RUBENS Nr. 144 - 1. Juli 2010
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Der Himmel durchs LOFAR

KÖnigin BEATRIX WEIHT Radioteleskop Ein


Mitte Juni wurde das Radioteleskop LOFAR (LOw Frequency ARray) durch die niederländische Königin Beatrix eingeweiht. Fortan können es Astronomen aus ganz Europa nutzen und von Exloo aus in den Himmel schauen, um u.a. folgende Fragen zu beantworten: Wie sind die Magnetfelder im Universum entstanden und welche Wirkung haben sie auf die Entwicklung von Galaxien? Eine entsprechende Forschergruppe hatte die Deutsche Forschungsgemeinschaft Anfang 2010 einrichtet (Förderung: 1,9 Mio Euro). Unter Federführung der Uni Bonn sind Forscher der RUB, der Uni Bremen, der LMU München, des Astrophysikalischen Instituts Potsdam, der Thüringer Landessternwarte sowie der Max-Planck-Institute für Astrophysik in Garching und für Radioastronomie in Bonn beteiligt.
Sowohl das Gas zwischen den Sternen einer Galaxie als auch das Medium zwischen den Galaxien sind magnetisiert. Bis heute weiß niemand, wie diese Magnetfelder entstanden sind und welche Wirkung sie auf die Entwicklung von Galaxien haben. Die Forscher erhoffen sich nun von der Radioastronomie Antworten. LOFAR ist gewissermaßen das erste digitale Teleskop der Welt, es benötigt keine beweglichen Teile und Motoren. Das „Teleskop” besteht aus einer großen Zahl von Antennen, die fest am Boden montiert sind. Sie sind über ganz Europa verteilt, mit dem Zentrum in Exloo im Osten der Niederlande. Ein zentraler Supercomputer in Groningen kombiniert ihre Signale.
LOFAR soll die sog. Synchrotron-Strahlung von Elektronen nachweisen, die sich nahezu lichtschnell auf engen Kreisbahnen in Magnetfeldern bewegen. Ihre Energie beziehen die Elektronen aus Stoßwellen, die bei Supernova-Explosionen oder bei der Kollision von Galaxien oder Galaxienhaufen entstehen. „Mit Hilfe der Synchrotron-Strahlung können wir die schwachen Magnetfelder in unserer Milchstraße und in fernen Galaxien nachweisen”, erläutert Prof. Dr. Ralf-Jürgen Dettmar, der die Projekte am Astronomischen Institut der RUB leitet. Als Vorsitzender des German Long Wavelength Konsortiums, das die deutschen Interessen vertritt, durfte er im Juni in Anwesenheit der Königin und im Rahmen der Einweihungsfeierlichkeiten ein Memorandum of Understanding der internationalen Partner (Niederlande, Deutschland, Frankreich, Schweden, Großbritannien) unterschreiben.

md/ad, Foto: Hans Hordiijk | Themenübersicht