RUBENS Nr. 145 - 1. Oktober 2010
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Über 100 Lichter für RUHR.2010

Sammlung Moderne präsentiert eine Porträtserie von Mischa Kuball


Viele Monate lang ist der Düsseldorfer Künstler Mischa Kuball zusammen mit dem Fotografen Egbert Trogemann durch das Ruhrgebiet gefahren und hat Menschen in ihren Wohnungen besucht, mit ihnen gesprochen, sie fotografiert, gefilmt und ihnen eine Lampe geschenkt. 108 Menschen sind es geworden, jeder von ihnen hat seine Wurzeln in einem anderen Land. Und: Jeder hat irgendetwas mit der RUB zu tun. Deshalb hat Kuball eng mit der Uni zusammengearbeitet: Im International Office wurden die Menschen fürs Projekt gesucht und gefunden. In den Kunstsammlungen (Sammlung Moderne) werden die Porträts in der Ausstellung „New Pott. 100 Lichter/100 Gesichter“ ab Ende Oktober gezeigt.

Kuball will die soziale und historisch gewachsene Bandbreite des Ruhrgebiets einfangen, die stets von Migration geprägt war und ist. Exemplarisch für diesen Prozess steht die Ruhr-Uni, deren Mitglieder und Familien aus 108 Nationen stammen, wie das International Office herausgefunden hat. Kuball hat aus jeder dieser Nationen einen Menschen besucht, fotografiert und vor laufender Kamera mit ihnen über ihr Leben gesprochen. Und er hat ihnen Licht gebracht – im Tausch gegen ihre Lebensgeschichte. Daraus resultiert auch der Titel von Projekt und Ausstellung: „New Pott. 100 Lichter/100 Gesichter“.

Partizipatorisch

Rund 100 Besuche, das bedeutet zugleich rund 100 Erfahrungen mit ganz verschiedenen Menschen, die alle ihre eigene Art haben, sich mit ihrem Privaten in der Öffentlichkeit zu zeigen. Zugleich aber waren die unterschiedlich hohen Hemmschwellen schon Teil der kulturellen Identität und womöglich auch des Grades der Integration in Deutschland. „Es geht uns aber nicht darum, mit unserem Projekt irgendein Idealbild für Integration zu zeigen. Es geht stattdessen um die Vielfalt der Lebensgeschichten, die natürlich wiederum exemplarisch für die unterschiedlichen Arten von Integration stehen“, erklärt Mischa Kuball, der immer wieder den partizipatorischen Gedanken seines Projektes hervorhebt: Es lebt von der Teilnahme der porträtierten Menschen.
Die Besucher der Ausstellung im Campusmuseum können aber nicht nur die Fotos betrachten, sie können zudem am Computer in ein digitales Archiv gelangen, wo die Filme zu den Porträtierten aufrufbar sind. Hier erkennt man schnell, wie gut es Kuball gelingt, mit seinem jeweiligen Gegenüber ins Gespräch zu kommen. Er hat kein festes Interviewkonzept, er stellt meist eine ähnliche Einstiegsfrage und geht dann einfach spontan auf das ein, was ihm erzählt wird. Die einzige Konstante ist das mitgebrachte Licht, das später sowohl auf dem Bild als auch im Film zu sehen ist. Im Film kommen Kuballs Fragen aus dem Off. Man sieht immer nur, ganz ähnlich wie bei den Fotos, den Interviewten auf Stuhl oder Sofa sitzen, daneben die Stehlampe, die als Geschenk in der Wohnung bleibt.
Wer vorab einen Eindruck bekommen möchte, findet die Filme schon jetzt im Internet. Unter http://www.2010lab.tv/video/100-lichter-100-gesichter-josef-könig sieht man z.B. das Gespräch mit dem Pressestellenleiter Dr. Josef König, der in Brasilien aufgewachsen ist.

Infos: „New Pott. 100 Lichter/100 Gesichter“, Ausstellung der RUHR.2010-Reihe „Mapping the Region“ der RUHR KUNST MUSEEN, 28.10.2010-30.4.2011, Kunstsammlungen der RUB (Sammlung Moderne); Di-Fr 11-17 h, Sa/So 11-18 h, Eintritt frei. http://www.kusa-rub-moderne.de

ad, Foto: Egbert Trogemann | Themenübersicht