
BERLIN, BERLIN - WIR FAHREN ...
REZENSION: FEINDESLAND von OLiVER USCHMANN
Nach Bochum, Hohenlohe und diversen Autobahnraststätten verschlägt es „Hartmut und ich” nebst Freundinnen, Kater und Schildkröte nach Berlin. Wohnort Wedding und Firmensitz Pankow allerdings entpuppen sich schnell als „Feindesland” (zugleich Titel des fünften Bandes der Reihe aus der Feder des RUB-Absolventen Oliver Uschmann). Im Wedding regieren auf der Straße Jugendliche mit Einwanderungsgeschichte, gesteuert von der russischen Mafia. Gemeinsam terrorisieren sie die Nachbarschaft und erpressen ausgerechnet in Hartmuts Wohnblock eine zweite Miete. Wer dieses Schutzgeld nicht zahlt, muss um seine körperliche Unversehrtheit bangen. In Pankow mobilisiert sich der braune Mob, da Hartmut und ich dort eine Firma aufziehen, die zur Hälfte benachteiligte (u.a. ausländische) Mitarbeiter beschäftigt.
Dritter Feind ist die neue Regierung in Berlin. Die ist in Uschmanns überbordender Phantasie nicht schwarz-gelb, sondern schwarz-grün und fördert von den Parteien nur das Schlechteste zu Tage: Der Bürger wird mit vielen pseudo-ökologischen Steuern abgezockt und von A bis Z überwacht. Das Leben im Moloch ist schwer und hart. Zunächst versuchen sich Hartmut, ich und die beiden Frauen als Arbeitnehmer, drei von ihnen in einer Werbeagentur. Die Arbeit dort ist eigentlich ganz in Ordnung, wenn da die Sache mit der (meist fehlenden) Bezahlung nicht wäre. Man kennt das in der „Generation Praktikum”; Befristungen und Honorarverträge sind da auch keine echten Verbesserungen. Dabei brauchen die vier unbedingt Geld – sei es, um die Mafia zu bezahlen oder um aus Wedding wegzuziehen. Dass es die Schläger ernst meinen, bekommen Hartmut und ich häufig zu spüren.
Eine gute Alternative scheint eine Unternehmensgründung zu sein, zumal die Regierung bestimmte Ideen finanziell fördert. Sie müssen natürlich ökologisch wertvoll sein und man muss zur Hälfte Benachteiligte einstellen. Doch wie gesagt: Das rechtslastige Pankow, für das sich Hartmut und ich als Sitz ihrer innovativen Taxifirma entscheiden, ist nicht gerade die Gegend, wo Ausländer, Behinderte, Homosexuelle und Kommunisten erwünscht wären. Es kommt, wie es kommen muss: Rasch stehen Skinheads auf dem Hof. Zu ihrer Abwehr lassen sich Hartmut und ich allerhand martialische Maßnahmen einfallen. Das wiederum gefällt dem grünen Gründungsbüro ganz und gar nicht und gefährdet die Finanzspritzen.
Es scheint dennoch darauf hinauszulaufen, dass Hartmuts Ideen und sein Drang zum Widerstand gegen Straßengewalt und Politikerwahn obsiegen könnten. Doch am Ende entpuppt sich ausgerechnet eine seiner eigenen Ideen als gefährlicher Bumerang.
Info: Oliver Uschmann: „Feindesland. Hartmut und ich in Berlin”, Scherz, Frankfurt 2010, 400 S., 14,95 Euro.
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