RUBENS Nr. 142 - 1. Mai 2010
RUB » RUBENS » Ausgabe 142 » Artikel

LEhrtipps im Postkartenformat

Die ifb bietet Didaktik-Schulungen für Lehrbeauftragte

Lehrbeauftragte sind keine festen Mitarbeiter der Uni, sondern gehen häufig anderen Berufen nach und kommen nur für eine bestimmte Lehrveranstaltung an die RUB. Das didaktische Rüstzeug können sie in speziellen Qualifizierungsangeboten kennen lernen, die die Stabsstelle Interne Fortbildung und Beratung (ifb) anbietet. An zwei Abenden gibt es Anregungen für die Lehre sowie den Austausch mit anderen Lehrbeauftragten. Zu den ersten Teilnehmern zählte der Maschinenbauer Rainer Fechte-Heinen (30), der an der Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwissenschaften lehrt. Mit ihm sprach Meike Drießen.

Sie hatten während Ihrer Promotion auch schon in der Lehre zu tun. Haben Sie in der Fortbildung noch etwas Neues gelernt oder kannten Sie schon alles?
Vieles war ganz neu für mich – Didaktik habe ich ja nie wirklich gelernt, und es ist etwas ganz anderes, ob man als Übungsleiter eine Vorlesung mit Beispielen ergänzt oder alles selbst verantwortet. Die zwei Abende haben mir viele gute Anstöße gegeben, dadurch ist sicher jede meiner Lehrveranstaltungen besser geworden, als sie es ohne so einen Kurs gewesen wäre!

Inwiefern sind Sie denn besser geworden? Welchen Aha-Effekt haben Sie erlebt?
Ich habe vor allem gelernt, nicht nur durch die fachliche Brille zu schauen. Die Zusammensetzung der Gruppe war da sehr hilfreich, einige standen noch ganz am Anfang, andere waren schon sehr erfahren. Die konnten dann natürlich auch erzählen, welche Methoden sie schon ausprobiert hatten – und mit welchem Erfolg. Es waren auch verschiedene Fächer vertreten. Ich als Ingenieur habe nach den Lehrsimulationen in der Gruppe eher gefragt: „Und, was haben wir jetzt davon?”, ganz pragmatisch. Dafür musste ich mich fragen lassen: „Wie darf ich mir das jetzt vorstellen?”. In meinem berechnungslastigen Fach muss ich mehr visualisieren. Als Gedankenstütze haben wir noch eine Postkarte mitbekommen, die mehrere Stichpunkte enthält, die helfen, die Lehre eingängiger zu machen.

Mit allen Sinnen

Das ist ja praktisch – was steht denn drauf?
Zum Beispiel Wiederholung: Wenn ich etwas einmal gesagt habe, heißt das ja noch lange nicht, dass es jeder verstanden hat, und auch nicht, dass er es in vier Wochen immer noch weiß. Außerdem ist Auflockerung wichtig und mit allen Sinnen zu lernen. Für mich heißt das: Nicht immer nur Tafel, sondern zum Beispiel auch mal ein Film aus der Praxis, den konnte ich als Externer recht einfach besorgen. Aufmerksamkeit zu gewinnen ist auch ein wichtiger Punkt, da gibt es Methoden, auf die ich selbst gar nicht gekommen wäre. Ich frage zum Beispiel: „Was würden Sie sich zu dem Thema in der Klausur fragen?” und nehme dann einige dieser Fragen in die Klausur auf. Das bringt die Studierenden dazu, den Stoff nicht nur aufzunehmen, sondern gleich auch darüber nachzudenken. Wir haben auch verschiedene Arten des Feedbacks kennen gelernt. Ich kannte bisher nur die Bögen, die man ganz am Ende des Semesters verteilt. Jetzt lasse ich die Teilnehmer zum Beispiel am Ende einer Vorlesung eine Sache aufschreiben, die sie besonders interessant fanden und eine, die ihnen noch nicht ganz klar geworden ist. Das kann ich dann später in die Planung der Wiederholung beim nächsten Termin einbeziehen. Lehrreich war es auch, sich bewusst zu machen, was die Studierenden eigentlich erwarten. Ich als Dozent will natürlich mein Fach vermitteln. Es gibt aber auch Studenten, die wollen nur die Credit Points. Auch damit muss man zurechtkommen.

Wertschätzung

Sie hören sich aber trotzdem sehr zufrieden an – werden Sie weitere Lehraufträge annehmen?
Ja, ich hoffe schon, dass ich die Veranstaltung auch weiterhin anbieten darf. So eine Vorlesung vorzubereiten, und dann auch noch nebenberuflich, ist ganz schön viel Arbeit, das soll sich auch lohnen. Immerhin ist es eine Veranstaltung im letzten Mastersemester, das ist schon anspruchsvoll. Es macht auch richtig viel Spaß, Stoff zu vermitteln, besonders natürlich wenn es gut läuft und man bei der Mehrheit der Studenten einen ‚Aha-Effekt’ sieht. Dafür ist es aber auch ganz schön hart, wenn es mal nicht so gut läuft. Meine Lehre ist leider noch lange nicht perfekt! Ich werde bestimmt nochmal ein Modul bei der ifb belegen, denn die Schulung war auf jeden Fall sinnvoll. Dass es nur zwei Abende waren, kam mir entgegen – wäre es zeitaufwändiger gewesen, hätte mich das vielleicht eher abgeschreckt. Toll fand ich, dass die Teilnahme, wie Arbeitszeit, sogar vergütet wurde – das ist von Seiten der Uni ein Zeichen von Wertschätzung, das sagt: Es ist uns wichtig, dass Du hier gute Lehre machst.

 

Vita

Rainer Fechte-Heinen hat an der RUB Maschinenbau studiert und wurde am Lehrstuhl für Allgemeine Mechanik bei Prof. Klaus Hackl promoviert. Seit zweieinhalb Jahren arbeitet er bei ThyssenKrupp in Duisburg, wo es für ihn in der Forschung und Entwicklung um die Produktoptimierung von Stahl geht. Sein Lehrauftrag umfasst die Vorlesung „Energy Methods in Material Modeling” im englischsprachigen Masterstudiengang Computational Engineering.

 

Lehre kompakt

Im Sommersemester bietet die ifb wieder die Reihe „Lehre kompakt” speziell für Lehrbeauftragte an. An einem Samstag oder zwei bis drei Abenden lernen die Teilnehmer/innen neue Methoden kennen, tauschen sich untereinander aus und nehmen Tricks und Tipps für die Planung und Gestaltung von Lehrveranstaltungen mit. Mehr unter http://www.uv.rub.de/ifb/angebote_le/lehrbeauftragte/start.htm.

md | Themenübersicht