Vier gewinnen 24 Mio.
DFG bewilligt alle 4 Anträge der RUB: 3 neue SFB, 1 Verlängerung
Vier Anträge hat die Ruhr-Uni gestellt –alle vier hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligt: drei neue Sonderforschungsbereiche (SFB) und die Verlängerung eines bestehenden. Diese SFB stärken die Forschungsverbünde der Neurowissenschaftler, Bauingenieure, Plasmawissenschaftler und Maschinenbauer – alles Bochumer Schwerpunkte, die damit eine Finanzspritze von rund 24 Mio. Euro für die nächsten vier Jahre erhalten. Künftig hat die RUB neun SFB, an vier weiteren ist sie maßgeblich beteiligt. „Dass unsere Anträge ausnahmslos bewilligt wurden, ist ein Ausweis für die besonders hohe Qualität Bochumer Forschung“, freut sich Prof. Dr. Ulf Eysel, Prorektor für Forschung.
Dem Gedächtnis auf die Sprünge helfen will der SFB 874 „Integration und Repräsentation sensorischer Prozesse“ (Sprecherin: Prof. Dr. Denise Manahan-Vaughan). Er erforscht, wie aus Wahrnehmung Gedächtnis und Verhalten entsteht. Sechs allgemeine Systeme spielen bei Wirbeltieren eine Rolle: Gehör, Gleichgewicht, Geruch, Geschmack, Körperwahrnehmung und Schmerz sowie Sehen. Im letzten Jahrhundert sind die Grundlagen von Sinneswahrnehmungen erkannt worden, die molekularen Grundlagen des Sehens in den 60er-Jahren, die Somatosensorik in den 70ern; des Hörens in den 80ern und des Riechens in den 90ern. Unklar ist, wie die sensorischen Signale im Gehirn integriert und repräsentiert werden. Der SFB will über eine systemorientierte neurowissenschaftliche Strategie wesentliche Aspekte der sensorischen Verarbeitung erforschen. Am Beispiel von Geruch, Somatosensorik und Sehen wollen die Wissenschaftler die Verarbeitung der Signale von der Ebene der kortikalen Integration bis hin zum endgültigen Erwerb eines auf Sinneswahrnehmung basierenden Gedächtnis-„Eintrags“ aufklären.
Damit beim Tunnelbau die Umgebung nicht zusammenbricht, müssen die geologischen Verhältnisse vor Ort und die Auswirkungen des Tunnelvortriebs genau bekannt sein. Die Anforderungen an Sicherheit und Umwelt machen den Tunnelbau teuer. Der neue SFB 837 „Interaktionsmodelle für den maschinellen Tunnelbau” (Sprecher: Prof. Dr. Günther Meschke) will Modelle erarbeiten, um Tunnelbau ökonomischer und sicherer zu machen. Er wird numerische Modelle, computergestützte Simulationsmethoden und Entwurfskonzepte entwickeln, die die komplexen Wechselwirkungen zwischen Baugrund, Schildmaschine, Stützmaßnahmen, Tunnelausbau, Bebauung, Vortriebs- und Abbauprozess, Baubetrieb realitätsnah im Computermodell abbilden. Bochum ist dafür ein guter Ort, da hier langjährige Kompetenzen in Computersimulation und Tunnelbau vorhanden sind.
Auf dem Weg zu neuen Materialien etwa für Speichermedien von Handys, PCs, aber auch für künftige Energiesysteme macht sich der SFB-TR 87 „Gepulste Hochleistungsplasmen zur Synthese nanostrukturierter Funktionsschichten” (Sprecher: Prof. Dr.-Ing. Peter Awakowicz). Bochumer Elektro- und Informationstechniker, Physiker sowie Maschinenbauer aus dem Research Department „Plasmas with Complex Interactions” erforschen gemeinsam mit Wissenschaftlern der RWTH Aachen grundlege Fragestellungen der Plasmaphysik vom Atom in der Gasphase bis zur Leistungscharakteristik beschichteter Materialoberflächen.
Ziel des verlängerten SFB Transregio 29 „Engineering hybrider Leistungsbündel” (Sprecher: Prof. Dr.-Ing. Horst Meier) ist die Etablierung eines innovativen, nutzenorientierten Produktverständnisses aus Sach- und Dienstleistung. Die Forscher wollen weg von dem Denken „Maschine verkaufen und vergessen” hin zu Dienstleistungen, die schon bei der Entwicklung der Maschine geplant und über ihre gesamte Lebensdauer mit angeboten werden – die sog. Hybriden Leistungsbündel (HLB). In der ersten Förderphase wurden die Wechselwirkungen von Sach- und Dienstleistungen mit ihren Potenzialen und Grenzen über den Lebenszyklus von der Planung und Entwicklung bis zur Erbringung und Nutzung am Demonstrator-Szenario der Mikroproduktion erforscht. Die Herausforderungen der zweiten Phase liegen in der Komplettierung und Integration der Methoden und der durchgängigen Realisierung und Evaluierung der HLB-Werkzeuge, -Instrumente und -Organisationsformen.
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