RUBENS Nr. 142 - 1. Mai 2010
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Büro, Büro

Rezension eines Romans übers Leben im Büro

Wer selbst im Büro sitzt, der sollte nicht mit Lästereien um sich werfen. Oder so ähnlich. „Schmoltke & Ich”, so behauptet der Heyne Verlag, sei Deutschlands erster Büro-Roman. Das glauben wir mal der Einfachheit halber. Wahrscheinlich stand das Büro bislang hauptsächlich in TV-Serien im Mittelpunkt: früher unter anderem „Büro, Büro”, heute zum Beispiel „Stromberg”. Aber Büro ist nicht gleich Büro, natürlich nicht. Unser Büro in der RUB-Pressestelle beispielsweise hat mit den Büros in der Geschichte von Raymund Krauleidis nix zu tun. Wir unterstützen Forschung und Lehre, sind fleißig und immer lieb zueinander.

In Schmoltkes Firma soll in erster Linie verkauft werden, koste es was es wolle – und völlig unabhängig von der Qualität des Produktes. Lieb ist man auch nicht immer, höchstens wird geliebt (rein körperlich); stattdessen intrigiert man bisweilen, schreibt Hunderte von sinnfreien E-Mails, widmet sich Computerspielen oder man feiert; doch zwischen zwei Gläschen Prosecco bleiben immer mal wieder ein paar Minuten Zeit für die Arbeit. Dass die dann in der Regel nicht ordentlich ausgeführt wird, egal. Dann wird der billig in China und gar lustig falsch gedruckte Slogan „Wir lassen Sie im Legen stehen” (statt: „Wir lassen Sie nicht im Regen stehen”) kurzerhand als witzige Kampagne uminterpretiert: „Das lassen wir einfach von einem B-Promi sprechen, wie bei ‚Hier werden Sie geholfen‘.”

Hm. Klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Klingt eher ein bisschen wie eine enorme Übertreibung der handelsüblichen Klischees, die man so übers Büroleben hat, als ob da jemand die Essenz aller TV-Serien und sonstigen Gerüchte herausgefiltert hat und das nun als typisch deutschen Büro-Alltag verkauft. Aber ganz ehrlich, wenn jemand über unser Büro hier (UV 366) schreiben würde, wäre es kein bisschen lustig. Das wäre ein zwangsläufig pathetisches Heldenepos über aufrechte Frauen und Männer im täglichen Kampf um … um alles irgendwie.

Info: Raymund Krauleidis: „Schmoltke & Ich”, 304 Seiten, 8,95 Euro, Heyne Verlag 2009.

 

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