RUBENS Nr. 140 - 1. Februar 2010
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Till sucht schöne Texte

RUB-Student Till Beckmann initiiert einen Literaturwettbewerb

Lyrik, SMS Gedicht, Poetry Slam Text, Kurzgeschichte oder Hymne – der schönste Text übers Ruhrgebiet kann viele Formen haben. Hauptsache, er ist „schön” und kann die Jury des Wettbewerbs überzeugen. Und natürlich muss er rechtzeitig beim Initiator Till Beckmann eintreffen. Mit dem Bochumer Literaturstudenten sprach Arne Dessaul u.a. über schöne Texte, das Ruhrgebiet und die Idee zu diesem ganz von RUHR.2010 östen Wettbewerb.

RUBENS: Wie kamen Sie auf die Idee zum Literaturwettbewerb?
Till Beckmann: Meine Geschwister und ich sind ja alles Theaterleute: Maja gehört zum Schauspielhaus-Ensemble, Lina ist in Köln engagiert, Nils und ich sind beim Kresch Theater Krefeld und beim Theater Kohlenpott. Zusammen führen wir seit ein paar Wochen das Ruhrgebietsstück „Kohle, Kumpels und Kanal” auf, zunächst in der Buchhandlung Napp, jetzt beispielsweise im Theater unter Tage, im Dortmunder Sissikingkong oder am 20. Februar in den Herner Flottmannhallen. Wir lesen Texte von Ralf Rothmann, Jürgen Lodemann, Werner Streletz und Peter Stripp. Wir zeigen dazu in schneller Folge Fotografien von Brigitte Kraemer von Trinkhallen, Kanälen, Autos und Menschen. Und wir servieren Fiege und süße Tüten. Durch diese Texte und die schönen Fotos kam mir dann die Idee zum Wettbewerb.

Joggen am Kanal

RUBENS: Was ist für Sie ein „schöner Text”?
Till Beckmann: Es bedeutet jedenfalls nicht, dass jemand etwas Schönes übers Ruhrgebiet schreiben soll. Er oder sie kann gerne schreiben, dass hier alles schlimm und hässlich ist. Es sollte nur irgendwie „schön” geschrieben sein.

RUBENS: Und was macht für Sie das Ruhrgebiet aus?
Till Beckmann: Ganz persönlich profitiere ich von der ausgeprägten Theater- und Kulturszene, die es auch Anfängern wie mir ermöglicht, Theater zu machen. Ich selbst mag die Halden und bin im Sommer am liebsten am Rhein-Herne-Kanal. Dort jogge ich auch gerne. Wo sonst joggt man schon so rasch durch drei Städte? Castrop, Recklinghausen, Herne. Und dann sind da noch die Leute, die ich kenne – die machen für mich das Ruhrgebiet ganz besonders aus.

RUBENS: Sind Sie denn hier geboren?
Till Beckmann: Ja, in Recklinghausen. Für den Zivildienst bin ich in Stuttgart gewesen und zwischendurch auch noch in Hamburg, seit dem Studium wohne ich in Bochum.

RUBENS: Wie kam der Kontakt zum Klartext-Verlag zustande?
Till Beckmann: Letztlich auch über „Kohle, Kumpels und Kanal”. Brigitte Kraemer veröffentlicht dort ihre Bildbände. Von der Wettbewerbsidee waren sie dort sehr angetan und unterstützen mich sehr.

RUBENS: Mit welcher Art und mit wie vielen Einsendungen rechnen Sie?
Till Beckmann: Je mehr desto besser. Es können gerne mehrere Hundert sein. Die ersten Beiträge sind schon da, darunter sind klassische Kurzgeschichten, aber auch typische Poetry Slam Texte. Wir haben uns auch explizit an Schulen gewandt und die Schüler animiert, spontan ein SMS Gedicht zu schreiben.

Schnelle Entscheidung

RUBENS: Zwischen Einsendeschluss und Präsentation liegt gerade mal eine gute Woche, da muss sich die Jury schnell entscheiden, oder?
Till Beckmann: Das stimmt, zur Not liest nicht jeder alle Texte. Das kriegen wir schon hin.

RUBENS: Was kann man bei dem Präsentationsabend in der Buchhandlung Napp alles erwarten?
Till Beckmann: Wir planen ein etwa anderthalbstündiges Programm. Die zehn schönsten Texte werden vorgelesen. Das können die Autorinnen und Autoren selbst machen. Wenn sie nicht möchten, lesen Schauspieler aus Bochum oder Herne. Auch die Jury soll zu Wort kommen und ihre Entscheidungen erklären.

RUBENS: Ist neben Preisgeld und Präsentation auch eine Publikation geplant?
Till Beckmann: Das könnte gut sein. Letztlich hängt es von der Qualität der Texte ab.

RUBENS: Hat das Ganze eigentlich was mit RUHR.2010 zu tun?
Till Beckmann: Nein, gar nichts. Dafür war es zum einen zu spät und zum anderen muss es ja auch 2010 irgendwas geben, dass nicht mit der Kulturhauptstadt zu tun hat.

Der Wettbewerb
Der Essener Klartextverlag und der RUB-Student Till Beckmann suchen in einem Literaturwettbewerb den schönsten Text übers Ruhrgebiet. Akzeptiert werden alle Gattungen: von der Kurzgeschichte bis zum SMS Gedicht. Alle Texte werden von einer dreiköpfigen Jury begutachtet: Dr. Stephanie Dressler (Lehrbeauftragte an der RUB für Literaturwissenschaft), Katrin Butt (Klartext Verlag) und Helmut Wenderoth (Kresch Theater Krefeld). Die Autor/innen der drei besten (schönsten) Texte bekommen Geldpreise: insgesamt 1.000 Euro, gestiftet vom Herner Unternehmen FLEXOPHARM und dessen Geschäftsführer Dr. Ulrich Matthes. Die Texte selbst werden am 6. März (19.30 h) in der Bochumer Kulturbuchhandlung Napp am Schauspielhaus (Pieperstraße) von den Autor/innen und/oder Schauspielern präsentiert; dabei findet auch die feierliche Preisverleihung statt. Einsendeschluss für die Texte ist der 26. Februar, zu schicken per Post an Till Beckmann, Wilhelm-Stumpf Straße 52, 44789 Bochum, oder elektronisch: till.beckmann-g1h@rub.de. Infos unter 0178-1859260.

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