Medizin auf dem Grimberg
Archivsplitter
Ein seltsam anmutendes Gebilde präsentiert sich seit
langem westlich der Ruhr-Universität zwischen Oesterende-
und Max-Imdahl-Straße: ein aus fünf „Plateaus“
bestehendes Quartier mit ausgebauten Straßen, mit
Beschilderung und Beleuchtung, selbst sorgsam markierte
Parkbuchten fehlen nicht. Was allerdings fehlt, sind die
Entstehen soll hier unter Regie der städtischen Entwicklungsgesellschaft
Ruhr-Bochum (EGR) bekanntlich der sog. BioMedizinPark
Ruhr; die seit Mitte 2007 baureif erschlossenen Grundstücke
haben jedoch augenscheinlich noch kein Unternehmen der
Branche angelockt.
Das Areal, eine leichte Erhebung zwischen den genannten
Straßen, wird schon auf alten Karten als „Grimberg“
oder „Der Grimmberg“ bezeichnet. Dabei handelt
es sich um einen reinen Flurnamen, wobei die Bezeichnung
durchaus auch auf die Bodenbeschaffenheit hindeuten kann
(grint = grober Sand). Die hier im 18. Jahrhundert noch
außerhalb der Stadt gelegene Waldung befand sich
größtenteils im Besitz von Bauern aus Querenburg
und Wiemelhausen.
1.440 Betten waren geplant
Genau hier wurde schon einmal, Mitte der 1970er Jahre,
für die Medizin geplant, als noch der Plan bestand,
die gerade eröffnete Ruhr-Universität wie
die anderen Hochschulen des Landes auch mit einem Klinikum
auszustatten. Vorgesehen war dieses bereits in der ursprünglichen
Planung, doch während auf dem engeren Campus die
Gebäude für die Medizinischen Abteilungen
zügig errichtet wurden (Rohbaufertigstellung der
Gebäude MA bis MC 1968), vollzog sich auf politischer
Ebene eine Auseinandersetzung um Ausbaustufen, Bettenzahlen
und alternative Lösungen für die praktische
Ausbildung der angehenden Mediziner. Das Tauziehen gewannen
scheinbar zunächst die Befürworter, so dass
die Landesregierung sich schließlich im April
1970 zu einem Entschluss für den Bau des Klinikums
in Bochum durchrang. Der ein Jahr später einberufene
Sachverständigenbeirat legte 1972 seine Empfehlungen
vor, nach denen die Klinik in ihrer letzten Ausbaustufe
über 1.440 Betten verfügen sollte.
Wären nun die anschließenden, auf den Empfehlungen
beruhenden Bauplanungen umgesetzt worden, wäre
auf dem westlichen Campus ein umfangreicher medizinischer
Komplex entstanden: Die Hochbauten MA bis MC hätten
die Naturwissenschaftliche, die Theoretische und die
Zahnmedizin aufgenommen. Jenseits von Parkhaus und Parkplatz
hätte sich – auf dem Grimberg – das
Klinikum (Praktische Medizin) angeschlossen. Ferner
hätte ein eigenes Versorgungszentrum auch die vom
Landschaftsverband nördlich der Oesterendestraße
geplante Psychiatrische Landesklinik versorgen sollen.
Schwesternwohnheim
Dem Projekt war jedoch kein Erfolg beschieden. Bereits
1974 sahen sich die Planer mit einer Verzögerungstaktik
des Finanzministeriums in den Ausschüssen konfrontiert,
im Juni 1975 markierte ein Kabinettsbeschluss das endgültige
Aus. Die zuvor bereits als Übergangslösung
initiierte Ausbildung der Studierenden in Zusammenarbeit
mit den örtlichen Krankenhäusern („Bochumer
Modell“) blieb so die einzige Chance für
eine Ärzteausbildung an der RUB.
Eine Chance für den BioMedizinPark heute könnte
übrigens die im Mai 2009 vom Kabinett beschlossene
Vergabe des Gesundheitscampus Nordrhein-Westfalen nach
Bochum sein. Er soll nördlich des Grimbergs, am
einst projektierten Standort des Landeskrankenhauses,
errichtet werden. Herzstück wird eine Fachhochschule
für Gesundheitsberufe sein, die im Uni-Hochhaus
West (UHW) unterkommen soll. Dieses Gebäude war
schon 1966 im Hinblick auf das schließlich gescheiterte
Klinikum erbaut worden – als Schwesternwohnheim.
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