RUBENS Nr. 143 - 1. Juni 2010
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Krakau sehen – und wiederkommen!

Die Sommersprachschule von Boskop an der Jagiellonen-Universität

2010 organisiert das Akafö-Kulturbüro Boskop wieder eine polnische Sommersprachschule in Krakau. Vom 26. Juli bis 15. August können deutsche Studierende einen Sprachkurs belegen, Kultur erleben und gemeinsam mit polnischen und deutschen Studierenden die Stadt entdecken. Im letzten Jahr zählte David Seifert zu den Teilnehmern. In einem sehr persönlichen Erlebnisbericht schildert er seine Zeit dort. Seine Begeisterung ist so ansteckend, dass man am liebsten sofort den Koffer packen und nach Krakau reisen möchte.
Goethe ist nach Italien gereist, um seinen Horizont zu erweitern. Ich rate: Fahre nach Krakau. Schicke Herz, Magen und Verstand auf eine außergewöhnliche Bildungsreise, von der sogar ein Dichtergenie begeistert gewesen wäre.
Die Sommersprachschule ist eine etablierte Institution der Jagiellonen-Universität, die von der akademischen Welt Polens nicht ohne Grund als „das Oxford des Ostens“ bezeichnet wird. Das ist auch das erste, was Du dort lernen wirst. Die Willkommensrede wirst Du in dem altehrwürdigen Saal hören, in dem schon Nikolaus Kopernikus seinen adligen Gönnern gelauscht hat. Deine Polnisch-Kenntnisse werden in den Räumen abgefragt, in denen Johannes Paul II möglicherweise Seminare besucht hat. Das werden sie mit stolzer Stimme sagen und Du wirst Deinen Kopf in Ehrfurcht und Demut neigen.
Nach dem ganzen Pomp am ersten Morgen ist aber erst mal Zeit, die staubige Tradition abzuschütteln, tief durchzuatmen und die Stadt kennen zu lernen. Das alte und doch so moderne Krakau hält einige Überraschungen bereit. Tagsüber kann man die vielen Museen besichtigen, in den Antiquariaten echte Schätze entdecken, in Seen schwimmen, ins Theater gehen, gut und herzhaft essen oder mit offenherzigen und gutmütigen Krakauern Kaffee trinken. In Krakau hat man eine hohe Wertschätzung für Kunst und Kultur. Das wirst Du erleben, wenn Du Künstlerateliers besuchst oder Dir etwas über die berühmte Krakauer Dichterin Wisawa Szymborska erzählen lässt.

Nachts in der Altstadt

Das Wort „Nachtruhe“ ist in Krakau dagegen unbekannt. Man muss lernen, auch mal ohne Schlaf auszukommen. Die gesamte Altstadt, mit dem Rynek und dem Judenviertel Kazimierz als Epizentren, wird zur Partyzone: Jazz-Bars, Clubs, Sisha-Bars. Wer nicht wenigstens einmal Krakau bei Nacht gesehen hat, kann nicht behaupten, die Stadt zu kennen. Es ist natürlich hart, am nächsten Morgen wieder den Intensivkurs zu besuchen. Drei Stunden Kommunikation und zwei Stunden Grammatik sind jeden Tag angesagt. Aber motivierte und engagierte Lehrer sorgen dafür, dass Langeweile gar nicht erst aufkommt. Mit einem starken polnischen Kaffee ist auch die Müdigkeit kein Problem.
Den Kaffee sollte man sich gönnen, denn das Programm der „Szkoa Jzyka i Kultury Polskiej“ ist straff. Zu straff, wie manche sagen, und vielleicht nicht immer sehr geschmeidig organisiert. Das heißt, man hat nicht immer genügend Zeit für alles. Besonders am Anfang fühlt man sich von einer Veranstaltung zur anderen gehetzt mit kurzen Essenspausen dazwischen. Da bleiben nur zwei Möglichkeiten: Man gewöhnt sich daran oder entscheidet sich, die zusätzlichen Veranstaltungen am Nachmittag nicht mehr oder nur sporadisch zu besuchen. Empfehlenswert sind diese allerdings.
Die einheimischen Studenten werden im Übrigen alles tun, um Dir den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Nachmittags zeigen sie Dir, wo die Veranstaltungen stattfinden und abends gehen sie mit Dir Bier trinken inkl. polnischer Trinkspiele. Ihre „interkulturellen Kompetenzen“ sind mit dem Prädikat „sehr gut“ zu bezeichnen. Also: Planst Du eine Reise in Richtung Krakau, hast Du bereits den ersten Schritt zum Glück getan.

Info: Anmeldeschluss für die diesjährige Sprachschule ist der 30.6.2010. Wer Interesse hat, wendet sich bitte an Hanna Dziuba (hanna.dziuba@akafoe.de).

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