RUBENS Nr. 140 - 1. Februar 2010
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Medizin auf dem Grimberg

Archivsplitter

Ein seltsam anmutendes Gebilde präsentiert sich seit langem westlich der Ruhr-Universität zwischen Oesterende- und Max-Imdahl-Straße: ein aus fünf „Plateaus“ bestehendes Quartier mit ausgebauten Straßen, mit Beschilderung und Beleuchtung, selbst sorgsam markierte Parkbuchten fehlen nicht. Was allerdings fehlt, sind die

Entstehen soll hier unter Regie der städtischen Entwicklungsgesellschaft Ruhr-Bochum (EGR) bekanntlich der sog. BioMedizinPark Ruhr; die seit Mitte 2007 baureif erschlossenen Grundstücke haben jedoch augenscheinlich noch kein Unternehmen der Branche angelockt.
Das Areal, eine leichte Erhebung zwischen den genannten Straßen, wird schon auf alten Karten als „Grimberg“ oder „Der Grimmberg“ bezeichnet. Dabei handelt es sich um einen reinen Flurnamen, wobei die Bezeichnung durchaus auch auf die Bodenbeschaffenheit hindeuten kann (grint = grober Sand). Die hier im 18. Jahrhundert noch außerhalb der Stadt gelegene Waldung befand sich größtenteils im Besitz von Bauern aus Querenburg und Wiemelhausen.

1.440 Betten waren geplant

Genau hier wurde schon einmal, Mitte der 1970er Jahre, für die Medizin geplant, als noch der Plan bestand, die gerade eröffnete Ruhr-Universität wie die anderen Hochschulen des Landes auch mit einem Klinikum auszustatten. Vorgesehen war dieses bereits in der ursprünglichen Planung, doch während auf dem engeren Campus die Gebäude für die Medizinischen Abteilungen zügig errichtet wurden (Rohbaufertigstellung der Gebäude MA bis MC 1968), vollzog sich auf politischer Ebene eine Auseinandersetzung um Ausbaustufen, Bettenzahlen und alternative Lösungen für die praktische Ausbildung der angehenden Mediziner. Das Tauziehen gewannen scheinbar zunächst die Befürworter, so dass die Landesregierung sich schließlich im April 1970 zu einem Entschluss für den Bau des Klinikums in Bochum durchrang. Der ein Jahr später einberufene Sachverständigenbeirat legte 1972 seine Empfehlungen vor, nach denen die Klinik in ihrer letzten Ausbaustufe über 1.440 Betten verfügen sollte.
Wären nun die anschließenden, auf den Empfehlungen beruhenden Bauplanungen umgesetzt worden, wäre auf dem westlichen Campus ein umfangreicher medizinischer Komplex entstanden: Die Hochbauten MA bis MC hätten die Naturwissenschaftliche, die Theoretische und die Zahnmedizin aufgenommen. Jenseits von Parkhaus und Parkplatz hätte sich – auf dem Grimberg – das Klinikum (Praktische Medizin) angeschlossen. Ferner hätte ein eigenes Versorgungszentrum auch die vom Landschaftsverband nördlich der Oesterendestraße geplante Psychiatrische Landesklinik versorgen sollen.

Schwesternwohnheim

Dem Projekt war jedoch kein Erfolg beschieden. Bereits 1974 sahen sich die Planer mit einer Verzögerungstaktik des Finanzministeriums in den Ausschüssen konfrontiert, im Juni 1975 markierte ein Kabinettsbeschluss das endgültige Aus. Die zuvor bereits als Übergangslösung initiierte Ausbildung der Studierenden in Zusammenarbeit mit den örtlichen Krankenhäusern („Bochumer Modell“) blieb so die einzige Chance für eine Ärzteausbildung an der RUB.
Eine Chance für den BioMedizinPark heute könnte übrigens die im Mai 2009 vom Kabinett beschlossene Vergabe des Gesundheitscampus Nordrhein-Westfalen nach Bochum sein. Er soll nördlich des Grimbergs, am einst projektierten Standort des Landeskrankenhauses, errichtet werden. Herzstück wird eine Fachhochschule für Gesundheitsberufe sein, die im Uni-Hochhaus West (UHW) unterkommen soll. Dieses Gebäude war schon 1966 im Hinblick auf das schließlich gescheiterte Klinikum erbaut worden – als Schwesternwohnheim.

Jörg Lorenz (Universitätsarchiv) | Themenübersicht