AB Und ZU ein wenig Luft
RUB-Verwaltung verbessert Schreiben aus dem Berufsalltag
Die Köpfe rauchen im kleinen Seminarraum im IB, wo sechs Mitarbeiter/innen der RUB-Verwaltung für zwei Tage in Klausur gegangen sind. Mit vereinten Kräften kämpfen sie gegen Unverständliches, Verklausuliertes, Unübersichtliches. „Die Zeit vergeht wie im Flug“, staunt Renate Ebeling vom Dezernat 5. Gemeinsam mit Sprach-Profi Michaela Blaha vom Internet-Dienst für eine moderne Amtssprache IDEMA überarbeiten die sechs Beschäftigten Schreiben aus ihrem Berufsalltag. Die Schulung ist Teil einer Kooperation zwischen RUB und IDEMA.
Renate Ebeling hat ein Schreiben zur „Nutzungseinschränkung von Ab- und Zuluftanlagen“ mitgebracht. „Das ist ja sehr technisch …“, sagt sie. Nach einem Schnellkurs und einigen Übungen mit einzelnen Textpassagen am ersten Tag überarbeiten die Teilnehmer die Texte am zweiten Tag paarweise und in der Gruppe. „Die anderen, die mit dem Thema nichts zu tun haben, haben das Schreiben gar nicht verstanden“, erzählt Renate Ebeling. Den Austausch mit Vertretern ganz anderer Bereiche fanden alle wertvoll. Er hilft, den nötigen Abstand zum eigenen Text zu gewinnen und ihn mit anderen Augen zu sehen. „Der wichtigste Tipp, den ich mitnehme, ist, jemanden gegenlesen zu lassen, der keine Ahnung davon hat“, sagt Daniela Mücher vom Studienbeitrags-Service im Dezernat 2. Sie hat Überprüfungs- und Ablehnungsbescheide für Anträge auf Studienbeitragsbefreiung mitgebracht und im Gespräch mit den anderen Teilnehmern festgestellt: Man kann einen Brief auch völlig anders interpretieren. „Herausstellen, was das Wichtigste ist, worauf das Augenmerk gelenkt werden soll“, merkt sich daher Renate Ebeling vor allem. „Das geht im alltäglichen Automatismus manchmal unter.“
Lernendes Online-Wörterbuch
Mit ihrem Brief zur Nutzungseinschränkung ist sie inzwischen sehr zufrieden – wobei er natürlich noch mit dem zuständigen Ingenieur abgestimmt werden muss. Sorgen um die Akzeptanz der Arbeit machen sich die Teilnehmer aber nicht. „Ich finde das sehr wichtig und ich glaube, dass es bei den Kollegen auf Interesse stößt“, schätzt Peter Kardell vom Studierendensekretariat. Das Sekretariat und das International Office haben schon je ein Bündel ihrer Standardschreiben ans IDEMA-Team geschickt, das dort professionell überarbeitet wird. „Die Hochschulleitung unterstützt diese Kooperation sehr nachdrücklich“, sagt Ute Berbuir von der Stabsstelle Organisation - Entwicklung - Beratung (OEB), die die Zusammenarbeit mit IDEMA koordiniert. Schließlich sollen sich die Mitglieder der „universitas“ untereinander und mit anderen gut verstehen.
Die Teilnehmer des Pilotkurses werden in der zweiten Tageshälfte noch zwei weitere Texte überarbeiten. Wenn sie, zurück im Büro, auf schwierige Formulierungen stoßen, können sie die IDEMA-Datenbank konsultieren. Darin haben die Sprachprofis über Jahre hinweg Sätze und Textmodule in ursprünglicher und überarbeiteter Form gesammelt, so dass eine Art lernendes Online-Wörterbuch entstanden ist. Seine Nutzung gehört zur Rahmenvereinbarung zwischen RUB und IDEMA. Weitere Schulungen mit bis zu zehn Personen sind möglich, Interessenten können sich an Ute Berbuir wenden (Tel. -28942).
IDEMA
Der Internet-Dienst für eine moderne Amtssprache IDEMA ist aus einem Projekt am Germanistik-Lehrstuhl von Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Rüdiger Fluck entstanden. Seit zehn Jahren überarbeiten die Mitarbeiter – Sprachwissenschaftler, Verwaltungsexperten und Juristen – Schreiben von Behörden, Kommunen, Ministerin und Hochschulen. Sie sollen verständlich, höflich und übersichtlich sein, dabei natürlich sachlich korrekt und rechtlich einwandfrei. Zum Angebot gehören außerdem Mitarbeiterschulungen und Online-Datenbanken. Infos: http://www.moderne-amtssprache.de/
md, Foto: Nelle | Themenübersicht

