RUBENS Nr. 144 - 1. Juli 2010
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GEGEN DEN GRÜNEN STAR

Bauingenieur Rafel Grytz erhÄlt Forschungspreis von Research School und GdF

Computersimulationen, die helfen, die Ursache für das Glaukom zu finden – mit dieser Idee wagte sich der Bauingenieur Dr. Rafael Grytz vom RUB-Institut für Konstruktiven Ingenieurbau auf medizinisches Terrain. Für seine Doktorarbeit, die das Prädikat „mit Auszeichnung“ erhielt, wurde er jetzt von der Research School der Ruhr-Uni und der Gesellschaft der Freunde der RUB mit dem Preis der „Gesellschaft der Freunde der Ruhr-Universität Bochum (GdF) für hervorragende interdisziplinäre Dissertationen“ ausgezeichnet. Der Preis ist mit 4.000 Euro dotiert und wurde zum ersten Mal verliehen.

Die von Rafael Grytz entwickelten Computersimulationen können die biomechanische Beanspruchung der Gewebestrukturen des Auges auf unterschiedlichen Längenskalen wirklichkeitsnah darstellen. Das ist notwendig, um die Mechanismen zu verstehen, die ein Glaukom entstehen lassen, bei dem Sehnervenzellen zugrunde gehen, so dass das Gesichtsfeld des Patienten schrumpft. Charakteristischerweise ist die Krankheit mit einem erhöhten Augeninnendruck verbunden – die genauen Zusammenhänge waren bisher aber unklar. Grytz‘ Ansatz erlaubt es erstmals, auch die mechanische Beanspruchung der Mikro-Strukturen (einzelne Nervenzellen und Kollagenfasern rund um die Lamina cribrosa) und der Meso-Ebene (Geflecht von Kollagenfasern) zu betrachten, um z.B. einen Zusammenhang zwischen einem überhöhten Augeninnendruck und der Schädigung der Nervenfasern zu verstehen.

Nun in Portland

Rafael Grytz, der für den Preis von der Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwissenschaften der RUB nominiert wurde, forscht inzwischen in Portland, USA. „Dort bin ich Teil eines sehr interdisziplinären Teams aus Medizinern, Biologen und Ingenieuren“, erzählt er. „Der große Vorteil ist, dass ich nun auch selbst Experimente machen kann.“ Als Ingenieur sei man noch immer ein Exot auf diesem medizinischen Gebiet. Das schwierigste sei, Ärzte von der Sinnhaftigkeit des Einsatzes von Ingenieurmethoden zu überzeugen. Wo es ihn später einmal hin verschlagen wird, weiß er heute noch nicht. „Ich würde sehr gern später einmal wieder an der RUB arbeiten, wenn man mir ein attraktives Angebot macht“, meint er. Das Preisgeld kommt dem Familienvater sehr gelegen. „Außerdem hat man mir den Flug nach Deutschland bezahlt und ich habe Verwandte besuchen können – das ist eigentlich schon Preis genug!“
Mit dem GdF-Preis wird die Arbeit von Nachwuchswissenschaftlern ausgezeichnet, deren Dissertation einen Beitrag zur fachübergreifenden Forschung leistet. Wichtigstes Auswahlkriterium ist die interdisziplinäre Forschung der Dissertation. Neben der Abschlussnote „summa cum laude“ bzw. „mit Auszeichnung“ werden die Promotionszeit, die Veröffentlichungen der Kandidatin bzw. des Kandidaten sowie die wissenschaftlichen Preise als Beurteilungskriterien berücksichtigt.

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