Dachterrasse mit Blick auf die RUB
Was macht eigentlich ... Nadine Schöneck-voß
Vor ein paar Jahren haben sie das Leben an der Ruhr-Uni maßgeblich geprägt – in Forschung, Lehre, Hochschulpolitik usw. Irgendwann sind sie aus dem Blickfeld verschwunden. RUBENS hat sich auf die Suche nach diesen Menschen gemacht. Diesmal haben wir in Bremen Nadine Schöneck-Voß (34) gefunden. Sie war zum Jahrtausendwechsel nicht nur eine gern gelesene RUBENS-Autorin. Sie hat zudem an der RUB ein interdisziplinäres Netzwerk für Promovierende und Promovierte (THESIS) aufgebaut, eine „Einladung zur Soziologie” mitherausgegeben und den Deutschen Studienpreis gewonnen.
Frau Schöneck-Voß, haben Sie kurz Zeit?
Ja, die nehme ich mir.
Die Frage nach der Zeit haben wir natürlich ganz bewusst gestellt. Schließlich haben Sie mit einer Arbeit über die Zeit den Deutschen Studienpreis 2002 gewonnen. Sind Sie diesem Thema treu geblieben?
Ja, die damalige Ausschreibung der Hamburger Körber-Stiftung war für mich insofern ein nachhaltiges Glück, als dass ich auf diese Weise ein spannendes Thema für Wettbewerbsbeitrag, Diplomarbeit und Dissertation gefunden hatte.
Verkannte Wissenschaft
Wir haben vorab ein wenig auf Ihrer schön gestalteten Homepage (http://www.nadine-schoeneck.de) gestöbert. Unter anderem haben wir dort entdeckt, dass Sie vor ein paar Jahren einen Roman begonnen haben. Ist er mittlerweile fertig?
Chapeau, dass Ihnen dieses Detail aufgefallen ist, mir selbst ist dieses Vorhaben nämlich ein wenig aus dem Blickfeld geraten. Der Roman, von dem Sie sprechen, liegt unfertig auf der Festplatte meines Rechners. Und hier sind wir schon wieder beim Thema Zeit: Für dieses „Projekt R“ (R wie Roman) glaubte ich in den vergangenen Jahren, mir wegen des wenigstens ebenso großen „Projekts D“ (wie Doktorarbeit) keine Zeit nehmen zu dürfen. Die Frage der individuellen Zeitverwendung ist zumeist eine Frage der Prioritätensetzung…
Dafür haben Sie ein paar Sachbücher verfasst, zum Beispiel „Gesellschaft begreifen. Einladung zur Soziologie”?
Das Buch war mir nach ein paar Jahren der wissenschaftlichen Tätigkeit in der Soziologie ein Anliegen: Ich wünschte mir, an Soziologie interessierten Menschen zu zeigen, wozu diese Wissenschaft, die leider manchmal verkannt wird, fähig ist. Vor allem jungen Leserinnen und Lesern wollte ich Lust auf Soziologie machen. In meinem früheren Chef, Uwe Schimank, habe ich dafür einen begeisterten Mitherausgeber gefunden.
Ein weiteres Stichwort auf Ihrer Homepage lautet Marathon. Augenscheinlich laufen Sie regelmäßig diese lange Strecke. Wann wird es wieder soweit sein?
Ich bin erst kürzlich – Mitte März in Steinfurt – meinen 44. Marathon gelaufen; der nächste wird wohl im September in Münster drankommen.
Auch beim Marathonlaufen geht es natürlich um Zeit. Offenbar liegen Sie bislang etwa vier Minuten über Ihrer Wunschzeit?
Meine persönliche Bestzeit liegt bei drei Stunden und 43 Minuten. Natürlich würde ich mich freuen, einmal weniger als drei Stunden und 40 Minuten für die 42,195 Kilometer lange Strecke zu benötigen. Aber ich laufe primär, weil es mir einfach Spaß macht, unterwegs zu sein. Der Leistungsgedanke spielt im Sport, so wie ich ihn betreibe, bewusst eine untergeordnete Rolle.
Wunschheimat Bochum
Nachdem Sie mit Studium und Dissertation viele Jahre an der RUB gewesen sind, arbeiten Sie nun seit knapp einem Jahr an der Uni Bremen. Was genau machen Sie dort?
Nach meinem Sowi-Studium an der RUB war ich knapp sechs Jahre lang als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Soziologie an der FernUniversität Hagen tätig, die Promotion erfolgte im Januar 2009 an der RUB. Ich bin im Sommer vergangenen Jahres an die Uni Bremen gewechselt, weil es sicherlich eine gute Idee ist, auch mal etwas anderes zu sehen, sich in neuen Kontexten zu bewähren. In Bremen wende ich mich einer für mich neuen Thematik zu: der Wohlfahrtsentwicklung in Deutschland unter den Bedingungen von Wirtschafts- und Finanzkrise und gestiegener Verunsicherung. Mein Chef Steffen Mau und ich bereiten ein Forschungsprojekt dazu vor.
Soll das in eine Habilitation münden?
Ja, das ist so angedacht.
Für RUBENS haben Sie seinerzeit über Ihre Auslandssemester in Austin und Oxford berichtet. Sind Sie immer noch so gern unterwegs?
Im Prinzip könnte ich es mir durchaus vorstellen, nochmals für längere Zeit im Ausland zu sein, ich war es allerdings nach meinen beiden Aufenthalten zu Studienzeiten nicht mehr. Zu sagen, dies habe sich bislang einfach nicht mehr ergeben, wäre wohl zu simplifizierend – die Tatsache, dass ich mittlerweile mit Ehemann und gemeinsamer Hündin lebe, spielt gewiss auch eine Rolle…
Verfolgen Sie von Bremen aus, was sich an der Ruhr-Uni und in Bochum tut?
Oh ja, das tue ich über die regelmäßige Lektüre von RUBENS und den gelegentlichen Besuch der neuen, gelungen gestalteten Internetpräsenz der RUB. Bochum war für mich, ursprünglich aus der Nähe von Koblenz kommend, wegen Herbert Grönemeyer (lacht) schon zu Schulzeiten die Stadt, in der ich einmal leben wollte. Daher gab es für mich als Wunsch-Uni konsequenterweise immer nur die RUB. Meine Liebe zu Bochum ist übrigens so stark ausgeprägt, dass ich hier, trotz meiner Arbeit in Bremen, nach wie vor meinen Erstwohnsitz habe. Das Beste an unserer Bochumer Wohnung ist der Blick von der Dachterrasse auf die RUB – Sie sehen also: Ich denke gerne zurück und lebe weiterhin gerne hier, auch wenn die Zeit ansonsten voranschreitet.
ad, Foto: Hans Hartwig | Themenübersicht

