Till sucht schöne Texte
RUB-Student Till Beckmann initiiert einen Literaturwettbewerb
Lyrik, SMS Gedicht, Poetry Slam Text, Kurzgeschichte
oder Hymne – der schönste Text übers Ruhrgebiet
kann viele Formen haben. Hauptsache, er ist „schön”
und kann die Jury des Wettbewerbs überzeugen. Und
natürlich muss er rechtzeitig beim Initiator Till
Beckmann eintreffen. Mit dem Bochumer Literaturstudenten
sprach Arne Dessaul u.a. über schöne Texte,
das Ruhrgebiet und die Idee zu diesem ganz von RUHR.2010
östen Wettbewerb.
RUBENS: Wie kamen Sie auf die Idee zum Literaturwettbewerb?
Till Beckmann: Meine Geschwister und
ich sind ja alles Theaterleute: Maja gehört zum Schauspielhaus-Ensemble,
Lina ist in Köln engagiert, Nils und ich sind beim
Kresch Theater Krefeld und beim Theater Kohlenpott. Zusammen
führen wir seit ein paar Wochen das Ruhrgebietsstück
„Kohle, Kumpels und Kanal” auf, zunächst
in der Buchhandlung Napp, jetzt beispielsweise im Theater
unter Tage, im Dortmunder Sissikingkong oder am 20. Februar
in den Herner Flottmannhallen. Wir lesen Texte von Ralf
Rothmann, Jürgen Lodemann, Werner Streletz und Peter
Stripp. Wir zeigen dazu in schneller Folge Fotografien
von Brigitte Kraemer von Trinkhallen, Kanälen, Autos
und Menschen. Und wir servieren Fiege und süße
Tüten. Durch diese Texte und die schönen Fotos
kam mir dann die Idee zum Wettbewerb.
Joggen am Kanal
RUBENS: Was ist für Sie ein „schöner
Text”?
Till Beckmann: Es bedeutet jedenfalls
nicht, dass jemand etwas Schönes übers Ruhrgebiet
schreiben soll. Er oder sie kann gerne schreiben, dass
hier alles schlimm und hässlich ist. Es sollte
nur irgendwie „schön” geschrieben sein.
RUBENS: Und was macht für Sie das Ruhrgebiet
aus?
Till Beckmann: Ganz persönlich
profitiere ich von der ausgeprägten Theater- und
Kulturszene, die es auch Anfängern wie mir ermöglicht,
Theater zu machen. Ich selbst mag die Halden und bin
im Sommer am liebsten am Rhein-Herne-Kanal. Dort jogge
ich auch gerne. Wo sonst joggt man schon so rasch durch
drei Städte? Castrop, Recklinghausen, Herne. Und
dann sind da noch die Leute, die ich kenne – die
machen für mich das Ruhrgebiet ganz besonders aus.
RUBENS: Sind Sie denn hier geboren?
Till Beckmann: Ja, in Recklinghausen.
Für den Zivildienst bin ich in Stuttgart gewesen
und zwischendurch auch noch in Hamburg, seit dem Studium
wohne ich in Bochum.
RUBENS: Wie kam der Kontakt zum Klartext-Verlag
zustande?
Till Beckmann: Letztlich auch über
„Kohle, Kumpels und Kanal”. Brigitte Kraemer
veröffentlicht dort ihre Bildbände. Von der
Wettbewerbsidee waren sie dort sehr angetan und unterstützen
mich sehr.
RUBENS: Mit welcher Art und mit wie vielen Einsendungen
rechnen Sie?
Till Beckmann: Je mehr desto besser.
Es können gerne mehrere Hundert sein. Die ersten
Beiträge sind schon da, darunter sind klassische
Kurzgeschichten, aber auch typische Poetry Slam Texte.
Wir haben uns auch explizit an Schulen gewandt und die
Schüler animiert, spontan ein SMS Gedicht zu schreiben.
Schnelle Entscheidung
RUBENS: Zwischen Einsendeschluss und Präsentation
liegt gerade mal eine gute Woche, da muss sich die Jury
schnell entscheiden, oder?
Till Beckmann: Das stimmt, zur Not
liest nicht jeder alle Texte. Das kriegen wir schon
hin.
RUBENS: Was kann man bei dem Präsentationsabend
in der Buchhandlung Napp alles erwarten?
Till Beckmann: Wir planen ein etwa
anderthalbstündiges Programm. Die zehn schönsten
Texte werden vorgelesen. Das können die Autorinnen
und Autoren selbst machen. Wenn sie nicht möchten,
lesen Schauspieler aus Bochum oder Herne. Auch die Jury
soll zu Wort kommen und ihre Entscheidungen erklären.
RUBENS: Ist neben Preisgeld und Präsentation
auch eine Publikation geplant?
Till Beckmann: Das könnte gut
sein. Letztlich hängt es von der Qualität
der Texte ab.
RUBENS: Hat das Ganze eigentlich was mit RUHR.2010
zu tun?
Till Beckmann: Nein, gar nichts. Dafür
war es zum einen zu spät und zum anderen muss es
ja auch 2010 irgendwas geben, dass nicht mit der Kulturhauptstadt
zu tun hat.
Der Wettbewerb
Der Essener Klartextverlag und der RUB-Student Till
Beckmann suchen in einem Literaturwettbewerb den schönsten
Text übers Ruhrgebiet. Akzeptiert werden alle Gattungen:
von der Kurzgeschichte bis zum SMS Gedicht. Alle Texte
werden von einer dreiköpfigen Jury begutachtet:
Dr. Stephanie Dressler (Lehrbeauftragte an der RUB für
Literaturwissenschaft), Katrin Butt (Klartext Verlag)
und Helmut Wenderoth (Kresch Theater Krefeld). Die Autor/innen
der drei besten (schönsten) Texte bekommen Geldpreise:
insgesamt 1.000 Euro, gestiftet vom Herner Unternehmen
FLEXOPHARM und dessen Geschäftsführer Dr.
Ulrich Matthes. Die Texte selbst werden am 6. März
(19.30 h) in der Bochumer Kulturbuchhandlung Napp am
Schauspielhaus (Pieperstraße) von den Autor/innen
und/oder Schauspielern präsentiert; dabei findet
auch die feierliche Preisverleihung statt. Einsendeschluss
für die Texte ist der 26. Februar, zu schicken
per Post an Till Beckmann, Wilhelm-Stumpf Straße
52, 44789 Bochum, oder elektronisch: till.beckmann-g1h@rub.de.
Infos unter 0178-1859260.
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