RUBENS Nr. 141 - 1. April 2010
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Polterwagen auf Grubenfahrt

Doppik-Einführung: Die Campus-Inventur ist in vollem Gange

Seit Februar sind auf dem Campus acht „Aufschreiberinnen“ unterwegs, die vor Ort Inventur machen. Bis Ende des Jahres werden sie fertig sein, dann kann die Doppik kommen: die doppelte Buchführung in Konten, für die zum Start eine Eröffnungsbilanz erstellt werden muss, die besagt, was die RUB wert ist. Liane Lange ist eine der Aufschreiberinnen, heute unterwegs zu einem richtig ür Fluidenergiemaschinen.

Liane Lange wird auf dem Campus niemanden je überraschen. Das Gepolter ihres mobilen Schreibtisches ist immer schon lange vor ihr da. Sie ist unterwegs im Dienste der Doppik-Einführung, als „Aufschreiberin“ der Inventur. Auf dem Wagen, gegen Erschütterungen gepolstert, ihr Laptop, das wichtigste Arbeitsgerät, sowie ein Barcode-Scanner und die dazugehörigen Barcode-Aufkleber.
Gut gelaunt holpert sie in Richtung IB, ihrem heutigen Einsatzort, wo sie die Bestandsaufnahme am Lehrstuhl für Fluidenergiemaschinen (Prof. Dr. Horst Stoff) in der Fakultät für Maschinenbau macht, einer der großen Aufnahmestellen der RUB. Nicht nur Büros gehören dazu, sondern auch die Werkhalle gegenüber IB, Heimstatt riesiger Maschinen, zusammengesetzt aus unzähligen Einzelteilen.
Reiner Stromberg arbeitet hier schon lange als Techniker, heute ist er ausnahmsweise mal „Ansager“. Er kennt sich prima aus vor Ort – die beste Voraussetzung für den Ansager-Job – und er hat sich vorbereitet. „Ich habe vorab Inventarlisten bekommen, auf denen alles stand, was seit 1978 hier angeschafft worden ist“, erzählt er. „Da standen teilweise Sachen drauf, die kannten wir gar nicht mehr.“

300 Seiten dick

Jedes Einzelteil war aufgeführt, 300 Seiten dick die Liste. Doch Stromberg ist nicht der Typ, der sich von so etwas einschüchtern lässt. Er rief Sabine Heide von der Inventurleitung an, sie kam zum Vorgespräch vorbei, gemeinsam hatte man schnell einen Plan. Einzelteile, die zu Maschinenensembles gehören, werden gruppiert und als ein Ganzes inventarisiert. Die bereinigte Liste nehmen sich dann Ansager und Aufschreiberin vor, um sie mit dem tatsächlich Vorhandenen abzugleichen und das auch gleich zu kennzeichnen.
Reiner Stromberg und Liane Lange haben vormittags die Büros erledigt. Jetzt ist die Halle dran. Liane Lange legt die Jacke ab, die beiden verschaffen sich einen ersten Überblick über die so genannten Gruben: Jede Maschine, schon auf Augenhöhe jede für sich ein Koloss, verfügt auch noch über ein eigenes Untergeschoss, in dem Teile der Technik untergebracht sind. „Wir saugen hier Luft von außen an und verdichten sie in den Maschinen, mit Radial-, Axial-, Schraubenverdichtern oder Turbinen, alles rechnergesteuert“, erklärt Reiner Stromberg. „Wenn wir die ganze Technik hier oben hätten, würden sich die Vibrationen auf die Maschine übertragen und wir hätten Fehler in den Messergebnissen.“
Dazu lagern im Keller noch zahllose Bau- und Ersatzteile für die verschiedenen Apparaturen. Ganz von denen abgesehen, die in der Steuerzentrale aufbewahrt werden. „Dieses kleine Teil hier“, Stromberg zieht eine Schachtel mit winzigen Drähten einer Messsonde aus einer Schublade, „das kann man mit bloßem Auge kaum erkennen. Kostet aber 1.600 Euro. Da kann man so schon keinen Barcode draufkleben, und außerdem ist es ja in die Maschinen eingebaut.“ Macht aber nichts, das Etikett wird auf ein Inventarstammblatt geklebt, wie es später zu jeder Maschine gehören wird, die nicht beklebt werden kann oder darf. „So wird alles viel übersichtlicher als vorher“, erklärt Sabine Heide, da es zu jeder Maschine nur noch eine Anlagennummer geben wird. Dafür lohnt sich die Arbeit, die Stromberg und Lange jetzt systematisch erledigen. Wenn einmal alles inventarisiert ist, müssen später nur noch Änderungen festgehalten werden. Die Barcodes erleichtern die Erfassung. „Mein Nachfolger wird es einfach haben“, nimmt Stromberg es gelassen. „Ich bin nur noch fünf Jahre hier.“

Meistens schneller

Angenehmer Nebeneffekt der Bestandsaufnahme: Man kommt mal so richtig zum Entrümpeln. Denn überall auf dem Campus lagern noch alte Geräte, die längst keiner mehr braucht. „Ich war kürzlich zum Beispiel in der Medienwissenschaft“, erzählt Liane Lange, „da standen noch uralte Camcorder und Schneidetische, mit denen kein Student heute mehr was anfangen kann. Von diesen Dingen kann man sich jetzt endlich mal befreien.“ Wer etwas Defektes loswerden will, stellt einen Absetzungsantrag im Dezernat 4 bei Sabine Heide.
Reiner Stromberg kann darauf verzichten, er hat wenig Schrott zu verzeichnen. Einiges ist zwar schon länger nicht mehr in Betrieb gewesen, könnte aber jederzeit wieder zum Einsatz kommen. „Das hier ist ein Dreiachsen-Verfahrtisch für Lasermessungen“, erklärt er Liane Lange gerade, „und das hier ein Satz Messblenden für unterschiedliche Rohrdurchmesser, da können wir durch Messungen des Luftdrucks davor und dahinter die Strömungsgeschwindigkeit berechnen …“
Eine Weile werden die beiden noch beschäftigt sein. Fünf Tage sind für die gesamte Inventur am Lehrstuhl angesetzt, aber sie liegen gut in der Zeit. „Meistens dauert es nicht so lange wie geplant“, erzählt Sabine Heide. Mit drei Tagen rechnet sie bei Reiner Stromberg, auch weil er sich so gut vorbereitet hat. Durchschnittliche Büros in den Geisteswissenschaften sind in einem Tag erledigt, bei den Ingenieuren und Naturwissenschaftlern sind drei bis vier Tage normal.
Nach getaner Arbeit packen die Aufschreiberinnen wieder ihr Laptop auf den Wagen und poltern weiter zum nächsten Einsatz.

FAQ: Meike Driessen sprach mit Sabine Heide von der Inventurleitung über häufig gestellte Fragen während der Inventur.

RUBENS: Was sind die häufigsten Fragen (und Antworten) zur Inventur?
Heide Die häufigste Frage ist: Wie ist der Ablauf der Inventur? – Das Verfahren läuft folgendermaßen ab: Vorbesprechung zwischen Ansager und Aufschreiber, gemeinsame Begehung der Räume mit Inventarisierung und Schlussbesprechung. Auch sehr oft gefragt wird: Wie lange dauert die Bestandsaufnahme vor Ort? – Das lässt sich nicht verallgemeinern, da es von der Größe der Aufnahmestelle abhängig ist. Es kommt vor, dass ein halber Tag ausreicht, aber genauso, dass mehrere Wochen benötigt werden. Ebenfalls häufig werden wir gefragt, wann die nächste Bestandsaufnahme sein wird und wie man sich darauf vorbereiten kann: Die nächste Inventur kommt frühestens in drei Jahren. Durch sorgfältige Pflege des Buchbestandes (z.B. durch regelmäßiges Überprüfen der eigenen Bestände durch Anforderung von aktuellen Bestandslisten bei der Verwaltung. Meldung von Diebstählen, Absetzungsanträge) kann man sich am besten vorbereiten.

RUBENS: Wann wird die Inventur beendet sein?
Heide: Die gesamte körperliche Bestandsaufnahme wird bis Dezember 2010 beendet sein.

RUBENS: Wie ist es bis jetzt gelaufen?
Heide: Mittlerweile gut, die anfängliche Skepsis ist einer großen Bereitschaft zur Mithilfe und Mitarbeit gewichen.


Info: Wer Fragen zur Inventur hat oder einen Absetzungsantrag stellen will, kann Sabine Heide kontaktieren: UV 2/211, Tel. -26897, sabine.heide@uv.rub.de; http://www.rub.de/doppik.

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