RUBENS Nr. 143 - 1. Juni 2010
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Unikate aus Kupfer und Stahl

Serie Ausbildungsberufe an der RUB: Metallbauer

Mit 141 Azubis ist die Ruhr-Uni drittgrößter Ausbildungsbetrieb in Bochum. Die Liste der 21 Lehrberufe reicht von Buchbinder über Tierpfleger bis zum Glasapparatebauer. Doch was steckt hinter diesen Bezeichnungen? RUBENS liefert die Antworten, diesmal zum Metallbauer. Fünf Azubis erlernen den Beruf momentan.

Diese fünf absolvieren ihre Ausbildung in der Konstruktionstechnik, Ausbilder ist Metallbaumeister Stefan Wallrad (Fakultät für Chemie und Biochemie). Erledigt werden in erster Linie Aufträge von Wissenschaftlern, die Geräte für ihre Forschung benötigen: Die Palette reicht von Tischgestellen über Blechkonstruktionen bis hin zu schweren Stahlbauteilen, benutzt werden Stahl, Edelstahl, Gold, Kupfer etc.
Die Azubis helfen beim Bau der Geräte. Zunächst jedoch lernen sie die Grundfertigkeiten für die Bearbeitung von Metall: feilen, bohren, schweißen. Überhaupt stehen manuelle Arbeiten im Mittelpunkt, damit die Lehrlinge sich an die Feinheiten des Metallbaus gewöhnen. Sie begleiten die Gesellen bei Montagearbeiten und lernen, Geräte instand zu halten. Mit der Zeit übernehmen sie immer mehr selbstständige Aufgaben und lernen, Probleme selbst zu lösen. Wenn beispielsweise keine Zeichnung vorgegeben ist, müssen sie eben selbst zeichnen und – wenn nötig – Modelle aus Pappe bauen. Anschließend werden die Rohteile angefertigt und Stück für Stück mittels bohren, schweißen, biegen und feilen zusammengebaut.
Die Auszubildenden können auf Wunsch bis zu vier Wochen lang in einer Schlosserei arbeiten und Erfahrungen sammeln. Ergänzt wird die Praxis durch den theoretischen Unterricht an der Berufsschule und in der Werkstatt selbst. „In der Schule verschwimmen die einstmals klar getrennten Felder, und die Grundlagen werden zum Teil vernachlässigt“, erklärt Stefan Wallrad. „Deshalb bieten wir den Lehrlingen zusätzlich im Werksunterricht die klassischen Fächer Mathe, Technologie und technisches Zeichen an.“

Lebensgroße Pappmodelle

In der Werkstatt werden in der Regel keine Serienprodukte hergestellt, sondern Unikate. „Unsere Arbeit richtet sich nach den vielen verschiedenen Aufträgen der Wissenschaftler“, so Wallrad, „was immer sie brauchen – wir stellen es her.“ Auf diese Weise ist der Arbeitsalltag von ständigem Wandel und neuen Herausforderungen geprägt.
Sascha Homberg (22) aus dem dritten Lehrjahr baut zurzeit einen Sortierkasten aus Edelstahlblech für die Chemiker. Darin werden später die Experimente tiefgefroren. Anikka Bentmann (20) fertigt etwas für sich selbst an: einen Hammer, der sie für die nächsten Jahre begleiten soll. Sie ist im ersten Lehrjahr und lernt die Grundfertigkeiten. Sie ist zugleich die erste Frau, die an der RUB zur Metallbauerin ausgebildet wird. Durch ein Schulpraktikum in einer Schlosserei kam sie auf den Geschmack. „Mir gefällt es hier richtig gut“, sagt sie. „Für die schweren Sachen gibt es viele Hilfsmittel, die aber auch die Männer nutzen. Ich finde, dass Frauen in dem Beruf durchaus arbeiten können.“
Fasziniert sind beide von den vielfältigen Projekten in der Ausbildung. „Für Abwechslung ist stets gesorgt – auch, weil wir manchmal Aufträge erhalten, die gar nichts mit der Forschung zu tun haben“, erzählt Sascha. „Einmal haben wir einen Grill für das Fakultätssommerfest gebaut, ein andermal eine Fluchttreppe, für die wir zunächst lebensgroße Pappmodelle fertigen mussten.“ Wie es für Sascha nach der Ausbildung weitergeht, steht noch nicht fest. „Vielleicht studiere ich oder mache den Meister.“ Zunächst wartet die Abschlussprüfung auf ihn, die er aufgrund seiner hervorragenden Leistungen ein halbes Jahr vorzieht.

Sheila Patel | Themenübersicht