RUBENS Nr. 144 - 1. Juli 2010
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Science and the City

RUHR.2010: Die RUB beim Wissenschaftstag in Bochum

Das Kulturhauptstadtjahr läuft auf Hochtouren, auch an der Ruhr-Uni. Im Juli kommt der Höhepunkt, bei dem die Uni ihren wohl größten Trumpf ausspielen kann: die Forschung. In der „Local-Hero-Woche“ verwandelt sich Bochum in eine „UniverCity“. Zusammen mit den anderen Hochschulen der Stadt bringen Wissenschaftler der RUB am 13. Juli (10-18 h) ihre aktuellen Projekte direkt zu den Menschen und animieren sie zum Mitmachen. In Geschäften, an Orten des öffentlichen Lebens und unter freiem Himmel präsentieren sie in fünf Projekten anschaulich Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit.

Kleinste Praline

Bei Projekt 1 geht es um eine außergewöhnliche Konfiserie-Methode. Die Besucher im Fraunhofer-Truck am Bergbau-Museum werden Zeugen beim Versuch, „die kleinste Praline der Welt” herzustellen. Dabei geht es hinunter auf die Mikroebene, wo selbst der Millimeter ein Riese ist. Während die herkömmliche Pralinenherstellung genüsslich beobachtet werden kann, können die Künste der Bochumer Verfahrenstechniker nur mit einer High-Speed-Kamera verfolgt werden. Was bei diesem Verfahren im Detail passiert, ist noch nicht vollständig bekannt. Doch der Lehrstuhl für Verfahrenstechnische Transportprozesse (Fakultät für Maschinenbau der RUB) erforscht die Vorgänge mit Hochdruck. Zwischendurch lassen sie es sich gerne mal schmecken – und laden zum Probieren ein. Geschmacklich gibt’s keine Unterschiede zwischen großen und kleinsten Pralinen!

Spitzensport

Projekt Nr. 2 („Was sehen die, was ich nicht sehe?“) gewährt Einblicke in die wissenschaftliche Betreuung von Spitzensportlern. Es wurde am Lehrstuhl für Sportmedizin und Sporternährung entwickelt. Die Besucher machen aktiv mit, auf einem Parcours erfahren sie, wie sich das Sehen und die Leistungsfähigkeit des Körpers bedingen können (Gleichgewicht, Auge-Hand-Koordination). Neuste Forschungsergebnisse, wie Farben das Sehen beeinflussen, finden spielerisch Eingang. Die Stationen des Parcours sind auch aus der langjährigen Betreuung von Sportlern wie dem vielfachen Tischtennis-Europameister Timo Boll abgeleitet. Die Betreuung von Spitzensportlern in wissenschaftlichen Projekten – gefördert u.a. vom Deutschen Olympischen Sportbund – ist ein Schwerpunkt des Lehrstuhls. Die visuelle Leistungsdiagnostik ist sogar ein echtes Bochumer Spezifikum, sie ist bundesweit einmalig.

Alltagsplasma

Der Titel von Projekt 3 lautet „Vom Fernsehabend ins Krankenhaus“ und zeigt Beispiele aus der Plasmatechnologie. Entwickelt wurde es am CPST, dem Center for Plasma Science and Technology (Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik). Auch hier machen die Gäste mit; sie erfahren, dass die Plasmatechnologie aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken ist. Ein Parcours führt aus der Vergangenheit in die Zukunft. Der Plasma-Fernseher dient als Einstieg in die Materie. Dass Cola in einer einmal geöffneten PET-Flasche über Nacht schal schmeckt, dürfen alle Interessierten nachvollziehen und die Lösung des Problems dank Plasma-Technologie bestaunen. Einen Blick in die Zukunft bietet die Wundbehandlung der menschlichen Haut mittels Plasma-Technologie.

Blinde Nase

Prof. Hanns Hatt ist einer der weltweit führenden Riechforscher. Zusammen mit seinem Team vom Lehrstuhl für Zellphysiologie zeigt er den Besuchern des Wissenschaftstages etwas Spannendes zum Thema Wahrnehmung und Wirkung von Düften: Das ist zugleich Projekt 4, „Ist meine Nase blind?“ Beim Geruchstest erfahren die Gäste, was ihre Nase leisten kann. Sie erleben zudem, wie leicht sie sich manipulieren lässt, wenn einzelne Düfte plötzlich andere Düfte sozusagen ausschalten. Aber auch ohne Manipulation ist unser Geruchssinn immer wieder für Überraschungen gut. Ein Blick in die Forschung zeigt: Für bestimmte Düfte sind wir oft schlicht und ergreifend „blind“.

Moderne Rauchzeichen

Projekt 5 befasst sich mit der optischen Nachrichtenübertragung des Internets. Die kann man als „Moderne Rauchzeichen“ bezeichnen, wie es der Lehrstuhl für Photonik und Terahertztechnologie (Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik) tut. Es handelt sich erneut um ein typisches Mitmach-Projekt. Wer mitmacht, erfährt, was das Internet mit der Nachrichtenübermittlung unserer Vorfahren gemein hat. Früher waren es Rauchzeichen, heute sind es Laserdioden und Glasfasern, über die wir Nachrichten optisch übertragen. Anhand kleiner Experimente erfahren die Besucher, wie Licht als Nachrichtenübermittler fungiert und wie das Internet funktioniert.
Infos: http://www.bochum-2010.de/programm/wissenschaft/wissenschaftstag



MZ auf der Autobahn
Die Haupt-„Stau”-Ader im Ruhrgebiet für einen Tag ganz ohne Autos. Die Macher der Kulturhauptstadt ermöglichen diesen Traum am 18 Juli mit dem Projekt „Still-Leben Ruhrschnellweg/A40”. Von 11 bis 17 h wird die Strecke zwischen Dortmund und Duisburg in beide Richtungen gesperrt und für Besucher freigegeben. Auf der Fahrbahn in Richtung Duisburg werden auf knapp 60 km Tische aufgebaut: Dort wird die A40 zur Bühne der Alltagskultur: Unis, Schulen und Kindergärten, Vereine und Kirchengemeinden, Chöre und Blasorchester, katholische Pfadfinder und türkische Raver, das ganze pralle Leben, das sonst hinter den Lärmschutzwänden verborgen bleibt, erobert die Straße. Auf der Gegenrichtung von Duisburg nach Dortmund kann die Autobahn befahren werden mit allem was Räder, aber keinen Motor hat.
Auch die RUB ist mit Tischen vertreten. Neben dem Alumni-Büro (Treffpunkt für ehemalige und aktuelle RUB-Mitglieder, mit Gewinnspiel; an der Ausfahrt BO-Stadion), der Studienberatung und dem Zentrum für Fremdsprachenausbildung (jeweils Ausfahrt BO-Harpen) wird die RUB durch das Musische Zentrum vertreten. Es bietet den ganzen Tag über eine künstlerische Performance mit Elementen aus Bildender Kunst, Theater, Fotografie und Musik. Die Studiobühne zeigt Live-Acts und Lesungen, die Fotografen planen Fotoaktionen mit Sofortbild- und Lochkameras; Maler, Grafiker und Bildhauer überraschen mit Gesprächs-und Arbeitsperformences; Chor und Orchester erfreuen mit „Musikalischen Impressionen”.
Wer beim Spaziergang über die A40 am MZ-Tisch Kultur genießen oder auch nur mal verschnaufen will, hier der Standort: Ausgehend von der Auffahrt BO-Harpen vom Castroper Hellweg kommt man in Richtung Essen zu Block 81, km 10,7, Tisch 13. Infos: http://www.rub.de/mz bzw. http://www.ruhr2010.still-leben-ruhrschnellweg.de.

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