Gehör gefunden
Kommunikationsassistenz für Hörbehinderte am Arbeitsplatz
Im Modellprojekt „Initiative Kommunikationsassistenz im Beruf”, kurz ini.KAB, werden Kommunikationsassistenten ausgebildet, die Hörbehinderte im Berufsalltag unterstützen. Die Vertreterin der schwerbehinderten Beschäftigen an der RUB, Michaela Sarazin, ist begeistert. Auch ihre beiden Praktikantinnen, die angehenden Kommunikationsassistentinnen Barbara Grundei und Marina Schnaithmann, sehen für
Als Vertreterin der Schwerbehinderten nimmt Michaela Sarazin, selbst schwerhörig, an zahlreichen Besprechungen teil. „Im Laufe der Jahre habe ich gemerkt, dass ich häufig mit einem Unwohlsein aus Sitzungen herausgehe. Auch volle Konzentration reicht meist nur aus, um die Hälfte zu verstehen”, sagt sie. Geändert hat sich das im Februar, als Barbara Grundei und Marina Schnaithmann zu ihr kamen. Die beiden nehmen seit Sommer 2009 an einer Aus- und Weiterbildung zu Kommunikationsassistentinnen teil, konzipiert vom Institut für Arbeitswissenschaft der RUB im Gemeinschaftsprojekt ini.KAB. Bei Michaela Sarazin absolvieren sie den praktischen Teil der Ausbildung. Insgesamt hat die Verwaltung der RUB drei Praktikumsplätze bereitgestellt.
Sinnvolle Unterstützung
„Jetzt im Praktikum merkt man erst, wie breit das Tätigkeitsfeld wirklich ist – und wie groß der Bedarf”, so Grundei. „Es ist schön zu sehen, dass man dabei eine sinnvolle, professionelle Unterstützung sein kann.” Ob Oraldolmetschen oder Gebärden, die Lautsprache begleiten: Die Teilnehmer lernen im Projekt ini.KAB zunächst unterschiedliche Kommunikationsformen kennen, ehe sie diese am Arbeitsplatz eines Hörgeschädigten anwenden. Entscheidend ist, dass die Assistenten sich in die Arbeitsabläufe der Beschäftigten integrieren, ohne die Arbeit an sich zu stören. Sarazin: „Die Aufgaben sind klar geteilt. Ich gehe selbst zum Kopierer und verfasse Briefe. Es muss im Vorfeld geklärt werden, was voneinander erwartet wird.” Kommunikation ist eben auch hier alles. Und Information. Denn die meisten Hörbehinderten wissen nach wie vor nicht, dass sie seit 2001 ein Recht auf Arbeitsassistenz haben. So gilt es für die Initiatoren des Projekts, mehrere Hürden zu nehmen und Hemmschwellen abzubauen. „Aus meiner Sicht müsste den hörgeschädigten Menschen noch besser vermittelt werden, dass wir nicht ihre Arbeit übernehmen wollen, sondern sie nur in den Arbeitsphasen unterstützen, die Kommunikation beinhalten”, sagt Marina Schnaithmann.
„Das ist fantastisch!”
Allein in NRW leben über 17.000 schwer behinderte
Hörgeschädigte im erwerbsfähigen Alter
– Tendenz steigend. Eine zertifizierte Qualifizierung
zur Arbeitsassistenz gibt es bislang nicht. Hier setzt
das Modellprojekt „ini.KAB” an. Alle Beteiligten
ziehen schon nach kurzer Zeit ein äußerst
positives Fazit: „Ich kann meinen Arbeitstag tatsächlich
mit weniger Anstrengung verbringen und mich auf meine
Kernaufgaben konzentrieren”, so Sarazin. „Ich
muss nicht ständig überlegen, was andere gesagt
haben könnten. Das ist fantastisch! Ich habe durch
die Unterstützung mehr Lebensqualität.”
Die Initiative qualifiziert und vermittelt Kommunikationsassistentinnen
und -assistenten. Im vergangenen August startete die
erste Weiterbildung für 20 Teilnehmer. Partner
im Modellprojekt sind der Lehrstuhl für Arbeitsorganisation
und Arbeitsgestaltung der RUB (AOG, Prof. Heiner Minssen),
die büscher kuntscher piorr (bkp) GbR, der Deutsche
Schwerhörigenbund (DSB), der DSB Landesverband
NRW sowie die Verwaltung der RUB.
Info: Ein ausführliches Interview
mit Michaela Sarazin und den Praktikantinnen sowie Erfahrungsberichte
aus dem Projekt stehen im Internet unter: http://www.inikab.de;
weitere Infos bei Caroline Schupp, AOG, Tel. -27733,
E-Mail: caroline.schupp@rub.de.
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