RUBENS Nr. 145 - 1. Oktober 2010
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Versteckte Kunst im Park

Serie Situation Kunst


Fernab des Campus‘ ist das Universitätsleben noch lange nicht vorbei, denn direkt beim Haus Weitmar befindet sich ein weiterer Teil der Kunstsammlungen der RUB. Situation Kunst (für Max Imdahl) und der neue KUBUS liegen in einem Landschaftspark mit schönem, altem Baumbestand, der Anfang des Sommersemesters 2010 um gleich drei Kunstwerke reicher geworden ist.

Dabei handelt es sich um Arbeiten von Künstlern, die bereits in beiden Teilen der Kunstsammlungen der RUB – Campusmuseum und Situation Kunst – vertreten sind. Die meisten der mittlerweile 14 Objekte, die aus dem (Dauerleihgaben-) Bestand der Stiftung Situation Kunst stammen, sind so in den Park integriert, dass sie nicht sofort ins Auge fallen. Seit aber François Morellets Skulptur „Concrete Erection” seinen Platz an der Hauptwegesachse gefunden hat, gehen die Besucher viel aufmerksamer durch den Park und stellen uns, den in Situation Kunst arbeitenden Kunstgeschichtsstudenten, interessiert Fragen zu den Werken. Morellets Skulptur sticht mit ihrer diagonal aufsteigenden Form aus der Umgebung heraus. Sie besteht aus Beton (vier Teile), während die übrigen Skulpturen aus Stahl und/oder Naturstein gefertigt sind. Aus Stahl ist der 2006 entstandene „Blocco-Cubo” von Giuseppe Spagnulo, der rechts neben dem Haupteingang des KUBUS steht. Links vom Gebäude wurde eine Stahlkonstruktion von David Rabinowitch platziert.
François Morellet ist bereits in der Dauerausstellung von Situation Kunst mit seiner Arbeit „Neon by accident (16 arcs de cercle)” aus dem Jahre 2003 vertreten, wo er einen speziell für ihn zugeschnittenen Raum mit Leuchtstoffröhren gestaltete. Beim Projekt „Concrete Erection”, das zur Eröffnung des KUBUS im Mai 2010 entstand, realisiert er an einem der Eckpunkte im Schlosspark die Vision eines hochgeklappten Bordsteins. Die Skulptur greift die vorgefundene Wegmarkierung durch Randsteine auf und setzt sich zugleich von dieser Ordnung ab. Die in den Boden eingelassenen Elemente fügen sich in die Wegkreuzung ein, als seien sie ganz normale Bordsteine, wie man sie von öffentlichen Straßen kennt, eine alltägliche Sehgewohnheit. Die hochgeklappte Spitze fällt aus dem Schema der alltäglichen Sicht heraus und bildet so einen Blickfang.

Demnächst mit Flyer

Giuseppe Spagnulos Werk funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip wie seine schon länger im Park platzierte Plastik „Ferro Spezzato Diagonale”. Spagnulo bearbeitet die geometrische Grundform jeweils so lange mit einem Schweißbrenner, bis aus ihr zwei neue Formen entstehen. Dadurch wird bei genauerer Betrachtung sichtbar, in welche Richtung geschnitten wurde bzw. wie tief und wie lang der Schnitt ist. Beim Umschreiten von „Blocco-Cubo” wird der Titel der Plastik schnell ersichtlich. Der Stahlwürfel wird durch einen Einschnitt zu zwei Prismen mit dreieckigem Grundriss, also in seiner geometrischen Form aufgespalten, behält aber die Grundform eines Würfels bei. Gleich im Hintergrund ist das KUBUS-Gebäude zu sehen, das formal mit der Plastik korrespondiert.
David Rabinowitchs mehrteilige Bodenplastik zeichnet sich durch erstaunlich komplexe Konstellationen aus. Die wechselnde Perspektive des Betrachters ist dabei entscheidend. Das Auge versucht im ersten Moment, eine sinnvolle Figur aus den einzelnen Formen zu bilden, gelangt aber letztendlich zu keinem eindeutigen Ergebnis. Ergänzend zu seinem Raum „Tyndale-Sculpture (for Bud Powell and Coleman Hawkins)” aus den Jahren 1986-88, in der Dauerausstellung von Situation Kunst wirken bei „Metrical (Romanesque) Constructions in 5 Masses and 2 Scales VIII” (1979) die einzelnen Formen einerseits für sich allein und andererseits auch im unmittelbaren Bezug zueinander. Dies wird durch die strengen, geraden Außenkanten deutlich, die die Skulptur zusammenhalten. Das Innere der Formation wird mit kleinteiligeren Elementen und Bohrlöchern wieder aufgelockert. Die klaren geometrischen und massig wirkenden Körper sind zudem Anknüpfungspunkte zur romanischen Architektur, mit der sich der Künstler beschäftigt hat.
Aktuell erarbeiten wir in unserem Praktikum einen Flyer zu allen im Park befindlichen Skulpturen, der die Besucher an die Kunstwerke heranführen und Impulse geben soll, sich mit ihnen zu beschäftigen. Ein Spaziergang lohnt sich!
Infos: http://www.situation-kunst.de

Jennifer Reffelmann und Glenda Mense, Foto: Situation Kunst | Themenübersicht