wunsch der Studierenden, den sie häufig in Evaluationen äußern. Hier gibt es auch gute Möglichkeiten für den mobilen Einsatz, da viele Studierende über iPhones oder andere Smartphones verfügen. Zweitens könnte noch mehr Lehre von Studierenden produziert werden. Mit Hilfe von Wikis oder Blogs gestalten sie aktiv digitale Lehrinhalte, bereiten sie auf und stellen sie anderen Studierenden zur Verfügung. Ein dritter Punkt ist die bessere Vernetzung zwischen Lehrenden und Studierenden sowie innerhalb beider Gruppen.
ad, Foto: Christine Bartsch | Themenübersicht

