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RUBENS 139

4. Januar 2010

Nur 12 Minuten entfernt



Ruhr-Uni und Bergbau-Museum bilden gemeinsam Doktoranden aus



Der Blick auf ein Exponat im Deutschen Bergbau-Museum und die dazugehörige Infotafel sorgt meist für ein Aha-Erlebnis und einen echten Erkenntnisgewinn. Zum Teil sind die Exponate Resultate von Dissertationsprojekten am DBM. Denn das Haus ist Museum und zugleich außeruniversitäres Forschungsinstitut. Seine Wissenschaftler arbeiten eng mit der Ruhr-Universität zusammen, auch bei der Doktorandenausbildung. Momentan entstehen etwa 20 Dissertationen am DBM. Doch die Doktoranden forschen nicht nur. Zuletzt haben sie eine vielbeachtete Tagung organisiert.


„Das Rheinisch-Westfälische Kohlen-Syndikat (RWKS) und die Konzentration im Ruhrbergbau”, „Der Handel mit Mühlsteinen und Tuff aus der Osteifel im Mittelalter und der Frühen Neuzeit” oder „Die Archäologie der Eisenzeit am Kavango im Nordosten Namibias”: Der Forschung und damit den Doktorarbeiten am Deutschen Bergbau-Museum (DBM) sind weder geografische noch zeitliche Grenzen gesetzt – solange die übergeordnete Forschungsfrage des Museums behandelt wird. „Die Forschung im DBM dokumentiert und bewertet umfassend die Entwicklung und Geschichte des Bergbaus als Urproduktion der Menschheit und unverzichtbare Notwendigkeit bis in die Gegenwart hinein” lautet die allgemeine Formel; dahinter liegen Forschungsfelder wie Montanarchäologie, Archäometallurgie, Bergbaugeschichte, Bergbautechnik, Informationssysteme und Denkmalschutz/Materialkunde. „Dabei geht es aber keineswegs ausschließlich um Steinkohle, sondern um jede Form von Bergbau”, betont Dr. Stefan Brüggerhoff, der stellvertretende Forschungsdirektor des DBM.

Strukturierte Doktorandenausbildung

Die Doktoranden des Leibniz-Forschungsmuseums sind auf all diese Forschungsbereiche verteilt. Die meisten von ihnen haben dort feste Verträge; ihre Stellen wurden zuvor international ausgeschrieben und so kamen die erfolgreichen Bewerber nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus den USA, aus Georgien oder aus Jordanien. Einige Doktoranden sind an anderen Universitäten beschäftigt, die meisten in Bochum. Studiert haben sie vorher Fächer wie Archäologie, Wirtschafts- oder Technikgeschichte, bisweilen auch Chemie, Geologie oder Geografie.
Viele Disziplinen, viele Herkunftsländer – das ist interdisziplinär und international, das duftet aber auch nach babylonischem Sprachgewirr. Doch davon ist nichts zu spüren. Im Gegenteil: Das DBM setzt auf eine strukturierte Doktorandenausbildung. Die Doktoranden bilden sich zusammen fort, besuchen gemeinsam Seminare zum Thema Wissenschaftsmanagement, tauschen sich untereinander aus, vernetzen sich, wählen aus ihren Reihen Sprecher/innen – und sie haben Ende November in Eigenregie eine Doktoranden-Tagung am DBM veranstaltet. „Normalerweise trifft man sich fachbezogen zu Kolloquien und stellt dort den anderen seine Doktorarbeit vor. Wir wollten aber alle Doktoranden des DBM auf einmal haben, auch die externen Doktorvätern und natürlich die internen Forschungsleiter. So ist das alles eine Nummer größer geworden. Der PhD Student Day dauerte einen ganzen Tag, es gab acht ausführliche Fachvorträge – auf Englisch, um die Vortragspraxis zu schulen – plus Diskussionen”, fasst Jan Ludwig die Tagung zusammen. Bislang fungierte er als kommissarischer Sprecher der DBM-Doktoranden und als Organisator der Tagung. „Das lag aber auch daran, dass ich meine Arbeit schon abgegeben habe und mehr Zeit hatte als die anderen”, schmunzelt der Historiker, der in seiner Dissertation den „Erzbergbau im Sauerland” untersuchte.

Graduiertenkolleg geplant

Da Jan Ludwig demnächst – mit Doktorhut – das Museum verlassen wird, wurden auf der Tagung zwei neue Sprecher/innen gewählt. „Zwei, weil wir für beide großen Gruppen je einen Ansprechpartner haben möchten”, erklärt Erica Hanning. Die US-Amerikanerin ist Sprecherin der hauptsächlich Feldforschung betreibenden Archäologen. Daneben gibt es die Gruppe der eher in Archiven forschenden Historiker, ihr Sprecher ist Meinrad Pohl. Zu den Aufgaben der beiden gehört auch die Organisation der nächsten Doktoranden-Tagung, denn eine solche soll es fortan jährlich geben.
Dass die Doktorandenausbildung fürs Museum von „hoher Bedeutung” ist, hob Museumschef Prof. Dr. Rainer Slotta auf der Tagung hervor. Andererseits besitzt das DBM (genau wie andere außeruniversitäre Forschungsinstitute) kein eigenes Promotionsrecht und ist für die Betreuung seiner Doktoranden auf die Kooperation mit Universitäten angewiesen. Insbesondere der Ruhr-Uni als direkte Nachbarin (12 U-Bahn-Minuten entfernt!) kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Sechs Professoren der RUB betreuen zurzeit Doktorarbeiten am DBM: Prof. Andreas Hauptmann, Prof. Thomas Stöllner und Prof. Ünsal Yalcin (alle Archäologische Wissenschaften), Prof. Carsten Jürgens (Geografisches Institut), Prof. Dieter Ziegler (Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte) und Prof. Klaus Tenfelde (Institut für soziale Bewegungen). Hauptmann, Stöllner und Yalcin sind zugleich Forschungsleiter am DBM. Damit wird zugleich die enge Zusammenarbeit von Bergbaumuseum und Ruhr-Uni deutlich, von der auch die Uni profitiert. Wenn es nach Dr. Stefan Brüggerhoff geht, wird sie demnächst in ein Graduiertenkolleg münden: „Wir sind gerade dabei, eines einzuwerben und hoffen, dass es 2011 so weit ist.”

Bronzezeitlicher Hochofen

Soweit der Blick hinter die Kulissen des Bergbaumuseums. Vor den Kulissen locken Tausende von Exponaten und Infotafeln. Sie gehen zum Teil direkt zurück auf die Forschungen, sind die „Popularisierung der Forschungsergebnisse”, wie Stefan Brüggerhoff es ausdrückt. Am Beispiel von Erica Hannings montanarchäologischer Dissertation zum ostalpinen Bergbau der Bronzezeit lässt sich das gut prognostizieren. Dort geht es u.a. um Verhüttungsversuche in einem nachgebauten bronzezeitlichen Hochofen, um Erkenntnisse zur Erzproduktion dieser Epoche zu gewinnen. Ein solcher, per Blasebalg betriebener Mini-Hochofen könnte ab 2015 zu den Attraktionen eines neuen Kernrundgangs im Bergbaumuseum gehören. Dann werden vor allem in den Hallen 12, 13 und 14 noch viele weitere Exponate zu bewundern sein, die den Doktorarbeiten von heute entspringen.



Deutsches Bergbau-Museum
Das 1930 gegründete Deutsche Bergbau-Museum zählt jährlich etwa 400.000 Besucher/innen und gilt als bedeutendstes Bergbaumuseum der Welt. Auf einer Ausstellungsfläche von über 12.000 qm werden Exponate zu Geschichte und Gegenwart des Bergbaus gezeigt. Die momentan im Umbau befindliche Halle 1 dient 2010 als Bochumer Besucherzentrum im Kulturhauptstadtjahr. Am 6. Dezember wurde mit der Sonderausstellung „Glück auf! Ruhrgebiet – der Steinkohlebergbau nach 1945” der im Volksmund „Schwarzer Diamant” genannte Erweiterungsbau des DBM offiziell eröffnet. Infos: http://www.bergbaumuseum.de.

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