RUBENS Nr. 145 - 1. Oktober 2010
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Eigenbedarf für alle

Rookai – das geschlossene, soziale Campusnetzwerk


Schon kurz nach dem Start im Sommer stößt das soziale Netzwerk Rookai der RUB auch außerhalb des Campus auf Interesse. Von Studenten für Studenten konzipiert, bietet Rookai viele Vorteile und den beiden „Erfindern“ die Möglichkeit, ein eigenes Unternehmen zu gründen.

Es verbindet das Beste aus StudiVZ, Youtube und Facebook, Wer kennt wen, ICQ und Blackboard: Rookai, das noch junge Netzwerk der Ruhr-Universität. Im Juli 2010 gestartet, nutzen inzwischen mehr als 250 Studierende und Mitarbeiter der RUB die Gemeinschaftsplattform im Netz. Etwa 1.000 sollen es bis Ende des Jahres werden, langfristig peilen die Entwickler rund 15 Prozent aller Uniangehörigen als Nutzer an.
Kai Piontek (22) und Benjamin Meis (23) – beide studieren Angewandte Informatik im sechsten Semester – begannen unmittelbar nach Start ihres Studiums, Rookai zu entwickeln. „Aus eigenem Bedarf“, erklärt Piontek. „Wir mussten feststellen, dass es das, was wir für die Zusammenarbeit im Studium brauchen, einfach nicht gibt. „Die Mitschrift der letzten Vorlesung musste man sich per E-Mail schicken, zur Mensa verabredeten sich beide über ICQ oder andere Chatprogramme, ein lustiges Video für den Kumpel gab es bei Facebook zu sehen – und so weiter. Ständiger Programm- und Anwendungswechsel.
Das sollte sich ändern, und so schauten sich die beiden Studenten erst einmal gründlich um, ob sie in den Weiten des Internets und bei Unternehmen oder Behörden etwas Vergleichbares fanden, um das Rad nicht neu zu erfinden. Fehlanzeige. Rookai ist tatsächlich „neu“ und verknüpft alle Vorteile des sog. Web 2.0 in einem System. „Es ist ein geschlossenes soziales Netzwerk, auf die Ruhr-Uni beschränkt“, erklärt Benjamin Meis. Das hat Vorteile, zum Beispiel wird Missbrauch durch Außenstehende erschwert. Sicherheit ist bei Rookai ein wichtiges Thema, so wurde das System nach Abschluss der Entwicklung auch durch IT-Sicherheitsexperten auf mögliche Schwachstellen getestet.

Die Rookai Objekte

Die Nutzer können, ähnlich wie bei „Wer kennt wen“, Kommilitonen suchen, das System macht aber anhand von Studiengängen auch Freundschaftsvorschläge. Das Besondere an Rookai sind jedoch die „Rookai Objekte“: Lassen sich bei MySpace oder Facebook allenfalls Bilder oder Videos hochladen und Freunden zugänglich machen, so können zwei oder mehrere Nutzer über gemeinsame Rookai Objekte alles Mögliche tauschen und zusammen bearbeiten. Hier lassen sich Vorlesungsskripte abgelegen, hier kann man das nächste Referat vorbereiten oder eine Hausarbeit schreiben. Zugriff haben nur die Nutzer, denen man selbst die jeweiligen Objekte freigibt. Eine Chatfunktion rundet das Programm ab.
Macht Rookai damit auch „Blackboard“ Konkurrenz, dem virtuellen schwarzen Brett der RUB als E-Learning-Plattform? „Nein“, sagt Kai Piontek“, „aber es soll Blackboard ergänzen. Blackboard funktioniert nach dem Top-Down-Prinzip: Hier stellen Dozenten Lehrmaterialien für Studenten bereit. Rookai hingegen erleichtert die Zusammenarbeit der Studierenden – und es enthält Funktionen wie den Datenaustausch, Chat oder Mensaplan, die auch für Wissenschaftler und andere Mitarbeiter der Uni interessant sind.“ So nutzt das Alumni-Büro der RUB Rookai, um das Alumni-Netzwerk unter heutigen Studierenden bekannt zu machen.

Transfer geplant

Über das Stadium des Selbstzwecks und Eigenbedarfs für zwei RUB-Studenten wuchs Rookai indes schnell hinaus. Schon 2008 nahmen Piontek und Meis mit ihrer Idee am Businessplanwettbewerb der Bochumer Hochschulen teil und belegten (nach eigener Auskunft) „überraschend Platz drei“. Die Transfergesellschaft rubitec fördert seitdem die Weiterentwicklung des Systems und die beiden Studenten auf dem Weg zum eigenen Unternehmen. „Die Unternehmensgründung ist für das erste oder zweite Quartal 2011 geplant“, sagt rubitec-Geschäftsführer Dr. Karl Grosse. Und kaum gestartet, haben im vergangenen Sommer bereits zwei Fachhochschulen aus NRW sowie eine große, bundesweite Forschungseinrichtung ihr Interesse an Rookai bekundet und testen das System. Überhaupt sei die Resonanz bisher „sehr positiv“, betonen Piontek und Meis. Sie werden in Zukunft das System für Kunden individuell konfigurieren, vor Ort installieren und bieten dann Schulungen, Support und Wartung an – nicht nur für Hochschulen, denn Rookai eignet sich genauso gut für Unternehmen, Ämter oder andere Institutionen. Auch wenn die Unternehmensgründung glückt, werden die beiden Erfinder nach dem gerade erfolgten Bachelor-Abschluss weiter studieren und ihren Master in Angewandter Informatik machen – und dabei weiter fleißig Rookai nutzen.
Infos: https://www.rookai-rub.de/system/

jw, Foto: Steffen | Themenübersicht