RUBENS Nr. 144 - 1. Juli 2010
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ZWEI LEBEN FÜR DIE RUHR-UNI

Walter Dieckmann und Gregor Kalender gehen zeitgleich in den Ruhestand

43 Jahre RUB der eine, 42 Jahre der andere. Männer der ersten Stunde, beide im Juli 1945 geboren und darum beide im Juli 2010 reif für die Rente. Zwei Abschiede, die vielen schwerfallen werden, denn der Akademie-Mitgründer Walter Dieckmann und der Hochschulsportbeauftragte Gregor Kalender haben einiges an der Ruhr-Uni angestoßen, umgesetzt und geleitet. Einmal auch zusammen, das „Wandern auf Mallorca”, ansonsten jeder für sich in seinem Bereich.

Sommer 1968: Die Ruhr-Uni ist nicht nur eine Riesenbaustelle, sondern in Sachen Schlamm eine Vorwegnahme des legendären Woodstockfestivals im Jahr darauf. Doch statt nackig durch den Schlamm zu rutschen, müssen Lkw vom heutigen Nordforum runter zur gerade entstehenden G-Reihe gefahren werden, um dort frisches Baumaterial abzuliefern. Die Lkw sind alt, Lenkhilfen noch Zukunftsmusik, der Abhang rutschig und kurvig, die Abfahrt ein Abenteuer. „Die einzige Möglichkeit, die alten Karren überhaupt runter zu kriegen, war, sich draußen aufs Trittbrett zu stellen und mit aller Kraft zu lenken”. Walter Dieckmann schüttelt den Kopf; damals war er 23 und eigentlich Student der Sozialwissenschaft und der Psychologie an der Ruhr-Uni. Da er von den 85 D-Mark vom Honeffer Modell (dem Bafög-Vorläufer) nicht leben konnte, verdingte er sich in den Semesterferien als Lkw-Fahrer. Sein Studium begann Dieckmann noch im Gebäude IA (u.a. zusammen mit den späteren Spitzenpolitikern Norbert Lammert und Christoph Zöpel), später konnte er ins mit seiner Hilfe errichtete GC wechseln.

Sommer 1968

Auch Gregor Kalender verbrachte den Sommer 68 (und einige andere Sommer) auf dem Bock. Allerdings kutschierte er seinen Lkw nicht auf der Querenburger Baustelle, sondern fuhr zwischen verschiedenen Zechen und dem Kraftwerk Marl hin und her. Dorthin lieferte der gebürtige Itzehoer Kohlenstaub. Seine Kindheit hatte Gregor Kalender in Gelsenkirchen verbracht. Im Sommersemester 1967 kam er an die Ruhr-Uni, um Sport und Geschichte zu studieren – zunächst im IA, später im GA. Damals wollte er noch Gymnasiallehrer werden. Er absolvierte beide Staatsexamina, doch bereits das Jahr 1969 stellte die Weichen in eine andere Richtung. Kalender war Sportreferent des Asta und koordinierte das noch recht kleine Sportangebot der Uni. Und kam dabei sozusagen auf den Geschmack: Direkt nach Ende des Studiums 1973 wurde er erster Hochschulsportbeauftragter der RUB. Er baute das Büro auf und sollte es bis zum heutigen Tag nicht wieder verlassen. „Die damalige Situation kann man mit heute nicht vergleichen”, erinnert sich Kalender. „Zurzeit bieten wir 46 verschiedene Sportarten an und haben eigene Hallen und Sportplätze. Anfang der Siebziger hatten wir zwar zehn Sportarten im Programm, aber weder eigene Hallen noch Plätze. Die Sportanlagen waren über die ganze Stadt verteilt: Turnen und Schwimmen in Langendreer, Tischtennis und Judo im Wohnheim usw. Sogar die Sportlehrer mussten dort ausgebildet werden.”
Im Laufe der 70er-Jahre verbesserte sich die Situation: Für die Sportlehrer- und später für die Diplomsportler-Ausbildung wurden die Turnhalle und die Außensportanlagen an der Markstraße errichtet, für die RUB-Mitglieder bzw. für den Hochschulsport die Kurzzeitsportanlage (heute: CASPO) unter der Mensa. Seit Anfang der 90er-Jahre können auch die Mitglieder der anderen Bochumer Hochschulen das Hochschulsportangebot nutzen. Auch ein Verdienst von Gregor Kalender, der in einem Büro voller Pokale und Andenken sitzt. Darunter befindet sich auch ein Gruppenfoto, datiert auf den 21. November 2005, aufgenommen beim Empfang der Delegierten der Vollversammlung des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes (ADH) im Bundeskanzleramt. Gregor Kalender steht neben Gerhard Schröder, an dessen letztem Tag im Amt.

Projekte & Anliegen

Direkt nach seinem Studium bekam Walter Dieckmann eine Anstellung in der Fakultät für Medizin – seine Aufgabe: Aufbau des neuen Lehrstuhls Sozialmedizin. Das sollte zugleich der Fingerzeig für sein späteres Wirken sein: Neues Aufbauen, Projekte anstoßen, unbekannte Pfade entdecken. Ein weiteres Aha-Erlebnis folgte 1989. Der mittlerweile umgetaufte Lehrstuhl für Sozialmedizin und Epidemiologie richtete erstmals eine International Epidemiology Summer School aus (später gemeinsam mit der Uni Münster). Alles, was der Lehrstuhl selbst erledigen konnte, klappte vorzüglich. Andere Dinge, bei denen man auf Partner angewiesen war, z.B. die Abrechnung, hingegen funktionierten nicht. „Bei der zweiten Summer School wollten wir auch das lieber selbst machen”, erklärt Dieckmann. Also gründete er mit mehreren Hochschullehrern und seinen Kollegen den Verein „Akademie für öffentliche Gesundheit e.V.”, um alles abzuwickeln. Aus steuerlichen Gründen entstand sechs Jahre später als gemeinnützige Tochter die „Akademie für öffentliche Gesundheit gGmbH”.
Sie diente zugleich als Modell für die 1999 gegründete „Akademie der Ruhr-Universität”, deren Geschäftsführer natürlich Walter Dieckmann wurde. In der Zwischenzeit hatte er auf vielen Reisen in die USA sein Know-how im Projektmanagement ausgeweitet. Seine „Schlitzohrigkeit” war längst überall an der Uni und darüber hinaus bekannt, beinahe schon sprichwörtlich; auch wenn Dieckmann selbst lieber von „kreativen Finanzierungsideen” spricht, oder von „Denksport” oder davon, die „Lücken zwischen Hochschulrecht und Forschungserfordernissen zu füllen”. „Mir ging es vor allem darum, Projekte umzusetzen, die sich auf den ersten Blick nicht umsetzen lassen”, sagt er.
Das unterscheidet ihn kaum von Gregor Kalender. Zu seinen wichtigsten Anliegen zählt z.B. die demokratische Vergabe der Sportzeiten an alle Statusgruppen und Hochschulen, die er gegen viele Widerstände immer wieder aufs Neue verteidigt hat. Die Nähe zur Sportfakultät (das Büro ist im selben Gebäude, dem Uni-Hochhaus West, untergebracht) hat ihm stets geholfen. Schließlich müssen u.a. die Angebote des Hochschulsports und der Fakultät aufgrund der zum Teil von beiden genutzten Sportanlagen koordiniert werden. Die Zusammenarbeit funktioniert auf kurzem Dienstweg am besten. Während unseres Gesprächs erleben wir hautnah ein Beispiel: Da schaut der langjährige Sport-Dekan Prof. August Neumaier zur Tür rein, spricht ein Thema an. 20 Sekunden später ist alles geklärt. „Brauchen wir das schriftlich?”, fragt der Dekan. Gregor Kalender schüttelt nur den Kopf. Es ist alles gesagt. Der Hochschulsportbeauftragte ist ohnehin kein Mann der großen Worte oder Wechsel. Er steht für Kontinuität. „Immer der gleiche Job, 37 Jahre lang. Aber ich habe nie bereut, nicht Lehrer geworden zu sein. Es hat hier immer Spaß gemacht, ich hatte immer mit motivierten Erwachsenen zu tun, die freiwillig etwas tun wollten, bei dem ich ihnen helfen konnte.”

Zeit für Kinder

Kennengelernt haben sich Kalender und Dieckmann Anfang der 70er-Jahre, als beide noch studierten. „Damals wurde das Wohnheim an der Querenburger Höhe 97 fertig. Dort gab und gibt es eine Sauna. Da bildeten sich rasch studentische Saunagruppen. Walter und ich landeten zufällig in derselben. Die Gruppe existiert heute noch”, erzählt Gregor Kalender. Beruflich waren die beiden zudem eine Weile Nachbarn, hatten beide ihre Büros in der Overbergstraße. Schließlich entwickelten sie auch ein gemeinsames Projekt, einen alljährlichen Aktivurlaub für RUB-Mitglieder, das „Wandern auf Mallorca”, zunächst ein Angebot für Angestellte in der Medizin; 2002 kam es ins Programm des Hochschulsports.
Nun rückt der 31. Juli immer näher, für beide ist das der letzte Arbeitstag an der RUB. Walter Dieckmann feiert bis dahin noch seinen Resturlaub ab. Seine Aufgaben hat er längst in andere Hände gegeben, sowohl in der Akademie der RUB als auch am Lehrstuhl. Was bleibt, ist die Geschäftsführung der Akademien für öffentliche Gesundheit. „Das mache ich nebenberuflich weiter, das ist sozusagen mein Schrebergarten”, schmunzelt Dieckmann. Ansonsten plant er mehr gemeinsame Reisen mit der Gattin, die in Altersteilzeit geht, und mehr Zeit fürs Enkelkind. Gregor Kalender muss an seinen letzten Arbeitstagen auf seine langjährige Sekretärin verzichten. „Die hat sich innerhalb der Uni umorientiert”, erklärt er kurz. Der Hochschulsport wird neu strukturiert, er ist fortan nicht mehr an die Sportfakultät angebunden, sondern an das Dezernat 2 der Universitätsverwaltung – mit den besten Wünschen und Hoffnungen von Gregor Kalender. Für die Zeit ab August sucht er noch neue Aufgaben. „Auf jeden Fall was Soziales, vielleicht für benachteiligte Kinder. In Bochum gibt es ja noch keine Einrichtung wie die Arche, die sich um solche Kinder kümmert.”

 

Hochschulsport
Das Hochschulsportbüro bietet seit 1973 allen Mitgliedern der RUB, seit 1992 auch den Mitgliedern der anderen Bochumer Hochschulen, in jedem Semester bis zu 46 verschiedene Sportarten an, die von professionellen Übungsleitern durchgeführt werden: von Aerobic bis Yoga, von Tischtennis über Cheerleading und Tauchen bis Latino Dance. Die Teilnahme ist für Studierende grundsätzlich kostenfrei; bei einigen Kursen werden Beiträge erhoben. Nicht-studierende Teilnehmer am Hochschulsport (Lehrpersonal, technisch-administratives Personal etc.) müssen einen Semesterbeitrag von 20 Euro entrichten. Mehr unter http://www.rub.de/hss.

 

Akademie der RUB
Seit 1999 konzipiert und koordiniert die Akademie der RUB gGmbH die wissenschaftliche, berufsbegleitende Weiterbildung der RUB für Externe. Als eine der ersten Hochschulen Deutschlands hat die Ruhr-Uni Weiterbildungsangebote für Fach- und Führungskräfte entwickelt – im Sinne des Wissenstransfers und des lebenslangen Lernen. Dazu zählen zahlreiche Seminare und weiterbildende Studien wie Asphalttechnik oder Energy Law and Management. Alle Angebote sind praxisnah und fachübergreifend. Seit 2006 wird die Akademie von der „Arbeitsstelle Wissenschaftliche Weiterbildung” unterstützt. Zusammen mit der Akademie hilft sie den Fakultäten und Einrichtungen der RUB, Angebote wissenschaftlicher Weiterbildung bedarfsgerecht und kundenorientiert zu konzipieren und umzusetzen. Mehr unter http://www.akademie.rub.de.

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