Polterwagen auf Grubenfahrt
Doppik-Einführung: Die Campus-Inventur ist in vollem Gange
Seit Februar sind auf dem Campus acht „Aufschreiberinnen“ unterwegs, die vor Ort Inventur machen. Bis Ende des Jahres werden sie fertig sein, dann kann die Doppik kommen: die doppelte Buchführung in Konten, für die zum Start eine Eröffnungsbilanz erstellt werden muss, die besagt, was die RUB wert ist. Liane Lange ist eine der Aufschreiberinnen, heute unterwegs zu einem richtig ür Fluidenergiemaschinen.
Liane Lange wird auf dem Campus niemanden je überraschen.
Das Gepolter ihres mobilen Schreibtisches ist immer schon
lange vor ihr da. Sie ist unterwegs im Dienste der Doppik-Einführung,
als „Aufschreiberin“ der Inventur. Auf dem
Wagen, gegen Erschütterungen gepolstert, ihr Laptop,
das wichtigste Arbeitsgerät, sowie ein Barcode-Scanner
und die dazugehörigen Barcode-Aufkleber.
Gut gelaunt holpert sie in Richtung IB, ihrem heutigen
Einsatzort, wo sie die Bestandsaufnahme am Lehrstuhl für
Fluidenergiemaschinen (Prof. Dr. Horst Stoff) in der Fakultät
für Maschinenbau macht, einer der großen Aufnahmestellen
der RUB. Nicht nur Büros gehören dazu, sondern
auch die Werkhalle gegenüber IB, Heimstatt riesiger
Maschinen, zusammengesetzt aus unzähligen Einzelteilen.
Reiner Stromberg arbeitet hier schon lange als Techniker,
heute ist er ausnahmsweise mal „Ansager“.
Er kennt sich prima aus vor Ort – die beste Voraussetzung
für den Ansager-Job – und er hat sich vorbereitet.
„Ich habe vorab Inventarlisten bekommen, auf denen
alles stand, was seit 1978 hier angeschafft worden ist“,
erzählt er. „Da standen teilweise Sachen drauf,
die kannten wir gar nicht mehr.“
300 Seiten dick
Jedes Einzelteil war aufgeführt, 300 Seiten dick
die Liste. Doch Stromberg ist nicht der Typ, der sich
von so etwas einschüchtern lässt. Er rief
Sabine Heide von der Inventurleitung an, sie kam zum
Vorgespräch vorbei, gemeinsam hatte man schnell
einen Plan. Einzelteile, die zu Maschinenensembles gehören,
werden gruppiert und als ein Ganzes inventarisiert.
Die bereinigte Liste nehmen sich dann Ansager und Aufschreiberin
vor, um sie mit dem tatsächlich Vorhandenen abzugleichen
und das auch gleich zu kennzeichnen.
Reiner Stromberg und Liane Lange haben vormittags die
Büros erledigt. Jetzt ist die Halle dran. Liane
Lange legt die Jacke ab, die beiden verschaffen sich
einen ersten Überblick über die so genannten
Gruben: Jede Maschine, schon auf Augenhöhe jede
für sich ein Koloss, verfügt auch noch über
ein eigenes Untergeschoss, in dem Teile der Technik
untergebracht sind. „Wir saugen hier Luft von
außen an und verdichten sie in den Maschinen,
mit Radial-, Axial-, Schraubenverdichtern oder Turbinen,
alles rechnergesteuert“, erklärt Reiner Stromberg.
„Wenn wir die ganze Technik hier oben hätten,
würden sich die Vibrationen auf die Maschine übertragen
und wir hätten Fehler in den Messergebnissen.“
Dazu lagern im Keller noch zahllose Bau- und Ersatzteile
für die verschiedenen Apparaturen. Ganz von denen
abgesehen, die in der Steuerzentrale aufbewahrt werden.
„Dieses kleine Teil hier“, Stromberg zieht
eine Schachtel mit winzigen Drähten einer Messsonde
aus einer Schublade, „das kann man mit bloßem
Auge kaum erkennen. Kostet aber 1.600 Euro. Da kann
man so schon keinen Barcode draufkleben, und außerdem
ist es ja in die Maschinen eingebaut.“ Macht aber
nichts, das Etikett wird auf ein Inventarstammblatt
geklebt, wie es später zu jeder Maschine gehören
wird, die nicht beklebt werden kann oder darf. „So
wird alles viel übersichtlicher als vorher“,
erklärt Sabine Heide, da es zu jeder Maschine nur
noch eine Anlagennummer geben wird. Dafür lohnt
sich die Arbeit, die Stromberg und Lange jetzt systematisch
erledigen. Wenn einmal alles inventarisiert ist, müssen
später nur noch Änderungen festgehalten werden.
Die Barcodes erleichtern die Erfassung. „Mein
Nachfolger wird es einfach haben“, nimmt Stromberg
es gelassen. „Ich bin nur noch fünf Jahre
hier.“
Meistens schneller
Angenehmer Nebeneffekt der Bestandsaufnahme: Man kommt
mal so richtig zum Entrümpeln. Denn überall
auf dem Campus lagern noch alte Geräte, die längst
keiner mehr braucht. „Ich war kürzlich zum
Beispiel in der Medienwissenschaft“, erzählt
Liane Lange, „da standen noch uralte Camcorder
und Schneidetische, mit denen kein Student heute mehr
was anfangen kann. Von diesen Dingen kann man sich jetzt
endlich mal befreien.“ Wer etwas Defektes loswerden
will, stellt einen Absetzungsantrag im Dezernat 4 bei
Sabine Heide.
Reiner Stromberg kann darauf verzichten, er hat wenig
Schrott zu verzeichnen. Einiges ist zwar schon länger
nicht mehr in Betrieb gewesen, könnte aber jederzeit
wieder zum Einsatz kommen. „Das hier ist ein Dreiachsen-Verfahrtisch
für Lasermessungen“, erklärt er Liane
Lange gerade, „und das hier ein Satz Messblenden
für unterschiedliche Rohrdurchmesser, da können
wir durch Messungen des Luftdrucks davor und dahinter
die Strömungsgeschwindigkeit berechnen …“
Eine Weile werden die beiden noch beschäftigt sein.
Fünf Tage sind für die gesamte Inventur am
Lehrstuhl angesetzt, aber sie liegen gut in der Zeit.
„Meistens dauert es nicht so lange wie geplant“,
erzählt Sabine Heide. Mit drei Tagen rechnet sie
bei Reiner Stromberg, auch weil er sich so gut vorbereitet
hat. Durchschnittliche Büros in den Geisteswissenschaften
sind in einem Tag erledigt, bei den Ingenieuren und
Naturwissenschaftlern sind drei bis vier Tage normal.
Nach getaner Arbeit packen die Aufschreiberinnen wieder
ihr Laptop auf den Wagen und poltern weiter zum nächsten
Einsatz.
FAQ: Meike Driessen sprach mit Sabine Heide
von der Inventurleitung über häufig gestellte
Fragen während der Inventur.
RUBENS: Was sind die häufigsten Fragen
(und Antworten) zur Inventur?
Heide Die häufigste Frage ist: Wie ist der Ablauf
der Inventur? – Das Verfahren läuft folgendermaßen
ab: Vorbesprechung zwischen Ansager und Aufschreiber,
gemeinsame Begehung der Räume mit Inventarisierung
und Schlussbesprechung. Auch sehr oft gefragt wird:
Wie lange dauert die Bestandsaufnahme vor Ort? –
Das lässt sich nicht verallgemeinern, da es von
der Größe der Aufnahmestelle abhängig
ist. Es kommt vor, dass ein halber Tag ausreicht, aber
genauso, dass mehrere Wochen benötigt werden. Ebenfalls
häufig werden wir gefragt, wann die nächste
Bestandsaufnahme sein wird und wie man sich darauf vorbereiten
kann: Die nächste Inventur kommt frühestens
in drei Jahren. Durch sorgfältige Pflege des Buchbestandes
(z.B. durch regelmäßiges Überprüfen
der eigenen Bestände durch Anforderung von aktuellen
Bestandslisten bei der Verwaltung. Meldung von Diebstählen,
Absetzungsanträge) kann man sich am besten vorbereiten.
RUBENS: Wann wird die Inventur beendet sein?
Heide: Die gesamte körperliche Bestandsaufnahme
wird bis Dezember 2010 beendet sein.
RUBENS: Wie ist es bis jetzt gelaufen?
Heide: Mittlerweile gut, die anfängliche Skepsis
ist einer großen Bereitschaft zur Mithilfe und
Mitarbeit gewichen.
Info: Wer Fragen zur Inventur hat
oder einen Absetzungsantrag stellen will, kann Sabine
Heide kontaktieren: UV 2/211, Tel. -26897, sabine.heide@uv.rub.de;
http://www.rub.de/doppik.
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